Europäischer Jüdischer Kongress

Wegen britischer Strafmaßnahmen: Kantor tritt zurück

Gibt sein Amt als EJC-Präsident auf: Moshe Kantor Foto: imago stock&people

Im Juni 2007 wurde der russische Unternehmen und Philanthrop Viatcheslav Moshe Kantor erstmals zum Präsidenten des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC) gewählt. Gleich mehrfach wurde der heute 68-Jährige bestätigt. Am Donnerstagabend wurde nun bekannt, dass er das Amt mit sofortiger Wirkung niederlegt.

SANKTIONEN Die britische Regierung hatte am Mittwoch den seit einigen Jahren in London lebenden Geschäftsmann und Multimilliardär Moshe Kantor mit Sanktionen belegt, sein Vermögen in Großbritannien eingefroren und ihm ein Ausreiseverbot auferlegt. Es wird damit gerechnet, dass auch die Europäische Union in Kürze nachziehen wird und Kantor ebenfalls auf die Sanktionsliste russischer Oligarchen setzt, denen eine Nähe zum russischen Staatschef Wladimir Putin unterstellt wird.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Großbritanniens Außenministerin Liz Truss zufolge ist Kantor eine jener Personen, die Putin »zur Stützung seiner Kriegswirtschaft nutzt«. Der Hauptaktionär des russischen Düngemittelunternehmens Acron sei für die Regierung in Moskau »von entscheidender strategischer Bedeutung«, erklärte Truss am Mittwoch.

MITTEILUNG In einer internen E-Mail teilte der Dachverband der jüdischen Gemeinschaften am Donnerstagabend mit: »Der Europäische Jüdische Kongress bedauert zutiefst, mitteilen zu müssen, dass Dr. Moshe Kantor nach den gegen ihn verhängten Wirtschaftssanktionen des Vereinigten Königreichs und der EU mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Präsident der Organisation zurücktreten wird.«

Kantor, so die Mitteilung weiter, habe sich zum Rücktritt entschlossen, »um sicherzustellen, dass der EJC seine wichtige Aufgabe ohne Ablenkung fortsetzen kann«. Kantor sei »fest entschlossen, seinen Namen reinzuwaschen«. Er strebe die Aufhebung der »ungerechtfertigten Beschränkungen seiner Aktivitäten« an. Das Führungsgremium des EJC werde, so hieß es weiter, in Kürze zusammentreten, um die weiteren Schritte zu beraten. Wer Kantor als EJC-Präsident nachfolgen könnte, erscheint gegenwärtig noch unklar.

https://twitter.com/jessicaelgot/status/1512062603534643203

Am Donnerstag gab der frühere britische Premierminister Tony Blair seinen Rückzug vom Vorsitz des ebenfalls von Kantor gegründeten und finanzierten European Council of Tolerance and Reconciliation (ECTR) bekannt, dem Blair seit 2015 vorsaß. Zur Begründung führte er ebenfalls die Sanktionen gegen den russischen Geschäftsmann an. Erst vor Kurzem war der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zum Vorstandsmitglied des ECTR berufen worden.

WELTKONGRESS Am Freitag gab der Jüdische Weltkongress, dessem Policy Council Moshe Kantor bislang vorstand, bekannt, dass Personen, die auf Sanktionslisten der EU, der USA oder Großbritanniens stünden, keine Funktion innerhalb des WJC übernehmen könnten.

»Niemand, dessen Name auf einer Liste von Personen steht, die von der Europäischen Union, dem Vereinigten Königreich oder den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine sanktioniert wurden, kann eine Position oder eine Rolle im Jüdischen Weltkongress einnehmen«, so das Statement wörtlich. Lapidar fügte der WJC hinzu: »Außerdem nehmen wir den Rücktritt von Moshe Kantor als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses zur Kenntnis.«

Porträt

Challa vom Prinzen

Idan Chabasov wurde mit seinen kunstvollen Zopfkreationen auf Instagram berühmt. Sein simples Rezept: Mehl, Wasser, Hefe und Verbundenheit zur jüdischen Gemeinschaft. Seine ersten Challot hat er in Berlin gebacken

von Nicole Dreyfus  29.03.2026

Gesa Ederberg

»Globaler und vielfältiger«

Die Berliner Rabbinerin über ihre neue Präsidentschaft der »Rabbinical Assembly«, amerikanische Kollegen und europäischen Elan

von Mascha Malburg  29.03.2026

Großbritannien

Wegen Hamas-Lob: Polizei nimmt Ärztin zum fünften Mal fest

Immer wieder machte die britisch-palästinensische Medizinerin Rahmeh Aladwan mit antisemitischer Hetze von sich reden. Doch auch dieses Mal wurde sie nicht in Haft genommen

 27.03.2026

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Der Actionstar und Meme-König wurde 86 Jahre alt. Und war immer ein großer Freund Israels

von Sophie Albers Ben Chamo  25.03.2026

Russland

Kleines Haus, große Herausforderung

Einst trugen Schoa-Überlebende in Sankt Petersburg eine Ausstellung zusammen. Nun ist daraus ein Museum geworden, das auch jungen Menschen die jüdische Geschichte näherbringt

von Polina Kantor  24.03.2026

Belgien

Zwei Festnahmen nach Brandstiftung in Antwerpen

Zwei Minderjährige sollen an der Grenze zum jüdischen Viertel ein Auto angezündet haben

 24.03.2026