Schweiz

Versöhnung und Schokolade

Rolf Bloch (1930–2015) Foto: dpa

Ein Frühsommer-Tag 1992 in der Schweizer Kleinstadt Biel. In einem vollen, kochenden Saal tritt ein unscheinbarer Mann ans Rednerpult und sagt nur ein hebräisches Wort: »Hineni!« (Hier bin ich!). Der Mann ist der 62-jährige Rolf Bloch, den die Delegierten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) zum Präsidenten gewählt haben. Er erklärt mit diesem einen Wort seine Bereitschaft, sich für die jüdische Gemeinschaft seines Landes einzusetzen.

Das hat er schon vorher getan, als Präsident der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt Bern, und das wird er nun vor allem dann tun, als ab 1996 massive Vorwürfe gegen sein Heimatland erhoben werden. Bei den Anschuldigungen geht es um die Rolle der Schweiz während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Spät, aber dafür umso heftiger, muss sich das Land damit auseinandersetzen.

Fronten »Gerechtigkeit für die Juden, Fairness für die Schweiz« lautet bald Blochs Motto. Mit diesem Satz erreicht der SIG-Präsident, dessen Umgangsformen eher an die eines Diplomaten als an die eines Verbandsfunktionärs erinnern, sehr viel. Er weicht die starren Fronten auf. Auf der einen Seite stehen die Vertreter des Jüdischen Weltkongresses und verschiedene US-Politiker, die die Schweiz an den Pranger stellen und zum Zahlen auffordern. Auf der anderen Seite steht die immer trotzigere Schweizer Öffentlichkeit, die sich gegen die angeblich ungerechte Behandlung zur Wehr setzt.

Rolf Bloch gelingt es, Gift aus der Diskussion zu nehmen. Die Schweizer Regierung ernennt ihn zum Präsidenten des »Schweizer Spezialfonds zugunsten bedürftiger Schoa-Opfer«. Dieser verteilt bis 2002 knapp 300 Millionen Franken an 300.000 Überlebende in aller Welt. Außerdem arbeitet eine Historikerkommission die Rolle der Schweiz in jenen dunklen Jahren auf. Spät, aber letztlich konsequent stellt sich die Schweiz ihrer Verantwortung. Ein Verdienst, das nicht zuletzt Rolf Bloch für sich reklamieren könnte – was der bescheidene Mann aber selbstverständlich niemals tat.

Über diesen Verdiensten könnte fast vergessen werden, dass Rolf Bloch vor allem Schokoladen-Fabrikant war. Und obwohl er selbst nicht orthodox, sondern traditionell lebte, produzierte sein Unternehmen auch koschere Schokolade. Am 27. Mai ist Rolf Bloch im Alter von 84 Jahren in Bern gestorben.

Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Die Justiz wirft zwei französisch-israelischen Frauen vor, Hilfslieferungen in den Gazastreifen behindert zu haben

 05.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Obwohl der britische Premier von der Freundschaft Peter Mandelsons zu Jeffrey Epstein wusste, ernannte er ihn zum Botschafter in den USA. Selbst in den eigenen Reihen ist der Ärger groß

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  31.01.2026