Großbritannien

Unterhaus: Palestine Action als Terrororganisation eingestuft

Anhänger von Palestine Action vor dem Gerichtsgebäude in London. Vier Aktivisten sind dort angeklagt Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Das britische Unterhaus hat mit großer Mehrheit einem Vorschlag der Labour-Regierung zugestimmt, die Gruppe »Palestine Action« als terroristische Vereinigung einzustufen und zu verbieten. 385 Abgeordnete stimmten für das Verbot, 26 votierten dagegen. Der Schritt muss vor Inkrafttreten noch vom Oberhaus gebilligt werden, was aber als Formsache gilt.

Künftig wäre damit die Mitgliedschaft in der verbotenen Gruppierung mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 14 Jahren verbunden. Der Dachverband britischer Juden begrüßte den Schritt ausdrücklich. Phil Rosenberg, Präsident des Board of Deputies of British Jews, sagte, das Vorgehen von Palestine Action in den letzten Monaten sei »ungeheuerlich« gewesen. Auch jüdische Organisationen und Gemeindeeinrichtungen seien im Visier gewesen. »Das Verbot ist ein notwendiger und angemessener Schritt, um die öffentliche Sicherheit zu schützen und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.«

Die israelkritische Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte das Votum dagegen und sprach von einer »Überreaktion«. Am Mittwoch wurden zudem vier Anhänger von Palestine Action nach einer Protestaktion festgenommen, wie die Londoner Polizei mitteilte. Eine Frau hatte sich an einem Eingangstor zum Parlamentsgebäude festgekettet.

Lesen Sie auch

Mitte Juni waren vier Mitglieder der antiisraelischen Gruppe auf den Luftwaffenstützpunkt Brize Norton ein und hatten dort mehrere Transportflugzeuge der Royal Air Force (RAF) vom Typ Voyager mit Vorschlaghämmern beschädigt. Man habe so versucht, »die Kette der Unterdrückung« durch Israel in Gaza zu durchbrechen.

Vier Mitglieder der Gruppe erschienen am Donnerstag vor GerichtFoto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Der Schaden der Aktion wird auf rund neun Millionen Euro geschätzt. Sie hatte in der britischen Öffentlichkeit große Empörung ausgelöst und auch Fragen nach der Sicherheit militärischer Einrichtungen aufgeworfen, da die Eindringlinge zunächst unbemerkt entkommen konnten.

Die vier Aktivisten – drei Männer im Alter von 22, 24 und 35 Jahren und eine 29-jährige Frau - mussten am Donnerstag in London vor Gericht erscheinen. Sie sind wegen Gefährdung der Sicherheit des Vereinigten Königreichs und wegen Sachbeschädigung angeklagt. In Brize Norton sind rund 5800 Soldaten stationiert. Es ist der größte Luftwaffenstützpunkt der RAF.

Palestine Action war in den vergangenen Jahren mehrfach durch zum Teil spektakuläre Proteste gegen Israel aufgefallen. mth

Großbritannien

Frauen haben Besseres verdient

Die Journalistin Marina Gerner beklagt in ihrem Buch fehlende Innovationen im Bereich Frauengesundheit – und eckt nicht nur mit dem Titel an

von Amie Liebowitz  28.11.2025

Kultur

André Heller fühlte sich jahrzehntelang fremd

Der Wiener André Heller ist bekannt für Projekte wie »Flic Flac«, »Begnadete Körper« und poetische Feuerwerke. Auch als Sänger feierte er Erfolge, trotzdem konnte er sich selbst lange nicht leiden

von Barbara Just  28.11.2025

Niederlande

Demonstranten stören Vorlesung in Gedenken an Nazi-Gegner

An der Universität Leiden erzwangen antiisraelische Studenten die Verlegung einer Gedächtnisvorlesung zum Andenken an einen Professor, der während der Nazi-Zeit gegen die Judenverfolgung protestiert hatte

von Michael Thaidigsmann  28.11.2025

Großbritannien

Verdächtiger nach Anschlag auf Synagoge in Manchester festgenommen

Der Angriff auf die Synagoge am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur sorgte international für Bestürzung. Jetzt wurde ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen

von Burkhard Jürgens  27.11.2025

Bereit fürs ICZ-Präsidium: Noëmi van Gelder, Arthur Braunschweig und Edi Rosenstein (v.l.n.r.)

Interview

»Meinungsvielfalt gilt es auszuhalten« 

Am 8. Dezember wählt die Gemeindeversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ein neues Präsidium. Ein Gespräch mit den Kandidaten über Herausforderungen an die Gemeinde, Grabenkämpfe und Visionen

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Schweiz

Antisemitismus auch in der queeren Szene benennen

Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich teils unsicher, wenn in der queeren Szene über Israel gesprochen wird. Der Verein Keschet will das ändern

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Das Ausmalbuch "From the river to the sea" in einer Buchhandlung in Zürich.

Meinung

Mit Kufiya und Waffen

Ein Kinderbuch mit Folgen

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.11.2025

USA

Personifizierter Hass

Menschen wie Nick Fuentes waren lange ein Nischenphänomen. Nun drängen sie in den Mainstream - und sind gefährlicher denn je

von Sophie Albers Ben Chamo  26.11.2025

Meinung

Die polnische Krankheit

Der Streit um einen Tweet der israelischen Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem zeigt, dass Polen noch immer unfähig ist, sich ehrlich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen

von Jan Grabowski  26.11.2025