Lebende Legenden

Trevor Rabin feiert Solo-Comeback

Trevor Rabin bei der Arbeit Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Lebende Legenden

Trevor Rabin feiert Solo-Comeback

Als Gitarrist von Yes prägte er den Rock-Sound der 1980er. Nun ist er zurück

von Philip Dethlefs  03.10.2023 11:17 Uhr

Filmliebhaber kennen ihn als Soundtrack-Komponisten für Blockbuster wie »Con Air« oder »Armageddon«. Rockfans ist der Südafrikaner Trevor Rabin spätestens seit 1983 ein Begriff. Als Gitarrist und Songwriter der Progressive-Rock-Giganten Yes bescherte Rabin der britischen Band ihren größten Hit: »Owner Of A Lonely Heart«. Nun meldet sich der 69-jährige Jude überraschend mit seinem ersten Soloalbum seit 34 Jahren zurück.

Eigentlich hatte er nur vorgehabt, eine Handvoll Soundtracks zu produzieren. »Und auf einmal sind 30 Jahre vergangen und ich habe 50 Filme gemacht. Ich denke nur: Wo ist die Zeit geblieben?«, sagt Rabin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auf einer Welttournee mit den ehemaligen Yes-Kollegen Jon Anderson und Rick Wakeman packte es ihn. »Ich dachte mir, ich muss so bald wie möglich ein Soloalbum aufnehmen.« Er verordnete sich selbst eine Filmpause und ging ins Studio in seinem Haus in Hollywood.

Guter Zeitpunkt »Rio« heißt das Album, auf dem der Sänger und Multiinstrumentalist fast alle Instrumente selbst spielt und seine ganze musikalische Bandbreite zeigt. Die zuvor absolvierte Tournee war dafür hilfreich. »Glücklicherweise war meine Stimme nach 200 oder wie vielen Shows mit Rick und John gut im Training. Deshalb war es ein guter Zeitpunkt für die Aufnahmen«, sagt Rabin. »Ich war in ziemlich guter Verfassung. Meine Finger waren gut in Form, also war die Zeit genau richtig.«

Das Album beginnt mit bombastischem Rock - in »Big Mistakes« singt Rabin über seine wilde musikalische Jugend, die ihn letztlich zur Band Rabbitt und später zu Yes führte. »Push« ist ein progressiver Siebenminüter, der anfangs stark an seine Zeit mit den britischen Prog-Ikonen erinnert. Keine Frage, Rabin hatte größeren Einfluss auf den Sound von Yes, als die Band auf den Musiker hatte. Aber es war eine für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit von 1983 bis 1995.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In »Oklahoma«, einer vielschichtigen Ballade über den Terroranschlag von 1995 in der US-Stadt, kommt der Filmkomponist durch. Wenn Rabin zu den wuchtigen Klängen eines Orchesters seine E-Gitarre spielt, hat das ein wenig Hollywood-Feeling. Das wirkt vielleicht etwas dick aufgetragen, ist aber sehr schön.

Erstaunlich gut Mit »Goodbye« ist dem 69-Jährigen sogar eine Country/Bluegrass-Nummer gelungen. »Ich liebe die großen Country-Musiker«, sagt Rabin. »Und ich dachte mir: Wisst ihr was? Auf diesem Album sagt mir niemand, was ich zu tun habe, denn ich mache das ja ganz allein für mich.« Der Refrain ist hingegen eher im Classic Rock verortet. Diese Kombination der Stilrichtungen passt erstaunlich gut zusammen.

Die Mehrheit der Songs auf »Rio«, das Rabin nach seiner Enkeltochter benannt hat, sind zeitlose Rocksongs mit progressivem Einschlag und der bereits erwähnten Yes-Note. Dieses Album hätte in den 1980er Jahren genauso gut funktioniert wie heute.

Dass der vielseitige Musiker nach der Reunion mit Anderson und Wakeman noch einmal unter dem Yes-Namen auftritt, ist übrigens nicht zu erwarten, zumal außer Gitarrist Steve Howe keiner seiner alten Bandkollegen noch Yes-Mitglied ist. »Die Tür ist mit einem dicken Balken versiegelt«, versichert er. Statt dessen denkt Trevor Rabin schon an sein nächstes Soloalbum und will auch auf Tournee gehen.

Rabins Urgroßvater väterlicherseits war ein Kantor aus Litauen, sein Großvater Gershon Rabinowitz ein koscherer Schlachter, der im 19. Jahrhundert in Südafrika eintraf. Der Anti-Apartheid-Aktivist Donald Woods, der auch durch einen biografischen Kinofilm bekannt wurde, ist Rabins Cousin.

Der Gitarrist sagte einst, seine gesamte Familie habe sich gegen die Rassentrennung engagiert. Jüdische Feiertage seien zu Hause stets begangen worden. (mit ja)

Italien

Mann in Mailand wegen Anschlagsplänen auf Synagoge festgenommen

Im Großraum Mailand stellt die Polizei einen 22 Jahre alten Mann, der Anschläge auf eine Synagoge und eine islamische Einrichtung geplant haben soll. Die Hintergründe sind noch unklar

 29.10.2026

»A young woman in a dress and a man in a plaid shirt sit at a small outdoor restaurant table at night, smiling and talking, with food and drinks on the table and city lights in the background.«

Hollywood

Nach dem Happy End ist davor

In der dritten Staffel der Erfolgsserie »Nobody Wants This« machen Joanne und ihr »Hot Rabbi« den Neben-Romanzen Platz. Und dann wird auch noch konvertiert. Spoiler Alert

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Frankreich

»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

Der Philosoph und Fernsehmoderator Raphaël Enthoven über Verantwortung, Spinozas Erbe und das Einzige, was uns wahrhaft zu erfüllen vermag

von Ute Cohen  28.10.2026

USA

Mike Tyson will seine Flagge zurück

Der Ex-Boxweltmeister legt sich mit einer Streetwear-Marke an, die ein altes Design in seinem Namen politisiert hat. Dabei geht es auch um Israel

von Hanna Persson  28.10.2026

Showbiz

Noah Wyle ist der »Sexiest Man Alive«, meint das »People«-Magazin

Der »The Pitt«-Star darf sich über den Titel freuen, der einst auch Harrison Ford schmückte. Seine Kinder sticheln schon, sagt Wyle

 28.10.2026

Medien

BBC zahlt 480.000 Euro Entschädigung nach Antisemitismus-Vorwurf

Die entlassene Produzentin Lucie Kon erhält fast 500.000 Euro von der BBC nach Antisemitismus-Vorwürfen. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde ihre Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Sender unerträglich

von Jamie Shapiro  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Island

Wo die Mikwe eine heiße Quelle war

Seit diesem Jahr hat der Inselstaat erstmals ein jüdisches Gemeindezentrum. Juden spielten in der Geschichte des Landes allerdings eine wichtigere Rolle als bisher bekannt

von Elke Wittich  26.10.2026

Miami

Bei den koscheren Panthern

Seit 2015 gibt es an der Florida International University die jüdische Studierendenorganisation »Hillel«. Zu Besuch an einem Nachmittag im Oktober

von Katrin Richter  26.10.2026