Kalifornien

Trauer und Entsetzen nach Attentat

Trauernde vor der Synagoge in Poway Foto: dpa

Bei einem Angriff auf eine Synagoge im US-Bundesstaat Kalifornien am letzten Tag des Pessachfestes ist nach offiziellen Angaben eine Frau ermordet worden. Das sagte der Bürgermeister von Poway, Steve Vaus, dem Sender CNN.

Drei weitere Menschen – darunter der Rabbiner der Synagoge– seien am Samstag verletzt worden, sagte der Sheriff im San Diego County, Bill Gore. Später wurde bekannt, dass der rechte Zeigefinger des Rabbiners  Yisroel Goldstein amputiert werden musste.

Wie das israelische Außenministerium am Sonntag mitteilte, seien unter den Verletzten zwei Israelis, ein achtjähriges Mädchen und ihr 31-jähriger Onkel. Sie seien vor einigen Jahren aus der israelischen Grenzstadt Sderot nach San Diego gezogen.

Sicherheit In einem Post auf der Facebook-Seite von Chabad San Diego nannte Rabbiner Zalman Carlebach das Attentat »einen großen Verlust für uns alle«.

Die Gemeinde trauere um die 60-jährige Lori Gilbert-Kaye und bete für eine schnelle Genesung von Rabbiner Yisroel Goldstein, Noya Dahan und ihrem Onkel Almog Peretz. Das Mädchen und sein Onkel seien, laut Angaben der Mutter, auf dem Weg der Besserung.

Carlebach bedankte sich beim San Diego Police Department und dem Büro des Sheriffs, »die auch weiterhin die Synagoge bewachen und für unsere Sicherheit sorgen werden«.

Man werde, hieß es, die Sicherheitsmaßnahmen überprüfen.

Täter Nach Angaben des Sheriffs drang der mit einem Gewehr bewaffnete Angreifer am Samstagvormittag in die Chabad-Synagoge in Poway nördlich der Stadt San Diego ein und eröffnete das Feuer.

Es handelt sich um ein »Hassverbrechen«, sagte der Bürgermeister.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen weißen 19-Jährigen aus San Diego, der sich widerstandslos festnehmen ließ. Bürgermeister Vaus sagte dem Sender CNN, er gehe davon aus, dass der Angreifer gezielt eine Synagoge ins Visier genommen habe. »Ich habe gehört, dass es definitiv jemand mit Hass in seinem Herzen war, Hass auf unsere jüdische Gemeinschaft.«

Sheriff Gore sagte, man prüfe, ob eine im Internet veröffentlichte Kampfschrift, die dem Festgenommenen zugeschrieben wurde, authentisch sei. Darin schreibt der Autor, dass Juden »nichts als die Hölle« verdienten. »Ich werde sie dorthin schicken.«

Der Verfasser bezieht sich darin auch auf Brenton Tarrant, den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch. Der Rechtsextremist soll für den Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern in Neuseeland verantwortlich sein.

Der Autor bekennt sich in dem nicht verifizierten Schreiben auch auf einen bislang nicht aufgeklärten Brandanschlag auf eine Moschee im kalifornischen Escondido kurz nach dem Anschlag in Christchurch. Sheriff Gore sagte, es werde geprüft, ob es eine Verbindung zu dieser Tat gebe.

Nach dem Angriff verurteilte US-Präsident Donald Trump jeglichen Antisemitismus auf das Schärfste.

reaktionen Nach dem Angriff verurteilte US-Präsident Donald Trump jeglichen Antisemitismus auf das Schärfste. »Unsere gesamte Nation trauert um den Verlust von Leben, betet für die Verletzten und ist solidarisch mit der jüdischen Gemeinschaft«, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Green Bay im Bundesstaat Wisconsin. »Mit Nachdruck verurteilen wir das Übel des Antisemitismus und des Hasses, das besiegt werden muss.«

Bundesaußenminister Heiko Mass äußerte sich erschüttert. »Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Getöteten und bei den Verletzten«, erklärte der Minister.

Der Zentralrat der Juden reagierte mit Fassungslosigkeit auf das Attentat. Es sei »nicht nur ein Angriff auf die Freiheit von Jüdinnen und Juden weltweit, ihren Glauben sicher und ungehindert auszuüben, es ist zugleich ein Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft und auf unsere Werte«, hieß es in einem Facebook-Post.

Der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, kritisierte die Internetkonzerne. Sie sollten dafür verantwortlich gemacht werden, eine Plattform für Rassismus, Antisemitismus und Hass zu bieten. »Die 5700 Mitarbeiter von Facebook, die das Hassmaterial ihrer zwei Milliarden Nutzer überwachen, sind ein trauriger Witz«, erklärte er. Gotteshäuser müssten von ihren Regierungen angemessen geschützt und Schusswaffen eingeschränkt werden.

Der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, drückte den Opfern des Attentats sein Beileid aus. Er rief Menschen aller Glaubensrichtungen dazu auf, zusammenzuhalten und diese Hassverbrechen nicht zu tolerieren.

In einer am Samstagabend (Ortszeit) veröffentlichten Mitteilung des San Diego County Sheriff’s Department wurden die Gemeinden dazu aufgerufen, ihre geplanten Veranstaltungen wie gewohnt durchzuführen und sie nicht abzusagen. Gemeindezentren würden bewacht werden.

HASSVERBRECHEN Nach jüngsten Statistiken der Bundespolizei FBI haben Hassverbrechen in den USA 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zugenommen. 2017 registrierten die Behörden 7175 solche Verbrechen. 1679 davon wurden als religiös motiviert eingestuft.

Von diesen Taten richteten sich wiederum 58,1 Prozent gegen Juden, 18,7 Prozent gegen Muslime. Kritiker werfen Trump vor, nicht energisch genug gegen Rechtsradikale Position zu beziehen oder sie mit seiner hitzigen Rhetorik sogar zu ermutigen.

Im vergangenen Oktober hatte ein Rechtsradikaler in der »Tree of Life«-Synagoge in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania elf Menschen erschossen. Nach den Worten von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu handelte es sich um das folgenschwerste antisemitische Verbrechen in der Geschichte der USA.

ENTSETZEN Dem Täter wird derzeit der Prozess gemacht. Ihm könnte nach Angaben des US-Justizministeriums die Todesstrafe drohen. Der Angriff hatte weit über die Grenzen der USA hinaus für Entsetzen gesorgt.

Bei der Terrorserie im indischen Mumbai war 2008 auch das örtliche Chabad-Zentrum angegriffen worden, sechs Menschen wurden damals ermordet.  dpa/ja

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