Damaskus

Syriens Regierung erteilt erster jüdischer Organisation Lizenz

Rabbiner Henry Hamra betet in einer Synagoge in Damaskus Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Im Jahr der Staatsgründung Israels nannten noch rund 30.000 Juden Syrien ihre Heimat. Doch ihre Zahl nahm in den Jahren nach 1948 rapide ab. Als syrische Juden ab 1992 die Erlaubnis bekamen auszureisen, kam es zu einem weiteren Exodus. Beim Sturz der Assad-Diktatur im Dezember 2024 waren nur noch zehn jüdische Menschen im Land ansässig.

Doch in den vergangenen Monaten haben syrische Juden in der Diaspora Anstrengungen unternommen, das jüdische Erbe des Landes wiederzubeleben. Ein wenig zumindest, denn viele ehemalige Synagogen und andere Gebäude der Gemeinschaft sind entweder zerstört oder wurden schon lange einer anderen Nutzung zugeführt.

Nun haben die syrischen Behörden erstmals einer jüdischen Organisation, die sich für die Rückgabe von unter früheren Regierungen beschlagnahmten Grundstücken der jüdischen Gemeinschaft einsetzt, eine Zulassung erteilt, wie ihr Gründer, Rabbiner Henry Hamra, der in den 90er-Jahren mit seinem Vater in die USA geflohen ist, mitteilte.

Lesen Sie auch

Der Vorsitzende der Stiftung »Jüdisches Erbe in Syrien«, erklärte, seine Organisation werde sich darum bemühen, ein Inventar der vom Assad-Regime beschlagnahmten jüdischen Gebäude und Stätten zu erstellen und diese instand zu setzen, damit sie für alle Juden zugänglich seien.

Hamra und sein Sohn waren am Mittwoch in Damaskus und beteten in der Synagoge. Anschließend trafen sie sich mit Syriens Ministerin für Soziales und Arbeit, Hind Kabawat. Sie ist Christin und die einzige Frau im Kabinett des Präsidenten Ahmad al-Scharaa. Kabawat sagte anschließend der Nachrichtenagentur AFP: »Syrien hilft allen syrischen Männern und Frauen jedweder Religion und Konfession, die unseren neuen Staat aufbauen wollen.«

Hamra mit Syriens Arbeits- und Sozialministerin Hind KabawatFoto: IMAGO/Anadolu Agency

Unklar ist allerdings weiterhin, wie ernst es der Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa mit der Öffnungspolitik meint. Der einstige Führer einer mit der Terrororganisation Al-Kaida verbundenden Miliz hatte nach dem Sturz von Baschar al-Assad die Macht in Syrien übernommen und ist seit Januar Präsident des Landes.

Auch in Aleppo fand kürzlich ein Besuch einer jüdischen Delegation statt, die unter großem Polizeischutz der seit Jahrzehnten geschlossenen Synagoge der größten syrischen Stadt einen Besuch abstattete. Während des Besuchs versprach der Gouverneur von Aleppo Berichten zufolge, dabei zu helfen, jüdisches Eigentum an seine rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. mth

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

London

Messerangriff auf Juden: Steckt erneut der Iran hinter der Tat?

Wieder ist es in der britischen Hauptstadt zu einem schweren antisemitischen Vorfall gekommen

von Michael Thaidigsmann  29.04.2026 Aktualisiert

Sydney

Benefizkonzert abgesagt: Griechischer Chor verweigert Auftritt mit jüdischem Ensemble

Sowohl der Leiter des Chors als auch jüdische Organisationen sind entsetzt

 29.04.2026

Italien

Nächstes Jahr in Palermo

Über Jahrhunderte war das Judentum fester Bestandteil Siziliens. Dann wurde es mehr als 500 Jahre lang dem Vergessen preisgegeben. Die Geschichte einer Wiederentdeckung

von Mark Feldon  28.04.2026

Vereinte Nationen

Welche Chancen hat diese Frau?

Erstmals könnte eine Frau neue UN-Generalsekretärin werden. Mit im Rennen ist Rebeca Grynspan aus Costa Rica. Sollte sie gewählt werden, wäre sie auch die erste jüdische Person im Amt

von Michael Thaidigsmann  28.04.2026

Universität Gent

»So weit ist es also gekommen«

Israelfeindliche Aktivisten haben erneut ein Fakultätsgebäude besetzt - obwohl die belgische Uni bereits vor zwei Jahren die Kooperation mit drei israelischen Hochschulen beendet hatte

von Michael Thaidigsmann  27.04.2026

Kirgistan

Hotel verbietet »Juden und Tieren« den Zutritt

Eine erst vor wenigen Wochen eröffnete Unterkunft in der kirgisischen Stadt Osch musste nach Intervention der israelischen Botschaft ein Schild wieder abhängen

 27.04.2026

Nachruf

Dirigent Michael Tilson Thomas mit 81 Jahren gestorben

Als Chefdirigent der San Francisco Symphony wurde er berühmt. Doch er arbeitete mit Orchestern in aller Welt. Nun ist der Musiker mit 81 Jahren gestorben

 24.04.2026

Österreich

Der geneigte Antisemit

In Wien soll das Denkmal des einstigen Bürgermeisters Karl Lueger um 3,5 Grad gekippt werden. Die jüdische Gemeinde sähe die Bronzestatue lieber im Museum. Ein Ortsbesuch

von Tobias Kühn  24.04.2026