Pessach

»Sie wäre eine gute Präsidentin«

Rabbi Fine, Sie hatten im Jahr 2000 eine sehr prominente Frau zu Gast beim Pessachseder, die jetzt wieder Schlagzeilen macht: Hillary Clinton. Wie haben Sie diesen Abend in Erinnerung?
Es war eine wirklich sehr schöne Erfahrung. Hillary Clinton war mit ihrer Tochter Chelsea bei uns zu Gast. Sie waren sehr nett, natürlich und unkompliziert. Hillary sprach ganz ungezwungen mit den anderen Gästen. Und sie beteiligte sich an der Lesung des Haggada-Textes, brachte ihre eigenen Interpretationen des Midrasch ein und verband die Erzählungen mit Beispielen von Unterdrückung und des damals aktuellen Weltgeschehens. Beide blieben länger als geplant. Hillary und Chelsea kamen um 18 Uhr und sollten eigentlich um 22 Uhr ihr Flugzeug erreichen. Aber sie blieben bis Mitternacht.

Wie kam es überhaupt zu der Einladung?
Die Clintons hatten in unserer Nachbarschaft in Chappaqua/New York ein Haus gekauft, sie planten damals bereits, Washington zu verlassen. Und mein jüngster Sohn Yoni war zu dieser Zeit Student an der Stanford-Universität in Kalifornien, hatte dort den gleichen Freundeskreis wie Chelsea. So lud er sie ein. Sie freute sich und fragte, ob sie ihre Eltern mitbringen könne. Präsident Bill Clinton konnte dann leider nicht kommen, er musste kurzfristig wegen eines Termins – übrigens mit Jassir Arafat – absagen.

Wenn so hoher Besuch kommt, wimmelt es da nicht von Reportern und Fotografen?
Hillary machte von Anfang an klar, dass sie keine Presse wollte. Wir konnten sie beruhigen, indem wir ihr sagten, dass wir am Feiertag auch keine Fotografen zulassen dürften. Ein paar Wochen später habe ich in meiner Synagoge darüber gesprochen, denn alle wollten wissen, wie es war. Es war kein Geheimnis, aber auch kein öffentliches Event.

Hat Hillary Clinton eine besondere Beziehung zum Judentum?
Ich denke schon. Denn bereits damals hatte sie mehrfach Sederfeiern beigewohnt. Aber das waren alles eher offizielle Anlässe größerer jüdischer Organisationen. Bei uns war es eher eine private und familiäre Atmosphäre. Seitdem wird sie wohl auch weitere Pessachabende erlebt haben, schließlich ist ihr Schwiegersohn jüdisch. Ihre Verbindung zur jüdischen Gemeinschaft scheint immer enger geworden zu sein. Und ein Zeitungsartikel, den sie dieser Tage veröffentlichte, liest sich fast wie eine Pessachpredigt. Das basiert auf Wissen und Erfahrung.

Damals war sie First Lady, heute bewirbt sie sich selbst um das US-Präsidentschaftsamt. Ist sie eine geeignete Kandidatin?
Auf jeden Fall. Sie ist die qualifizierteste Kandidatin. Wenn man sie privat kennenlernt, spürt man ihr Engagement, ihre Intelligenz und Wärme. Ich glaube, sie wäre eine wunderbare Präsidentin.

Wie verbringen Sie dieses Pessachfest?

Wir werden in Denver/Colorado sein und ganz im Kreis der Familie feiern.

Mit dem ehem. Rabbiner von Bet Torah in Mount Kisco/USA sprach Detlef David Kauschke.

Nachruf

Gloria Steinem: Ein Leben im Dienst der Gleichberechtigung

Die Journalistin und feministische Aktivistin starb im Alter von 92 Jahren. Mit ihrem Magazin »Ms.« veränderte sie den Blick auf Frauen nachhaltig

 04.09.2026

Schweiz

»Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!«

Der neunjährige Nathan Hertig ist eines von 25 jüdischen Kindern des FC Hakoah Zürich, die die Profis des FC Zürich ins Stadion begleiten durften. Im Interview erzählt er von diesem Erlebnis

von Nicole Dreyfus  03.09.2026

Terezín 2050

Theresienstadt: Zwischen Gedenken und Weiterleben

Einst Habsburger Festung, dann NS-Ghetto, heute tschechische Kleinstadt: Terezín (Theresienstadt) ist Erinnerungsort und lebendige Stadt zugleich. Internationale Forscher suchen nach Perspektiven für den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

 03.09.2026

Ungarn

Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

von György Polgár  03.09.2026

USA

Warum Punk so jüdisch ist

In New York fing es an. In London wurde es Modetrend. Aber was hat eigentlich Lenny Bruce damit zu tun?

von Sarah Thalia Pines  31.08.2026

Interview

»Die Lage der schwedischen Juden ist schrecklich«

Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin Simona Mohamsson über den Davidstern und die Vermischung von Israel-Kritik und Antisemitismus

von Michael Thaidigsmann  31.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026