Portugal

Sefardischer Showroom

Geplanter Standort für das Museum: die Nordseite des São-Miguel-Platzes (l.) Foto: Marco Limberg

Mitten im quirligen Touristenviertel Alfama der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, an der Nordseite des São-Miguel-Platzes, kann man seit einiger Zeit an einer Hausfassade die Werbung für ein jüdisches Museum lesen. Nun scheinen die Pläne konkrete Form anzunehmen. Die Stadtverwaltung verkündete kürzlich, dass Anfang 2017 mit der Eröffnung zu rechnen ist. Damit würde eine Idee aufgegriffen, die unter den beiden vorigen Bürgermeistern entwickelt worden sei, um die Bedeutung der jüdischen Gemeinde und die multikulturelle Identität Lissabons zu unterstreichen.

Aus diesem Grund fiel die Wahl auch auf Alfama. Bei Besuchern der Stadt ist es wegen seines authentischen Charmes mit engen Gässchen und alten Häusern besonders beliebt. Nur wenige wissen, dass hier bis zum Beginn der Inquisition im 16. Jahrhundert das Judenviertel lag, wo bis zum antijüdischen Massaker im Jahre 1506 viele Tausend Juden lebten. Erst langsam stellt sich das kleine Land im Südwesten Europas seiner reichen jüdischen Geschichte, der vor 500 Jahren gewaltsam ein Ende bereitet wurde.

Vorgeschichte Ein wichtiger Faktor dabei ist die heutige jüdische Gemeinde mit rund 300 Mitgliedern. Insbesondere die Vize-Präsidentin Esther Mucznik, eine gelernte Historikerin und Publizistin, hat viel dazu beigetragen. Sie war es auch, die die Idee schon vor langer Zeit der Stadtverwaltung vorgetragen hatte: »Im Jahr 1996 habe ich dem damaligen Bürgermeister und heutigen Kulturminister João Soares unsere Idee für ein jüdisches Museum vorgestellt«, erläutert Mucznik die Vorgeschichte. Ende Oktober vergangenen Jahres gab Lissabons Bürgermeister Fernando Medina dann bekannt, dass ein solches Projekt in Planung ist.

Warum es zwei Jahrzehnte dauerte, bis die Umsetzung endlich vorankam, erklärt die Vize-Präsidentin mit den fehlenden Finanzen: »Die Gemeinde hatte nicht das Geld, um das Projekt zu stemmen, und erst jetzt hat die Stadtverwaltung unseren Finanzierungsvorschlag angenommen.« Dieses Modell umfasst nach Muczniks Aussagen eine Übernahme der Kosten durch die Stadtverwaltung, eine internationale Stiftung und einen Wohltäter aus der Gemeinde. Einen entscheidenden Anteil hieran hatte auch die groß angelegte europäische Förderung für das jüdische Erbe Portugals, die Ende 2013 mit vier Millionen Euro angesetzt wurde. Die endgültigen Kosten für den Bau des Museums sind noch nicht bekannt.

Größe Verglichen mit anderen jüdischen Museen wird das in Lissabon eher klein ausfallen. »Die Straßen in Alfama sind sehr eng. Da kann das Museum nicht so groß werden«, beschreibt Mucznik die Bedingungen vor Ort. »Die Grundfläche des Gebäudes beträgt 1200 Quadratmeter.« Die architektonische Neugestaltung übernimmt Graça Bachmann, Architektur-Professorin an der Universität Lissabon. Sie hatte bereits das Mahnmal für die Opfer der antijüdischen Massaker im Jahre 1506 entworfen, das 2008 auf dem São-Domingos-Platz fertiggestellt wurde.

Das Museum soll ein möglichst umfassendes Bild des portugiesischen Judentums abbilden, sagt Mucznik. »Es wird die Geschichte der Juden in Portugal vom 12. Jahrhundert bis heute zeigen. Und es wird einen Bereich geben, in dem die jüdische Religion erklärt wird.« Die Vize-Präsidentin der Gemeinde möchte die Besucher vor allem für die sefardische Kultur und Geschichte begeistern. »Bis heute wissen die Menschen hierzulande, aber auch international, über die lange und reiche Geschichte der Juden in Portugal zu wenig. Ich hoffe, dass das Museum dies ändert.«

Für Mucznik ist es wichtig, dass dabei auf neue museumspädagogische Ideen und technische Ansätze zurückgegriffen wird. Außer Büchern sollen Gegenstände zum Anfassen, Filme, Musik und Veranstaltungen den Besuchern die Möglichkeit eröffnen, das jüdische Portugal und sein Erbe konkret kennenzulernen.

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