Brasilien

Schabbat am Zuckerhut

In Erwartung vieler jüdischer Gäste: Olympiastadt Rio de Janeiro Foto: dpa

Brasilien

Schabbat am Zuckerhut

Wie sich die Gemeinde von Rio de Janeiro den Gästen und Teilnehmern der Olympischen Spiele öffnet

von Klaus Hart  02.08.2016 10:18 Uhr

Mit vermutlich 50 Athleten schickt Israel bei seiner 16. Teilnahme an Olympischen Sommerspielen seine bisher größte Delegation. Mehr als 1000 israelische Fans wollen ihr bei den Wettbewerben in Rio zujubeln. Gut möglich, dass sich ihnen ein Mehrfaches an Juden aus Lateinamerika und anderen Erdteilen anschließt – die Zahl aller jüdischen Olympia-Teilnehmer wird auf etwa 250 geschätzt.

Die jüdischen Gemeinden in Rio de Janeiro und den benachbarten Teilstaaten, in denen ebenfalls Olympia-Wettbewerbe stattfinden, haben sich entsprechend vorbereitet. Rios rund 30 Synagogen, jüdische Gemeindezentren und Klubs werden zu Willkommenszentren und Treffpunkten – nicht nur für jüdische Athleten und Funktionäre, sondern auch für Journalisten und die vielen Olympiatouristen. Nahe dem Olympischen Dorf öffnet am Freitag das jüdische Gemeindezentrum »Centro comunitario judaico« – »para comer, orar e relaxar« – zum Essen, Beten und Entspannen.

Erew Schabbat Apropos Freitag: Der Zeitpunkt der Eröffnungsfeier am Erew Schabbat macht frommen Juden eine Teilnahme unmöglich. Auch die offizielle Vertreterin des jüdischen Staates bei den Spielen, Israels Sportministerin Miri Regev, kündigte bereits an, dass sie wegen des Schabbats der Zeremonie fernbleiben muss.

Den Sportklubs der jüdischen Gemeinde gehören in Rio und anderen Städten Brasiliens meist weiträumige Sportstätten. Nicht zufällig trainieren daher allein im »Hebraica« von São Paulo zahlreiche Athleten der Olympia-Delegationen von gleich drei Ländern: Japan, Israel (Judo, Schwimmen, Leichtathletik) und sogar Gastgeber Brasilien. Vor allem die israelischen Athleten werden angesichts der Terrorgefahr besonders von Polizisten geschützt.

koscher Die Gemeindezentren von Rio rechnen während der Spiele und den Paralympischen Wettbewerben gleich im Anschluss daran mit Zehntausenden jüdischer Besucher. Dementsprechend bereitet man große Mengen an koscherem Essen vor. Ähnlich geht es in Brasilien derzeit vielen jüdischen Familien, die jüdische Olympia-Besucher aus aller Welt beherbergen oder tageweise zu sich einladen.

Bei so viel jüdischer Präsenz in Rio hat die Abwehr möglicher Terroranschläge entsprechende Priorität. Dies zählt auch zu den wichtigsten Gesprächsthemen der örtlichen jüdischen Gemeinde mit mehr als 30.000 Mitgliedern. Ihr Präsident Paulo Maltz sagte kürzlich: »Wir sind in höchster Alarmstufe.«

Maltz erinnerte an die Bombenanschläge von 1992 auf die israelische Botschaft und von 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires. »Brasilien ist nicht frei von solchen Bedrohungen.«

Zudem sind auch neonazistische Organisationen in Brasilien traditionell stark: Just an der Copacabana, wo zahlreiche Juden wohnen, wurden vor einigen Wochen neben einer Synagoge drei große Hakenkreuze an eine Mauer geschmiert. Taten wie diese sind in Brasilien, dem Zufluchtsort vieler Nazi-Kriegsverbrecher, nichts Ungewöhnliches. Jurist Maltz dringt auf polizeiliche Ermittlungen.

Olympiaattentat 1972 Grund genug für die jüdische Gemeinde von Rio de Janeiro, ihre Schulen vor und während der Olympischen Spiele mit städtischen Schulen zwecks gemeinsamer Erkundung der jüngeren Geschichte zusammenzubringen. In einem dieser pädagogischen Projekte wird etwa ein Buch über das Olympiaattentat 1972 von München erarbeitet und produziert. Bei dem Anschlag von acht palästinensischen Terroristen starben elf israelische Sportler. »Die Kinder müssen verstehen«, sagt Niskier, der Leiter des Projekts, »welches Unheil der Terrorismus anrichtet.«

Gegenüber der Presse nennt er es »geradezu fantastisch«, wie gut jüdische und staatliche Schulen trotz großer Gegensätze zusammenarbeiten.

Frankreich

Anarchie und Antisemitismus

Was mit Schülerprotesten gegen schlechte Lernbedingungen begann, hat sich zu gewalttätigen politischen Unruhen ausgewachsen, befeuert von Judenhass

von Laura Sahin  19.10.2026

Frankreich

Prozess eröffnet: Rima Hassan droht Entzug des passiven Wahlrechts

Die israelfeindliche linke Europaabgeordnete muss sich in Paris wegen mutmaßlicher Terrorverherrlichung verantworten

 19.10.2026

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

Diaspora

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026