Spanien

Recht auf Rückkehr

Ohne bürokratische Hürden: Sefarden in aller Welt sollen künftig einen spanischen Pass bekommen können. Foto: Thinkstock

Sefarden aus aller Welt sollen bald problemlos die spanische Staatsangehörigkeit erhalten. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der vergangene Woche in Madrid von Justizminister Alberto Ruiz-Gallardón, Außenminister José Manuel García-Margallo und dem Vorsitzenden des Verbands der jüdischen Gemeinden in Spanien (FCJE), Isaac Querub, vorgestellt wurde. Damit erfüllt die Regierung eine jahrelange Forderung der jüdischen Gemeinde. Bisher mussten die Nachfahren der vor mehr als 500 Jahren aus Spanien vertriebenen Juden einen Einbürgerungsantrag stellen, über den individuell entschieden wurde. Mit dem neuen Gesetz wird das Verfahren beschleunigt und vereinfacht, eine Doppelstaatsbürgerschaft soll möglich sein.

Nachweis Bis zu drei Millionen Sefarden aus aller Welt können von der neuen Regelung Gebrauch machen. Für die Einbürgerung ist künftig nur der Nachweis »emotionaler und historischer Verbindungen zum Königreich Spanien« erforderlich. Dazu sollen schriftliche Zeugnisse über die Familiengeschichte, den Ursprung des Nachnamens oder auch eine Bescheinigung von jüdischen Gemeinden in Spanien vorgelegt werden. Bisher mussten die Antragsteller mindestens zwei Jahre in Spanien gewohnt haben. Das soll künftig nicht mehr nötig sein.

Ob es mit dem neuen Gesetz zu einer größeren Einwanderungswelle kommt, ist fraglich. In den Jahren 2006 bis 2010 haben nach Angaben der Regierung 698 Sefarden die spanische Staatsangehörigkeit erhalten, derzeit liegen rund 2900 Anträge vor. Besonders von Sefarden aus der Türkei und Venezuela sind aufgrund der dortigen Innenpolitik in letzter Zeit verstärkt Anträge auf Einbürgerung gestellt worden.

Die neue Regelung ist nach Worten von Außenminister Margallo als »historische Wiedergutmachung« zu verstehen. So sieht es auch FCJE-Chef Querub: »Die Sefarden haben mehr als 500 Jahre lang ihre spanische Sprache und Traditionen bewahrt. Mit der Ankündigung wird ein Recht anerkannt, das ihnen schon lange zustand.«

Argentinien Begrüßt wird die geplante Gesetzesänderung auch von der sefardischen Gemeinde in Argentinien. Sie ist mit rund 60.000 Mitgliedern die größte in Lateinamerika. Deren Vorsitzender Osvaldo Sultani sagte in Buenos Aires: Die Entscheidung Spaniens erfülle ihn mit Freude und Jubel, sie sei eine »logische Folge der Geschichte«.

Dass die Neuregelung gerade jetzt bekannt gegeben wird, könnte auch einen diplomatischen Hintergrund haben. Wenn die palästinensische Autonomiebehörde am Donnerstag vor der UNO-Vollversammlung den Nichtmitgliedsstatus beantragt, wird Spanien, das traditionell gute Beziehungen zu den arabischen Ländern unterhält, vermutlich dafür stimmen. Die Verleihung der spanischen Staatsbürgerschaft an die Sefarden und das damit verbundene Bekenntnis zur jüdischen Geschichte Spaniens könnte dann eine Geste in Richtung Israel sein.

Portugal

Ende einer Rückkehr

Zehn Jahre lang konnten sefardische Juden, deren Vorfahren einst von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, einen Pass beantragen. Nun soll Schluss sein

von Michael Ludwig  04.01.2026

Basel

Ein alt-neuer jüdischer Raum

Das wiedereröffnete Jüdische Museum Schweiz erstrahlt in frischem Glanz an einem anderen Ort

von Nicole Dreyfus  04.01.2026

Tschechien

Wiederentdeckung in Prag

Pavel Tigrid war Journalist und intellektueller Wortführer gegen das kommunistische Regime. Nun wurde er geehrt

von Kilian Kirchgeßner  04.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 03.01.2026

Schweiz

Opfer von Crans-Montana auch in Deutschland in Behandlung

Nach dem schweren Brand in einer Bar werden drei Verletzte in Stuttgart und Tübingen behandelt. Die Kliniken setzen auf spezialisierte Versorgung und halten sich mit Details zurück

 02.01.2026

Ehrung

Bundespräsident Steinmeier gratuliert Blumenthal zum 100. Geburtstag

Michael Blumenthal hatte eine steile Karriere in den USA hingelegt, unter anderem als Finanzminister, bevor er den Chefposten im Jüdischen Museum Berlin übernahm. Zum runden Geburtstag würdigt ihn der Bundespräsident.

 02.01.2026

Crans-Montana

Nach Brandkatastrophe: Jüdische Schwestern tot

Die bis gestern als vermisst geltenden Teenager sollen tot sein. Die israelische Freiwilligenorganisation ZAKA hilft nach der Brandkatastrophe im Skiort

 02.01.2026 Aktualisiert

Sydney

Das Mizwa-Haus am Bondi Beach

Chabad-Rabbiner laden am Bondi Beach Juden und Nichtjuden zum Beten, gemeinsamen Essen und Gedenken an die Opfer des Massakers vom 14. Dezember ein

 01.01.2026

Crans-Montana

Inferno bei Silvesterparty: Dutzende Tote in der Schweiz. Chabad-Betsaal von Großbrand nicht betroffen

Was bislang über die Explosion im Schweizer Nobel-Skiort bekannt ist

von Christiane Oelrich  01.01.2026 Aktualisiert