Ukraine

Pokern in Kiew

Wladimir Groisman (36) Foto: dpa

Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe. Neben den seit Monaten andauernden Kämpfen in der Ost-Ukraine und einer massiven Wirtschaftskrise hat Ende vergangener Woche Regierungschef Arsenij Jazenjuk das Handtuch geworfen. Der Präsident und das Parlament verweigern die Annahme des Rücktritts, wohl auch, um den stellvertretenden Ministerpräsidenten Wladimir Groisman zu schonen. Bleibt Jazenjuk bei seinem Abschied, würde Groisman wohl dennoch kommissarischer Regierungschef werden.

Ziehkind Der erst 36 Jahre alte Groisman gilt als politisches Ziehkind von Präsident Petro Poroschenko. Bis Herbst 2012 war der Multimillionär Groisman Bürgermeister der Provinzstadt Winniza. Dort hat Poroschenko einen Hauptteil der Produktionsanlagen seines Süßwarenimperiums Roshen. Vor knapp zwei Jahren betrat der jüdische Unternehmersohn Groisman die politische Bühne in Kiew. Allerdings war er bis zum 27. Februar nur Insidern bekannt. An diesem Tag wurde Jazenjuks Übergangsregierung ins Amt gewählt. Poroschenko bestand darauf, wenigstens einen Vertrauten in der Regierung zu platzieren.

Die Vergangenheit des 1978 in Winniza geborenen Sohnes eines Schlossereibesitzers ist eher untypisch. Bereits mit 14 Jahren gab Groisman die Schule auf und fing an, als Schlosser im Betrieb seines Vaters zu arbeiten. Mitte der 90er-Jahre gründete er sein eigenes kleines Unternehmen und verkaufte Uhren aus ukrainischer Produktion nach Polen. Erst 2010 nahm er dann an einem Programm des damaligen Präsidenten teil und absolvierte einen Masterstudiengang im Fach Regionalverwaltung. Im selben Jahr wurde er bei den umstrittenen Kommunalwahlen mit fast 78 Prozent als Bürgermeister von Winniza gewählt. Zu der Zeit war er bereits acht Jahre lang Abgeordneter des Regionalparlaments.

Sondersitzung Ob Groisman tatsächlich die Nachfolge von Jazenjuk antreten wird, ist noch nicht gewiss. Für diesen Donnerstag ist eine Sondersitzung des ukrainischen Parlaments vorgesehen. Die Abgeordneten sollen in einer geschlossenen Sitzung über Jazenjuks Rücktritt beraten. Poroschenko will der Tageszeitung »Segodna« zufolge alles tun, damit Jazenjuk wieder auf seinen Posten zurückkehrt. Die unbeliebten Entscheidungen soll die Übergangsregierung verabschieden. Poroschenkos politischer Ziehsohn, Vize-Premier Wladimir Groisman, soll geschont werden.

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026