Portugal

Pässe für die Nachfahren

Zu vergeben: portugiesischer Pass Foto: cc

Eine Nachricht auf Facebook brachte vor drei Jahren ein 500 Jahre altes Anliegen ins Rollen. Portugals Parlament hat es nun befriedigt. Die Abgeordneten in Lissabon haben jüngst einstimmig beschlossen, den Nachkommen der ab 1492 vertriebenen Juden die portugiesische Staatsbürgerschaft anzubieten. Deren Zahl wird auf rund zwei Millionen geschätzt. Einer von ihnen, Carlos Zazur, hatte die symbolische Wiedergutmachung angeregt, auf der Facebook-Seite eines portugiesischen Parlamentariers.

Zazur lebt in den USA, spricht fließend Ladino und pflegt das Erbe seiner Vorfahren. Rund 50.000 jüdische Portugiesen und etwa 120.000 jüdische Spanier, die zunächst aus ihrer Heimat nach Portugal geflohen waren, verließen im 15. und 16. Jahrhundert die Iberische Halbinsel. Wer bleiben wollte, musste sich zwangstaufen lassen. Inquisition wie im Nachbarland Spanien gab es in Portugal nicht.

Die meisten portugiesischen Sefarden wanderten damals in die Niederlande, nach Italien oder Brasilien, in die Türkei, den Libanon, nach Syrien oder in die USA aus. Dort etablierten sie sich, viele pflegten ihre Kultur weiter. Zazur sagte im Gespräch mit der spanischen Tageszeitung El País, er erwarte höchstens einen kleinen Exodus in die alte Heimat in Südwesteuropa, »wo es sich trotz der Krise gut leben lässt«.

Rückkehrer In Portugal selbst rechnet man nicht mit vielen Rückkehrern. Das neue Gesetz habe vor allem symbolischen Wert und solle »einer historischen Schande ein Ende setzen«, sagte ein Abgeordneter im Gespräch mit El País. Um das Recht auf die portugiesische Staatsbürgerschaft geltend zu machen, genügen der Familienname und ein Beleg über die Identität der Vorfahren.

Spanien hat Ende 2012 ein ähnliches Gesetz erlassen. Dort will man Sefarden, wenn sie mindestens zwei Jahre im Land gelebt haben, einbürgern. Kann ein Nachfahre von Vertriebenen besonders enge Verbindungen zu Spaniens Geschichte oder Kultur vorweisen, beschleunigt sich der Prozess. Zu ihnen gehören möglicherweise die rund 250.000 Menschen weltweit, die bis heute Ladino oder Judenspanisch sprechen, eine Mischung aus mittelalterlichem Spanisch und anderen romanischen Sprachen, in die auch arabische Wörter und Elemente balkanischer Sprachen geflossen sind.

Der Verband jüdischer Gemeinden in Spanien hat Antragstellern bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte Unterstützung zugesagt. Dem Justizministerium in Madrid liegen bereits rund 2900 Anfragen vor. Portugal bereitet derzeit die Umsetzung des Gesetzes vor. Sie soll sich ähnlich wie in Spanien gestalten. Auf jeden Fall können Interessierte ihre derzeitige Staatsbürgerschaft behalten.

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