Grossbritannien

Nachhilfe gegen Hass

Auch im britischen Unterhaus gibt es Antisemitismus. Foto: cc

Britische Politiker können ab Februar sogenannte Anti-Semitism-Awareness-Seminare besuchen. Die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis, doch die parteiübergreifende Parlamentariergruppe »Against Anti-Semitism« hofft, dass die Kurse auf reges Interesse stoßen werden.

Die Seminare gehen auf eine Initiative des Pears Institute for the Study of Antisemitism an der Londoner Birkbeck University und der »Against Anti-Semitism«-Gruppe zurück. In den Kursen sollen Parlamentarier jeglicher politischer Couleur zeitgenössischen Antisemitismus untersuchen.

»Das Ziel ist, gemeinsam mit Experten die modernen Manifestationen des Antisemitismus zu erforschen, sodass Verständnis und Diskussion von Antisemitismus auf einem sehr hohen Niveau stattfinden können«, erklärt der Historiker David Feldman, der am Pears Institute für die Seminare zuständig ist. Feldman nimmt eine leitende Rolle bei der Planung ein und wird auch eine Reihe der Kurse selbst leiten. Die Seminare sind kostenlos.

Vorkommnisse Sowohl das Pears Institute als auch die »Against Anti-Semitism«-Gruppe waren bereits seit längerer Zeit im Gespräch über die Einrichtung solcher Seminare, aber verschiedene Ereignisse in den vergangenen Monaten haben dem Thema eine gewisse Dringlichkeit gegeben.

Im Dezember verlor der konservative Abgeordnete Aidan Burley seinen Posten als parlamentarischer Privatsekretär des britischen Verkehrsministeriums, nachdem Fotos von ihm auf einer Junggesellenparty in einem französischen Ski-Ort in der britischen Presse aufgetaucht waren.

Fotos aus dem Privatleben von Politikern sind an sich nichts Ungewöhnliches. Doch Burley posierte auf den Bildern mit dem Bräutigam – der eine SS-Uniform trug und den ›Hitlergruß‹ zeigte. Auch sollen Toasts auf das ›Dritte Reich‹ ausgebracht worden sein.

Späte Reue »Es tut mir wirklich leid … und ich entschuldige mich vielmals für mein grauenhaftes Verhalten«, kommentierte ein zerknirschter Burley anschließend das Geschehen. Doch die Reue kam zu spät, denn er war bereits entlassen worden.

Die französischen Behörden kündigten eine Untersuchung der Ereignisse an, denn nach französischem Recht ist es nicht erlaubt, Nazi-Uniformen in der Öffentlichkeit zu tragen, es sei denn im Rahmen von Filmaufnahmen oder anderen kulturellen Veranstaltungen.

Ebenfalls im Dezember hatte der Labour-Abgeordnete Paul Flynn mit seiner Kritik an Großbritanniens Botschafter in Israel, Matthew Gould, Aufmerksamkeit erregt. Flynn behauptete, Gould sei ein »erklärter Zionist«, der eher die Interessen Israels als die Großbritanniens im Auge habe.

Flynn erklärte weiter, dass britische Diplomaten in Israel bislang niemals jüdisch gewesen seien, denn man brauche jemanden, der »in Großbritannien verwurzelt ist und dem man nicht vorwerfen kann, er habe jüdische Loyalitäten«.

Sprache Jon Benjamin, Vorsitzender des Board of Deputies of British Jews, begrüßt die Einführung der Seminare: »Die Nuancen und Feinheiten des zeitgenössischen Antisemitismus, oft verpackt in eine Sprache, die Zionisten oder ›Israels Freunde im Ausland‹ kritisiert, bedeuten, dass es wichtig ist, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, darunter auch Politiker, auf die wichtige Rolle von Sprache hinzuweisen.«

Benjamin begründet die Notwendigkeit der Kurse außerdem mit einem Verweis auf eine parteiübergreifende Untersuchung aus dem Jahr 2006, derzufolge antijüdische Gefühle auch heute noch in der britischen Gesellschaft eine Rolle spielen.

In dem Untersuchungsbericht wird gefordert, dass alle Schichten der Gesellschaft gegen Antisemitismus vorgehen sollten, sei es, indem man Verantwortung für die eigenen Handlungen übernehme oder andere für ihr Verhalten kritisiere. Ob die »Anti-Semitism Awareness«-Seminare des Pears Instituts dieses Ziel erreichen, wird man vermutlich erst in einigen Jahren sehen.

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Historiker Marģers Vestermanis mit 100 Jahren gestorben

Seine Eltern und Brüder und weitere Angehörige werden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Er selbst überlebte als einziges Familienmitglied. Nach dem Krieg wurde er Historiker

 03.08.2026

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml. Eine Annäherung

von Alexander Friedman  02.08.2026