Polen

»Lauf, Junge, lauf!«

Auf der Flucht: Andy Tkacz als Srulik Foto: PR

Mit Abenteuerlust, Todesmut und unbändigem Lebenswillen übersteht der neunjährige Srulik 1942 die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Die Deutschen jagen hinter ihm her, einige Kollaborateure verraten ihn. In Wäldern und Dörfern helfen ihm polnische Partisanen und Bauersfrauen. Sie geben ihm zu essen, verstecken ihn unter Lebensgefahr, pflegen ihn und warnen ihn vor neuer Gefahr: Lauf, Junge, lauf!

Ghetto Als der Regisseur und Oscar-Preisträger Pepe Danquart seinen Film Anfang Januar in Warschau vorstellt, ist auch Yoram Fridman (79) dabei, dessen Jugendjahre in dem Streifen verfilmt wurden. Er lebt seit vielen Jahren in Israel. Alle Plätze sind besetzt im großen Saal des neuen Museums der Geschichte der Juden Polens. Vor 70 Jahren stand hier das Gebäude des Judenrates. Die Nazis hatten das Ghetto im Zentrum der polnischen Hauptstadt errichtet. Bis heute erinnert vor dem Museum das Denkmal des Ghettoaufstands an den Überlebenskampf der polnischen Juden.

Auch zwei Schulklassen sind zur Premiere gekommen. Die Jugendlichen sind aufgeregt. Es beeindruckt sie, wie der Junge ganz allein den Krieg überlebt, im Wald, bei Bauern – immer auf der Flucht vor den Nazis. Als er sich in einer Mühle die Hand zerquetscht, will ein polnischer Arzt »den Juden« nicht operieren. Fast stirbt er, doch am nächsten Tag entdeckt ein anderer polnischer Arzt den wimmernden Jungen, operiert ihn sofort und rettet ihm so das Leben.

Kritiker Inzwischen ist der Film in den polnischen Kinos angelaufen. Die Reaktionen sind verhalten. Viele Kritiker befürchteten, dass auch dieser Streifen – wie zuvor der Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter – die katholischen Polen vor allem als Antisemiten und Nazi-Kollaborateure zeigen könnte. Doch in der französisch-polnisch-deutschen Produktion kommen gute und böse Polen wie Deutsche vor. Zudem sagte Fridman bei der Premiere in Warschau: »So war es. Zu 90 Prozent war es genau so!«

Für die Kinder im Publikum ist die Verleugnung der eigenen Identität als Jude, um überleben zu können, eine der wichtigsten Fragen. Tadeusz Sobolewski, Filmkritiker der Tageszeitung Gazeta Wyborcza, bezweifelt dies. Er glaubt nicht, dass Jugendliche, die mit Harry Potter und Batman groß geworden seien, im Film Lauf, Junge, lauf! mehr als ein schlichtes Kinderabenteuer erkennen. Vielleicht hätte Sobolewski mit den Jugendlichen im Premierenpublikum reden sollen.

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Kanada

Ein wenig Mizwa, sehr viel Macho

Das Magazin »Rolling Stone« kürte Drake einst zum »größten jüdischen Rapper aller Zeiten«. Doch der Anfang war hart

von Sarah Thalia Pines  05.11.2026

London

Banal, schlicht und ironisch

Julia Pascals Theaterstück »The Banality of Evil: Hannah Arendt, France, 1940« erzählt von Hannah Arendt, Charlotte Salomon und Eva Daube als deutsche Jüdinnen in Frankreich und ihrem Leben zwischen zwischen Exil, Gefangenschaft und Überlebenskampf

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.11.2026

Treffen

Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan - mit Cap und Kapuze

Der Musiker und Songwriter Bob Dylan ist 1997 zum ersten Mal einem Papst begegnet - damals in Bologna, bei einem Jugendtreffen. Nun kam er in den Vatikan und sprach dort mit einem Landsmann

von Ludwig Ring-Eifel  05.11.2026

Internetbetrug

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau warnt vor Fake-Webseite

Wer die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen will, muss bei der Buchung aufpassen. Denn aktuell gibt es eine gefakte Webseite, teilte die Gedenkstätte mit

von Christiane Laudage  04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

USA

Jüdische MAGA-Aktivistin an der Uni mit Tod bedroht

Die jüdische Studentin und Trump-Unterstützerin Liz Benichou wurde auf dem Campus der University of Michigan attackiert und zu Boden gestoßen

von Nicole Dreyfus  04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

USA

Die innere Sicherheit

Wie jüdische Gemeinden ihren Alltag gegen wachsenden Antisemitismus verteidigen – und sich zunehmend selbst schützen müssen. Ein Ortsbesuch in Washington, D.C. und Miami

von Katrin Richter  02.11.2026