Schweiz

Koschere Grüezi-Kultur erwünscht

Schlittenpartie mit Schläfenlocken Foto: Benyamin Reich

In den Herbstferien kommen jetzt die letzten Tourengäste in die Schweizer Berge, bevor in wenigen Wochen die Wintersaison startet. Seit Tischa BeAw Mitte August reisten auch wieder viele charedische Urlauber an. Die Sukkotfeiertage allerdings brachten keine ausländischen jüdischen Touristen mehr in die Schweizer Berge, denn Sukkot fiel nur zum Teil in die Schweizer Herbstferien. Chanukka dagegen wird in diesem Jahr zusammen mit den christlichen Feiertagen begangen, und daher ist das Angebot an koscheren Herbergen beachtlich.

Bevorzugtes Ziel der Charedim war bisher Davos. Auch der Nobelort St. Moritz im Kanton Graubünden hieß wieder orthodox-jüdisches Klientel willkommen. In St. Moritz war über Jahrzehnte hinweg das vielleicht bekannteste koschere Hotel »Edelweiss« traditioneller Anlaufpunkt für religiöse Gäste. Im Zweiten Weltkrieg diente es teilweise als Zufluchtsort für jüdische Flüchtlinge. Vor einigen Jahren musste das »Edelweiss« seine Tore schließen. In diesem Sommer kam es jedoch zu einem kleinen Comeback.

Kempinski Die Hotelkette »Kempinski«, seit einigen Jahren im ehemaligen Olympiaort mit einem Fünf-Sterne-Haus vertreten, tat sich mit dem aus der Schweiz stammenden Londoner Caterer Arieh Wagner zusammen, um in einem Teil des »Edelweiss«-Hauses ein hochklassiges Koscher-Angebot zu bieten. Selbst zum Abschluss der Saison kamen nochmals rund 80 Gäste. Dass Kempinski jetzt mit Wagner zusammenarbeitet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn Wagner entstammt der jüdischen Hotelierfamilie Wagner-Kahn. Diese hatte im Berner Oberland jahrzehntelang das »Silberhorn« betrieben, ebenfalls ein koscheres Hotel, in dem sich der frühere israelische Ministerpräsident Jitzchak Schamir, aber auch Schweizer Politiker gerne einfanden.

Doch auch das »Silberhorn« musste schließen, denn den oft kinderreichen jüdischen Familien wurden Hotels zu teuer. Auch in dieser Saison bevorzugten sie Ferienwohnungen. Und so beherbergen nun auch kleinere Orte in den Bergen, die nie über ein koscheres Hotel verfügt hatten, ein jüdisch-orthodoxes Stammpublikum.

Doch das geht nicht ganz ohne Schwierigkeiten ab. In Saas-Grund im Kanton Wallis, sagt Jonathan Schoppig vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, seien die Begegnungen zwischen Gästen und Einheimischen »sehr spannend« gewesen. Offenbar hatte man Anstoß an der Kleidung der charedischen Gäste sowie an den Konsumgewohnheiten im Zusammenhang mit koscherer Nahrung oder dem Verhalten am Schabbat genommen. »Ich musste mir auch Klagen anhören«, berichtet Jonathan Schoppig weiter, »etwa, warum orthodoxe jüdische Gäste andere Touristen oder auch die Einheimischen gar nicht oder dann höchstens verschämt grüßen.«

Rabatt Auch Mitarbeiter einiger Bergbahnen hätten sich beklagt. Orthodoxe Gäste würden immer wieder versuchen, bei Wochenkarten Rabatte zu erhalten, weil sie diese am Schabbat ja nicht nutzen. Er habe aber auch viel Positives gehört, etwa das Lob, dass man in diesen Familien den großen Zusammenhalt und die Solidarität spüre.

Schoppig will nun weitere Gespräche führen, um eine Verbindung zwischen Touristen und Einheimischen herzustellen. Und er arbeitet an einer Art Leitfaden für den jüdisch-orthodoxen Feriengast in den Schweizer Bergen: »Darin sollte auch ein Rabbiner einige Dinge festhalten, wie die Forderung nach einer gewissen Grüßkultur, die durchaus in Einklang mit der Halacha steht.« Dieser Rabbiner wird allerdings noch gesucht, doch Schoppig ist zuversichtlich, ihn zu finden.

Frankreich

Wahlkämpfer beleidigen Rentnerin als »dreckige Jüdin«

Im 19. Bezirk wurde einem Bericht des Senders »Europe 1« zufolge am Sonntag eine jüdische Frau von Mitgliedern der israelfeindlichen Partei »La France Insoumise« angegangen

 24.02.2026

London

Epstein-Skandal: Peter Mandelson festgenommen

Nach Ex-Prinz Andrew wird nun auch das frühere Kabinettsmitglied Peter Mandelson wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Sexualstraftäter Epstein festgenommen

 23.02.2026

Frankreich

Ermittlungen nach Hitlergruß vor Rabbiner in Lyon

Nach einem Hitlergruß gegenüber einem Rabbiner in Lyon hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Gedenkmarsch für einen getöteten rechten Aktivisten am Wochenende?

von Johannes Peter Senk  23.02.2026

Mailand

Jüdischer Eishockey-Star Jack Hughes schießt USA zu historischem Olympia-Gold

Der 22-Jährige erzielt den entscheidenden Treffer gegen Kanada und beendete damit eine 46 Jahre lange Durststrecke der amerikanischen Männer-Auswahl

 23.02.2026

Großbritannien

Hoffen auf ein Wunder

Eine der letzten Synagogen des Londoner East End könnte trotz aller Rettungsversuche zu einer Moschee werden

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  22.02.2026

Nachruf

»Grey’s Anatomy«-Star Eric Dane im Alter von 53 Jahren gestorben

Nach Angaben seiner Familie erlag er Komplikationen infolge seiner ALS-Erkrankung

 20.02.2026

Meinung

Königliches Versagen im Kulturbetrieb

Das renommierte Reina-Sofía-Museum in Madrid setzt eine Schoa-Überlebende vor die Tür. Die Existenz des Juden wird zur Provokation, die Befindlichkeit des Antisemiten zum schützenswerten Gut. Spanien ist verloren!

von Louis Lewitan  19.02.2026

Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen auch Israel, was noch keinem israelischem Bob-Team vor ihnen gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer

Winterspiele

RTS entschuldigt sich für Olympia-Kommentar

Ein Live-Kommentar über den israelischen Bobfahrer Adam Edelman sorgte für Empörung – nun entschuldigt sich RTS und spricht von einem »unangemessenen Format«

von Nicole Dreyfus  19.02.2026

Belarus

Die Kushner-Karte

Alexander Lukaschenko sucht die Nähe zu den USA und gibt sich philosemitisch

von Alexander Friedman  18.02.2026