Polen

Knesset in Auschwitz

Stacheldraht und Wachtürme: Blick auf das ehemals größte deutsche Vernichtungslager Foto: Flash 90

Mit 55 Knessetabgeordneten, sechs Ministern, dem aschkenasischen Oberrabbiner und weiteren 250 Personen des öffentlichen Lebens wird am 27. Januar die größte Delegation seit Gründung des Staates Israel nach Polen reisen, um der Schoa-Opfer zu gedenken. Nach der feierlichen Zeremonie in Auschwitz-Birkenau, dem ehemals größten deutschen Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg, wollen die Abgeordneten in Krakau mit Parlamentariern aus ganz Europa diskutieren. Das Thema: »Überlegungen zu Auschwitz. An die Vergangenheit erinnern, in die Zukunft blicken.«

Schwierige Reise »Ich bin überzeugt, dass niemand diese schmerzhaft-bewegende Reise vergessen wird«, sagte Knessetsprecher Yuli Edelstein. Das vom Volk gewählte Parlament reise an den Ort des Massenmords, »um dem Schmerz zu erlauben, sich tief in unsere Herzen zu brennen«. Die Bedeutung dieser schwierigen Reise sei kaum zu überschätzen, so Edelstein. »Ich hoffe, dass sie dazu beitragen wird, den Überlebenden die gebührende Ehre zu erweisen und die Erinnerung an die Schoa wachzuhalten.«

Aus Sicherheitsgründen reisen die Parlamentarier mit zwei Flugzeugen nach Krakau. Im gut 60 Kilometer entfernten Oswiecim werden sie das Stammlager Auschwitz besuchen. Während des Kriegs waren hier vor allem politische Häftlinge aus dem deutsch besetzten Polen und dem übrigen Europa eingesperrt. Seit letztem Jahr ist in Block 27 eine von der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem gestaltete Dauerausstellung zu sehen. Israels Bildungsminister Shai Piron und die Knessetabgeordnete Shuli Moalem-Refaeli, die beide schon früher Gruppen durch Auschwitz geführt haben, werden den Politikern die Ausstellung wie auch die gesamte Gedenkstätte zeigen.

Kaddisch Die Abgeordneten, zu denen Überlebende, Mitglieder der jüdischen Gemeinden Polens und Politiker aus ganz Europa stoßen werden, gehen anschließend die drei Kilometer zum ehemaligen Vernichtungslager Birkenau und nehmen an einer von der polnischen Regierung vorbereiteten Gedenkzeremonie teil. Am Mahnmal für die über eine Million hier ermordeten Juden werden Rabbiner das Kaddisch und das El Male Rachamim sprechen.

Die Erwartungen der meisten Polen richten sich auf das internationale Parlamentariertreffen am Nachmittag des 27. Januars in Krakau. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Versammlung gegen die Fehlbezeichnung der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager als angeblich »polnische Lager« aussprechen.

In der Vergangenheit kam es in den Medien, im Internet, aber auch in Politikerreden immer wieder zu diesem Fehler. Viele Polen befürchten, dass diese Fehlbezeichnung, die in den meisten Fällen die geografische Lage bezeichnen soll, dazu führen könnte, dass am Ende sie und nicht die Deutschen und Österreicher als Massenmörder an den europäischen Juden wahrgenommen werden könnten. Im Mai 2012 hatte selbst der amerikanische Präsident Barack Obama von »polnischen Todeslagern« gesprochen und damit in Warschau für Empörung gesorgt.

Am Abend des Schoa-Gedenktags wird die Knesset-Delegation wieder nach Israel zurückfliegen.

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