Kultur

Der »King of Klezmer« ist jetzt Deutscher

Giora Feidman Foto: picture alliance / SCHROEWIG/Thomas Lehmann

Kultur

Der »King of Klezmer« ist jetzt Deutscher

Er wolle mit diesem symbolischen Akt auch für mehr Völkerverständigung werben, so Feidman

von Leticia Witte  12.09.2024 10:03 Uhr

Der Klezmer-Klarinettist Giora Feidman hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und möchte damit nach eigenem Bekunden ein Zeichen setzen. »Nichts lässt mich mehr fühlen, dass ich ein Mensch bin, als die Aussöhnung zwischen den Deutschen und den Juden«, sagte der 88-Jährige der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. »Nach dem Krieg hat eine Heilung stattgefunden. Jetzt sind wir eine Familie, eine gesunde Familie. In Deutschland lebe ich als Bruder unter Brüdern.«

Nach intensiven Überlegungen habe er beschlossen, »als Zeichen der tiefen Verbundenheit zwischen dem jüdischen Volk und Deutschland die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen«, erklärte Feidman. »Gerade in einer Zeit, in der populistische Tendenzen und Nationalismus weltweit an Aufschwung gewinnen, sehe ich mich als Künstler in meiner Vorbildfunktion insbesondere gegenüber der jüngeren Generation verpflichtet, die Bedeutung von Offenheit, Solidarität und kulturellem Austausch zu verteidigen.«

Mit Blick auf jüngste Wahlerfolge der AfD sowie antisemitische Töne auch aus dem linken Spektrum betonte der Musiker: »Ich versuche, darüberzustehen. Die Bewegung wird keinen Erfolg haben. Es wird kein Erfolg. Die Gegner der Nazis sind stark.« Antisemitismus sei eine Krankheit. Mittel dagegen seien Bildung, Erziehung, Kultur, Musik und Kunst. »Wir müssen den jungen Menschen vom ersten Schultag an erklären: Deutschland hat Werte und diese Werte schließen jeden Nazismus aus.«

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026

USA

Süß und gut zu werfen

»Sunkist Fruit Gems« gehören in vielen Gemeinden zum Feiern. Ihr angekündigtes Aus sorgte für Aufregung – nun kommen sie zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  13.10.2026

»Imanuels Interpreten« (26)

Paul Simon: Der Brückenbauer

Seit den 60er Jahren schreibt und spielt der New Yorker Künstler Musik, deren Texte durchweg stark sind. Mehrere Generationen haben zugehört. Heute wird das jüdische Talent 85 Jahre alt

von Imanuel Marcus  13.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026 Aktualisiert

Porträt

Geboren in Auschwitz

Angela Orosz-Richt kam im Dezember 1944 in einer Baracke des deutschen Vernichtungslagers zur Welt. Im Januar wird sie bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag sprechen. Unserem Autor hat sie ihr bewegtes Leben geschildert

von Michael Thaidigsmann  09.10.2026