Ungarn

»Kein Mensch ist unrein«

Demo für LGBT-Rechte Mitte Juni in Budapest Foto: imago images/EST&OST

Seit einigen Monaten geht Ungarns rechtskonservativer Premier Viktor Orbán scharf gegen die Rechte sexueller Minderheiten vor. So wurden im Dezember vergangenen Jahres Trans- sowie Homosexuelle vom Recht auf Adoption ausgeschlossen und die Änderung des Geburtsgeschlechts praktisch verboten.

Nun hat das ungarische Parlament eine weitere Offensive gegen die LGBTQ-Community gestartet: In der vergange­nen Woche billigte es ein Gesetz, das Bü­cher, Filme, Werbespots und -anzeigen verbietet, in denen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und queere Menschen als ein »Teil der Normalität« dargestellt werden.

Unter das Gesetz fallen auch Aufklärungsprogramme, die für einen respektvollen Umgang mit LGBTQ-Menschen sensibilisieren sollen. Für Jugendliche unter 18 Jahren müssen Inhalte über Homo- und Transsexuelle sowie Berichte über Geschlechtsumwandlungen aus den Schulen, Lehrplänen und der Öffentlichkeit verschwinden.

Fidesz-Partei Ursprünglich ging es um ein Gesetzes­paket gegen Pädophilie, das strengere Strafbestimmungen für sexualisierte Gewalt ge­gen Kinder und Jugendliche vorsieht. Es war abzusehen, dass es ungewöhnlicherweise von allen Parteien gebilligt würde. Doch dann reichte Orbáns Fidesz-Partei plötzlich Änderungsvorschläge ein, die LGBTQ-Community mit pädophilen Verbrechern gleichsetzte. Bis auf die rechtsnationale Jobbik-Partei protestierte die Opposition dagegen.

Die ungarische Regierung stößt mit ihrer Homo- und Transsexuellen-Feindlichkeit auf wenig Zustimmung im Land. Laut einer Umfrage sind 59 Prozent der Ungarn der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Paare dieselben Adoptionsrechte haben sollten wie heterosexuelle, und 60 Prozent sagen, homosexuelle Paare könnten genauso gute Eltern sein wie heterosexuelle.

Zahlreiche Vereinigungen der LGBTQ-Community sowie Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen Amnesty International Hungary, Budapest Pride oder die Stiftung für Regenbogenfamilien, demonstrierten vor der Abstimmung ge­meinsam gegen den Gesetzentwurf. Tausende gingen in Budapest mit Regenbogenfahnen und Anti-Orbán-Transparenten auf die Straße.

Auch die Haver-Stiftung, die – ähnlich wie in Deutschland die Initiative »Meet a Jew« – informelle Begegnungen mit Jugendlichen zum Thema Judentum anbietet, beteiligte sich an den Protesten.

Dachverband Darüber hinaus meldete sich die mitgliederstärkste jüdische Dach­orga­ni­sa­tio­n des Landes, der Verband der Un­garischen Jüdischen Gemeinden (Mazsi­hisz), zu Wort. Der Oberrabbiner des Landes, Róbert Frölich, und Mazsi­hisz-Chef András Heisler erklärten: »Diese Woche lesen wir in unseren Synagogen von der reinigenden Kraft der Roten Kuh. Laut dieser komplizierten Lehre reinigt deren Asche die Unreinen und verunreinigt die Reinen. Der Verband Mazsihisz glaubt fest daran, dass alle Menschen von Natur aus rein sind und ihre Gefühle sie nicht verunreinigen.«

Man halte es für falsch, »Menschen als unrein einzustufen. Sie dürfen nicht diskriminiert und vor allem nicht kriminalisiert werden, allein aufgrund ihrer Orientierung, Identität und der Suche nach ihrem Glück«. Der jüdische Dachverband »glaubt, dass solche Einordnungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Zugehörigkeitsgefühl zerstören«.

Das Manifest endet mit den Worten: »Den jüdischen Religionsgesetzen folgend, erklärt sich Mazsihisz solidarisch mit jeder diskriminierten, dämonisierten Gemeinschaft im Namen der Menschlichkeit und der Menschheit.«

Spanien

Grabschändung in Barcelona - Bürgermeister verurteilt die Tat

Die Stadt und das israelische Außenministerium reagieren mit scharfer Kritik

 25.01.2026

Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

In Israel geboren, kaukasische Wurzeln und in Mailand entdeckt: Tammy Aligo ist als Top-Model überall zu Hause

von Mikheil Khachidze  25.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Kommende Woche wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  23.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 23.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

USA

Ein Stück Heimat

1943 gründeten Flüchtlinge aus Europa einen Stammtisch in New York. Mehr als acht Jahrzehnte war er eine Institution. Mit dem Tod einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit endet eine Ära

von Heidi Friedrich  22.01.2026

Bosnien

Unsichere Zukunft auf dem Balkan

Die kleine jüdische Gemeinde von Sarajevo erlebt gerade schwierige Zeiten. Ein Ortsbesuch

von Peter Bollag  22.01.2026

Ukraine

Die Kältefolter

Rund drei Stunden mit Licht und Wärme, gefolgt von etwa zehn Stunden ohne: So sieht heute der Alltag – oder vielmehr der Überlebenskampf – der meisten Kyiver aus

von Michael Gold  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026