Antisemitismus

Judenhass am Öresund

Nicht mehr mit von der Partie: Schauspieler Kim Bodnia, hier in einer Filmszene mit Sofia Helin Foto: dpa

Seit Sonntag zeigt das ZDF die neuen Folgen der dritten Staffel der Erfolgsserie Die Brücke. Die dänisch-schwedisch-deutsche Koproduktion spielt in der Öresundregion zwischen Malmö und Kopenhagen.

Nicht mehr mit dabei ist der dänische Schauspieler Kim Bodnia in der Rolle des Kriminalkommissars Martin Rohde. Als einen der Gründe dafür nannte der 50-Jährige den wachsenden Antisemitismus – sowohl im südschwedischen Malmö als auch in seiner Heimatstadt Kopenhagen. Kim Bodnia wurde in Kopenhagen geboren. Seine Familie hat polnische und russische Wurzeln.

dreharbeiten In einem Interview mit dem israelischen Online-Fernsehsender Walla sagte der Schauspieler, besonders in Malmö habe er sich als Jude während der Dreharbeiten zunehmend unbehaglich gefühlt. »Ich fühle mich dort nicht sicher«, sagte Bodnia. »Wir müssen stärker dagegen vorgehen.«

So habe er etwa dem Filmteam vorgeschlagen, das Problem des Antisemitismus in die Dreharbeiten mit einzubeziehen. Denn es helfe nicht unbedingt, »Menschen mit antisemitischen Einstellungen ins Gefängnis zu werfen«, meint Bodnia. Das würde deren Judenhass verstärken, denn dort würden sich junge Menschen nur zunehmend radikalisieren.

»Ich schlug vor, dass wir einen Teil drehen sollten, in dem Martin als Undercover-Polizist in einem Gefängnis arbeiten muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob er Jude ist oder nicht, es geht darum, dass die dänische Polizei sich des Themas annimmt«, sagte Bodnia.

reaktionen In dänischen und schwedischen Medien sorgte Bodnias Begründung für Aufsehen. So warnte etwa Freddy Gellberg, stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Malmö, nach Bodnias Äußerungen vor »Generalisierungen«.

Der schwedischen Tageszeitung »Expressen« sagte Gellberg, dass außer Antisemitismus auch andere Beweggründe dazu geführt hätten, dass junge jüdische Familien Malmö in den letzten Jahren verlassen haben, etwa bessere Jobaussichten oder eine größere Angebotsvielfalt jüdischen Lebens.

Zugleich sei Antisemitismus nicht allein auf Malmö beschränkt, betonte Gellberg, sondern auch in Kopenhagen und Stockholm ein Problem. Zudem habe sich in Malmö viel getan, insbesondere in der andauernden Dialogarbeit – so erfahre die Gemeinde große Unterstützung seitens aller politischen Parteien sowie von der Stadtverwaltung, etwa bei der Finanzierung eines kürzlich eröffneten Jüdischen Informationszentrums.

Großbritannien

Hoffen auf ein Wunder

Eine der letzten Synagogen des Londoner East End könnte trotz aller Rettungsversuche zu einer Moschee werden

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  22.02.2026

Nachruf

»Grey’s Anatomy«-Star Eric Dane im Alter von 53 Jahren gestorben

Nach Angaben seiner Familie erlag er Komplikationen infolge seiner ALS-Erkrankung

 20.02.2026

Meinung

Königliches Versagen im Kulturbetrieb

Das renommierte Reina-Sofía-Museum in Madrid setzt eine Schoa-Überlebende vor die Tür. Die Existenz des Juden wird zur Provokation, die Befindlichkeit des Antisemiten zum schützenswerten Gut. Spanien ist verloren!

von Louis Lewitan  19.02.2026

Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen auch Israel, was noch keinem israelischem Bob-Team vor ihnen gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer

Winterspiele

RTS entschuldigt sich für Olympia-Kommentar

Ein Live-Kommentar über den israelischen Bobfahrer Adam Edelman sorgte für Empörung – nun entschuldigt sich RTS und spricht von einem »unangemessenen Format«

von Nicole Dreyfus  19.02.2026

Belarus

Die Kushner-Karte

Alexander Lukaschenko sucht die Nähe zu den USA und gibt sich philosemitisch

von Alexander Friedman  18.02.2026

Antisemitismus

In Andorra wird zum Karneval eine Israel-Puppe hingerichtet

In dem kleinen Fürstentum in den Pyrenäen wurde beim Karneval einer Puppe mit Davidstern der Prozess gemacht - die jüdische Gemeinschaft ist empört

 18.02.2026

Meinung

Eklat im Schweizer öffentlich-rechtlichen: Das RTS und der Israelhass

Der eigentliche Skandal ist die Rechtfertigung des öffentlich-rechtlichen Senders. Eine Rundfunkanstalt sollte ihre publizistischen Leitlinien immer einhalten und auch bei Israel keine Ausnahme machen.

von Nicole Dreyfus  17.02.2026

Der israelische Bobfahrer Adam Edelman nimmt die Hasstiraden gegen seine Person gelassen und will sich auf den Wettkampf konzentieren.

Olympische Winterspiele

Sender verteidigt »Genozid«-Kommentar, nimmt ihn aber offline

Die politischen Einordnungen eines Schweizer TV-Kommentators bei der Abfahrt des israelischen Bobfahrers Adam Edelman sorgen für Debatten. Der Sender verteidigt sich, der Sportler sieht es gelassen

 17.02.2026

Brüssel

Streit um Beschneider: US-Botschafter nennt Belgien »antisemitisch«

In mehreren X-Posts griff Bill White die belgische Regierung scharf an, die wiederum sich die Einmischung verbat. Hintergrund ist ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026