Spanien/Lateinamerika

Juden und der »schmutzige Trick«

Eintrag »judiada« im spanischen Wörterbuch Foto: Sofía Ross

Spanien/Lateinamerika

Juden und der »schmutzige Trick«

Jüdische Dachverbände fordern, antisemitische Begriffsdefinitionen im offiziellen Wörterbuch zu ändern

von Andreas Knobloch  07.12.2023 13:00 Uhr

Mehr als 20 jüdische Gruppen und Gemeinden in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika haben kürzlich die Königlich Spanische Akademie (Real Academia Española) in einem Schreiben aufgefordert, zwei antisemitische Definitionen aus ihrem offiziellen Wörterbuch zu streichen.

Die 1713 gegründete Akademie mit Sitz in Madrid ist die maßgebliche Institution für die Pflege der spanischen Sprache. Ihre Vorgaben gelten für die Behörden und Schulen in Spanien sowie in den spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas als verbindlich. In dem von der Akademie herausgegebenen Wörterbuch der spanischen Sprache wird das Wort »Jude« (judío) unter anderem auf eine »gierige oder wucherische« Person bezogen. Der Eintrag für den Begriff »judiada«, zu dem angemerkt wird, dass er »ursprünglich in antisemitischer Absicht« verwendet wurde, enthält zwei Definitionen. »Judiada« wird als »ein schmutziger Trick oder eine Handlung, die jemandem schadet« sowie als »eine Menge oder Gruppe von Juden« beschrieben.

veraltet »Bei allem Respekt vor der Königlich Spanischen Akademie sind wir uns darüber im Klaren, dass die fünfte Bedeutung, die für die Definition des Begriffs ›Jude‹ verwendet wird, und die Definition von ›judiada‹ veraltet sind und weder die gesellschaftliche Realität widerspiegeln noch die Juden richtig definieren«, sagt der spanische Anwalt Borja Luján Lago, der die Gemeinden in der Sache vertritt. »Es versteht sich von selbst, dass keine Person, keine Religion, kein Beruf und keine Berufsgruppe in abwertender Weise definiert werden darf.«

Luján weist zudem darauf hin, dass Spanien den Plan der EU zur Bekämpfung des Antisemitismus ratifiziert und ein Konzept zu seiner Umsetzung ausgearbeitet hat, »sodass wir davon ausgehen, dass unsere Aktion genau in diesen Rahmen passt«.

Luján war von der jüdischen Gemeinde Panamas kontaktiert worden, nachdem er die Akademie im Februar erfolgreich gebeten hatte, den Eintrag des Wortes »Anwalt« zu ändern, der die Definitionen »nörgelnd, redselig und geschwätzig« enthielt.

Zahlreiche Gemeinden in Lateinamerika haben sich dem Vorstoß Panamas angeschlossen, darunter jene in Argentinien, Chile, Mexiko, Kolumbien, Nicaragua, Venezuela und Kuba. Hinzu kommen Organisationen wie die Anti-Defamation League, das American Jewish Committee (AJC), Bʼnai Bʼrith International, das Combat Antisemitism Movement und das Simon Wiesenthal Center. »Ein durchschlagender Erfolg«, wie Luján findet.

Unterstützung Auch der Verband der Jüdischen Gemeinden Spaniens (FCJE) habe die Initiative unterzeichnet, um sie zu unterstützen, erklärte eine Sprecherin gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Allerdings wolle man sich nicht weiter äußern, bevor nicht eine Antwort der Akademie vorliege.

Die FCJE hat nach eigenen Angaben vor einigen Jahren schon einmal einen ähnlichen Vorstoß unternommen. Die Antwort der Akademie lautete, »dass einige Definitionen je nach der Art der Verwendung der Wörter geändert werden könnten, aber sie haben sie nicht aus dem Wörterbuch entfernt. Mal schauen, was sie dieses Mal sagen«, so die FCJE-Sprecherin.

Luján gibt sich zurückhaltend. »Kurz gesagt, wir sind vorsichtig, obwohl wir einige sehr positive Betrachtungen angestellt haben.« In jedem Fall aber zeige die Initiative positive Auswirkungen. So habe sich »die internationale jüdische Gemeinschaft zu einer gemeinsamen Aktion zusammengefunden«. Darüber hinaus »haben wir unendlich viel Unterstützung von Menschen und internationalen Organisationen erhalten, die an der Initiative interessiert sind«, sagt Luján. So hat beispielsweise die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ihre Rückendeckung für den Vorstoß bekundet. »Was auch immer geschieht«, so Luján, »wir respektieren jede Entscheidung der Akademie, denn sie sind die Experten für Lexikografie.«

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