Polen

Jom Haschoa in Auschwitz

Der »March of the Living« im Jahr 2015 Foto: dpa

Auch wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz», sagte einst der kürzlich verstorbene Literaturnobelpreisträger Imre Kertész. Von Auschwitz sprechen auch die wenigen Überlebenden, die beim alljährlichen «Marsch der Lebenden» neben den vielen jungen Menschen mitmarschieren. Viele konnten, ähnlich wie Kertész, erst nach Jahrzehnten von ihren Erlebnissen berichten.

«Bis 2006 wollte ich nichts davon erzählen, meine Töchter hielten mir das vor. Seither rede ich immer wieder vor Schülern über meine Erfahrungen. Und selbst, wenn ich nur zehn Prozent einer Gruppe erreiche, bin ich zufrieden», sagte beim Marsch vor zwei Jahren der in Polen gebürtige Auschwitz-Überlebende Hank Brodt aus North Carolina .

Der heute 90-Jährige wird diesmal nicht dabei sein, wenn der Marsch am 5. Mai zum nunmehr 25. Mal von Auschwitz I, dem Stammlager, ins drei Kilometer entfernte ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-II-Birkenau ziehen wird. Die Organisatoren rechnen mit rund 11.000 Teilnehmern aus 40 Ländern. Der erste Marsch der Lebenden wurde 1988 organisiert, bis 1996 fand er alle zwei Jahre statt, seither wird jedes Jahr an Jom Haschoa in Auschwitz gedacht.

Anfänge Alina Cala sah die Märsche anfangs kritisch. «Sie waren eine Idee der Likud-Partei und dienten in den ersten Jahren vor allem dem Erwecken des israelischen Nationalismus», sagt die polnische Historikerin und Autorin mehrerer Bücher über jüdisches Leben und den Antisemitismus in Polen.

Die ausschließliche Fokussierung auf die Schoa und die Geschlossenheit der Märsche sei aus Calas Sicht «für die israelische Jugend nicht gut gewesen». Durch die Teilnahme von Überlebenden und Nichtjuden und auch durch die Erweiterung des Programms um Kulturveranstaltungen habe sich dies aber inzwischen geändert. Für polnische Schüler sei die Teilnahme an dem Marsch ebenfalls sinnvoll, so Cala – «vorausgesetzt, ihre Lehrer sind für das Thema sensibilisiert».

Wlodzimierz Kac sieht dies ähnlich. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in der Region Oberschlesien, die an Auschwitz grenzt, hat selbst an einigen Märschen teilgenommen – tut dies aber nicht mehr. «Das berührt mich psychisch zu stark», sagt er.

Doch nicht nur für die Jugend, auch für Palästinenser sei eine Teilnahme sinnvoll. «Bei allem Respekt für ihr Leid: Es wäre gut, wenn auch einige von ihnen Auschwitz sehen würden, dann würden sie den Holocaust nicht mit ihrer eigenen Situation vergleichen», so Kac. Für alle Teilnehmer gebe es vor allem eine Lektion, sagt Kac: «Wenn ein so hoch zivilisiertes Land wie Deutschland etwas derartiges tun konnte, kann dies auch heute geschehen – in jedem Land.»

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Der Actionstar und Meme-König wurde 86 Jahre alt. Und war immer ein großer Freund Israels

von Sophie Albers Ben Chamo  25.03.2026

Russland

Kleines Haus, große Herausforderung

Einst trugen Schoa-Überlebende in Sankt Petersburg eine Ausstellung zusammen. Nun ist daraus ein Museum geworden, das auch jungen Menschen die jüdische Geschichte näherbringt

von Polina Kantor  24.03.2026

Belgien

Zwei Festnahmen nach Brandstiftung in Antwerpen

Zwei Minderjährige sollen an der Grenze zum jüdischen Viertel ein Auto angezündet haben

 24.03.2026

Großbritannien

Vier Krankenwagen vor Synagoge in Brand gesteckt

Die Londoner Polizei geht von einem antisemitischen Motiv aus

 23.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  20.03.2026 Aktualisiert

New York

Zohran Mamdani missbraucht St. Patrick’s Day für Anklage gegen Israel

Elisha Wiesel wirft dem Bürgermeister vor, an dem irischen Feiertag »eine bösartige Ritualmordlegende gegen Juden« verbreitet zu haben, indem er behauptete, sie hätten in Gaza einen »Genozid« begangen

 19.03.2026