Redezeit

»Ihre Geschichte gibt mir Kraft«

Herr Lehavi, am 3. März starten Sie von San Diego mit dem Fahrrad in Richtung der Ostküste der USA nach St. Augustine – für die »Coast to Coast Cycling Challenge«. Was hat Sie dazu bewogen?
Ich bin Sohn einer Holocaust-Überlebenden. Jedes Jahr am Holocaust-Gedenktag wird über die Schicksale der Menschen berichtet und auch über die Situation, in der sie heute leben. Das geht nicht an mir vorbei. Wir als zweite Generation sind ihnen gegenüber verpflichtet. Solange sie noch leben, müssen wir dafür sorgen, dass sie in Würde leben. Der Staat tut viel, aber er vermag nicht alles. Jeder von uns, der noch ein Herz dafür hat, muss etwas tun. Auf dieser Tour wird Geld für Projekte für Holocaust-Überlebende gesammelt. Ich hoffe, dass ich auf diese Weise viele Menschen erreichen kann, die mithelfen.

Die erste Etappe widmen Sie Ihrer Mutter. Warum?
Sie hat im Warschauer Ghetto gekämpft und hat das Konzentrationslager Majdanek überlebt. Nach dem Krieg kam sie nach Israel. Ich wünsche mir, dass die Leute, die meine Tour verfolgen, aktiv werden.

Wie soll das geschehen?
Sie sollen die Möglichkeit haben, gegen eine Spende einen Tag dieser Tour einer bestimmten Person zu widmen. Eine Stadt im Harz zum Beispiel, in der heute keine Juden mehr leben, widmet eine Etappe der ehemaligen jüdischen Gemeinde und eine andere einer Familie, die teilweise flüchten konnte. In der Facebook-Gruppe oder über unsere Webseite können alle die Widmungen verfolgen und die Geschichten dahinter erfahren. Denn auch das ist wichtig: die Menschen hinter den Widmungen kennenzulernen.

Sie gehen ja nicht zum ersten Mal auf eine solche Tour. Einmal waren Sie in Tibet und Nepal mit dem Fahrrad unterwegs. Wie haben Sie sich auf die USA vorbereitet?
Die Strecke ist sehr viel länger. Fast jeden Tag werden es 100 Kilometer sein, die ich mit dem Rennrad, nicht mit dem Mountainbike zurücklege. Das Schwierige ist, dass die Tour nicht im Herbst stattfindet, sondern im Frühjahr. Das heißt, dass ich mein Training komplett im Fitnessstudio absolviert habe. Auch wenn es schwer wird – das Leben meiner Mutter, die bis zu 14 Stunden in Majdanek stehen musste, ihr Überleben und ihr starker Wille motivieren mich, diese Strecke zu fahren. Ihre Geschichte gibt mir Kraft.

Mit dem Repräsentanten von Keren Hayesod in München sprach Katrin Richter.

www.betterplace.org/de/projects/23738-bike4-dignity-support-holocaust-survivors-in-israel-now

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus auf Höchststand seit mehr als drei Jahrzehnten

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Großbritannien

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Die jüdische Gemeinschaft sieht den neuen Premier Andy Burnham kritisch – er will die Nahostpolitik des Landes ändern

von Rudolf Hönnige  23.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026