USA

Honig von Herzen

Honig von ORT zum neuen Jahr Foto: PR

USA

Honig von Herzen

Wie aus einer Idee in Atlanta eine landesweite Spendenaktion für die Hilfsorganisation ORT erwuchs

von Jessica Donath  24.09.2022 21:02 Uhr

Seit 32 Jahren können sich Juden in Nordamerika über die »Honey from the Heart«-Spendenaktion des amerikanischen Arms der weltweiten Hilfsorganisation ORT ein Schana towa, ein frohes und süßes neues Jahr, wünschen.

Melvin Prostkoffs Synagoge in New Hamphsire macht seit fünf Jahren dabei mit. Dieses Jahr bestellte er Honig im Wert von 338 Dollar. 26 Gläser gingen an seine Kinder, Enkelkinder und Freunde, die verstreut in den Vereinigten Staaten und Kanada leben. »Es ist schön, auf diesem Weg ›Hallo‹ zu sagen und sich bei Menschen, die einem wichtig sind, zu bedanken«, sagt der Neurochirurg im Ruhestand.

Interessenten bestellen online, die Gläser werden mit einer Grußbotschaft und einer Karte mit Segenssprüchen an die Adressaten gesandt. Temple Israel of Portsmouth in New Hampshire, Prostkoffs Gemeinde, behält einen Teil der Einnahmen. Der größere Teil geht an ORT America.

GESCHICHTE ORT wurde 1880 in Russland gegründet. Der Name ist ein Akronym für: Obschestvo Remeslenovo i Zemledelcheskovo Trouda – Gesellschaft für Arbeit im Handwerk und Agrarsektor. Der amerikanische Arm der Organisation feiert sein 100-jähriges Bestehen. Heute unterhält ORT unter anderem Schulen und investiert in die Ausbildung von unterprivilegierten Kindern.

Den größten Teil der Arbeit an der Spendenaktion erledigen seit 32 Jahren Terry Schwartz und Lesley Berman ehrenamtlich. 1990 hatte Berman die Idee, mit Honig Geld zu sammeln. Im Jahr davor hatte sie ein Glas von einer Freundin erhalten, die damit ihre Gemeinde unterstützte. Berman fragte die dahinter stehende Organisation, ob ORT im kommenden Jahr mitmachen könne. Diese lehnte ab.

Interessenten bestellen online, die Gläser werden mit einer Grußbotschaft und einer Karte mit Segenssprüchen an die Adressaten gesandt.

»Deren Pech, haben wir uns gedacht«, erinnert sich Schwartz. »Dann machen wir es eben selbst.« Im ersten Jahr verkauften die in Atlanta lebenden Freundinnen im Auftrag ihrer ORT-Gruppe rund 200 Gläser Honig. Dieses Jahr waren es bereits 56.000 Gläser. Mehr als 250 jüdische Einrichtungen nahmen teil.

»Wir sind stetig gewachsen«, sagt Schwartz. Die 65-Jährige bezeichnet sich selbst als jung geblieben. Während der Sommermonate ging die frühere Bürokauffrau oft erst in den Morgenstunden schlafen, weil noch Honig verschickt werden musste. Seit 2015 bereitet eine externe Firma die Gläser zum Versand vor. Auch die liebevoll gestalteten Etiketten und die Grußkarten sind nicht mehr handgeschrieben. »Es war einfach zu viel Arbeit für uns als Ehrenamtliche«, sagt sie.

CORONA Während der Pandemie stiegen die Verkaufszahlen sprunghaft an. Die Hohen Feiertage konnten nur virtuell abgehalten werden. »Als Zeichen der Wertschätzung haben viele Gemeinden Honig an die Mitglieder geschickt«, erzählt Schwartz. Für die Rentnerin ist ihre Arbeit an der Spendenaktion zu einer Lebensaufgabe geworden. »Obwohl ich nicht direkt bei der Konzeption dabei war, habe ich das Vorhaben von Anfang an begleitet. Wir sind alle sehr stolz auf die Entwicklung, die das Projekt genommen hat.«

Die Einnahmen aus dem Honigverkauf kommen Bildungseinrichtungen in Israel wie etwa dem Internat Kfar Silver in der Nähe von Aschkelon zugute. Dort leben und lernen etwa 290 Jugendliche und bereiten sich auf das Arbeitsleben vor. »Dank der Spendenaktion sind wir in der Lage, die Lebenssituation vieler junger Menschen positiv zu beeinflussen«, sagt Tova Kantrowitz, Leiterin der Marketingabteilung von ORT America.

Nicht nur entfernt lebenden Verwandten und Freunden schickt Melvin Prostkoff ein Glas Honig, sondern auch seiner Frau und sich selbst – damit sie beide den Honig genießen können.

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Norwegen

Wenn die Sonne weder unter- noch aufgeht

Warum der Schabbat und manche Feiertage im hohen Norden eine Herausforderung sein können

von Elke Wittich  12.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

In einer Parlamentsdebatte zu Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verstieg sich ein Parlamentarier zu antisemitischen Aussagen

 04.06.2026