Schweiz

Herzls Hotel im Angebot

Hier logierte Herzl 1897: »Les Trois Rois« Foto: imago

Schweiz

Herzls Hotel im Angebot

Das Basler »Les Trois Rois« wird verkauft

von Peter Bollag  16.10.2012 12:27 Uhr

Kaum ein israelischer oder sonst jüdischer Tourist, der Basel besucht, lässt das traditionsreiche Hotel »Les Trois Rois« (Drei Könige) aus. Das hat natürlich weniger damit zu tun, dass die Herberge direkt am Rhein ein Fünf-Sterne-Betrieb ist, denn die gibt es in vielen Städten der Welt. Doch nur das »Trois Rois« hat in Sachen jüdischer Geschichte Ähnliches vorzuweisen: Hier logierte der zionistische Vordenker Theodor Herzl anlässlich des Ersten Zionistenkongresses 1897 in der Rheinstadt. Kaum ein israelisches Schulkind, das das berühmte Bild nicht kennt: der bärtige Herzl auf dem Balkon des Hotels, tiefsinnig in die Fluten des Rheins blickend.

Und im Zimmer selbst, in dem der weltberühmte Wiener Journalist damals wohnte, wird diesem ein ehrendes Andenken bewahrt: Das Herzl-Zimmer werde nicht vermietet, ließ das Hotel vor einigen Jahren wissen. Für alle Interessierten zugänglich ist es allerdings auch nicht.

Verhängnis Eigentümer der Nobel-Herberge ist der Basler Unternehmer Thomas Straumann. Er hatte das »Les Trois Rois« vor einigen Jahren zusammen mit dem Fünf-Sterne-Haus »Bellevue« in Gstaad im Berner Oberland erworben. Nun wird Straumann, den die Schweizer Medien als Multimillionär bezeichnen, sein Hauptgeschäft aber anscheinend zum Verhängnis: Seiner Zahnimplantatfirma sind in den vergangenen Jahren die Gewinne weggebrochen. Da bleibt keine Zeit mehr für die Hotels – Straumann will oder muss verkaufen.

Damit stellt sich die Frage, wer als Eigentümer an seine Stelle treten wird. Die Zeitung »Sonntag«, die den Verkauf der beiden Hotels als Erstes gemeldet hatte, nannte gleich einen möglichen Käufer und sorgte damit für einige Aufregung: Eine Investitionsfirma aus Katar sei interessiert. Die Kataris haben sich bereits in mehrere Luxushäuser der Schweiz eingekauft, zum Beispiel mit knapp 500 Millionen Franken auf dem berühmten Bürgenstock hoch über dem Vierwaldstättersee. Wieso also nicht auch in Basel?

Gegenüber dem Zürcher Magazin »Tachles« dementierte allerdings ein Vertreter der Schweizer Niederlassung des Unternehmens jegliche Kaufabsichten. Der Basler Stadtpräsident Guy Morin seinerseits drückte inzwischen die Hoffnung aus, es werde sich eine »einheimische« Lösung für das Hotel finden lassen – was auch immer das heißen mag.

Katar Falls die arabischen Investoren aber ihren Dementis zum Trotz das Haus doch kaufen, wird man gespannt sein, wie sie mit dem zionistischen Erbe umgehen: Dem Interesse israelischer Touristen würde solch ein Verkauf vermutlich kaum einen Abbruch tun. Katar gehört ja auch nicht zu den größten Gegnern Israels im arabischen Lager – wenn der Staat auch jüngst durch die Eröffnung einer eigenen Botschaft im von der Hamas regierten Gazastreifen aufhorchen ließ.

Verunsichert sein von den Verkaufsabsichten des Hotels könnten allerdings Vertreter der World Zionist Organisation (WZO). Diese hatten sich schon seit Längerem in der Rheinstadt angekündigt: Sie möchten nämlich den Besitzern eine bessere und deutlichere Beschilderung des Hotels (und auch des Stadt-Casinos) in Sachen Erster Zionistenkongress nahelegen. Für einen neuen Besitzer der Nobelherberge dürfte dies zu einer ersten Nagelprobe in Sachen »zionistisches Erbe« werden – seien es nun die Scheichs aus Katar oder andere Käufer.

Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Die Justiz wirft zwei französisch-israelischen Frauen vor, Hilfslieferungen in den Gazastreifen behindert zu haben

 05.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Obwohl der britische Premier von der Freundschaft Peter Mandelsons zu Jeffrey Epstein wusste, ernannte er ihn zum Botschafter in den USA. Selbst in den eigenen Reihen ist der Ärger groß

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  31.01.2026