Jubilare

Henry Kissinger: Die Welt wird sehr turbulent werden

Henry Kissinger (l.) im Februar 2023, bei einer Gedenkveranstaltung für Ronald Reagan Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Der Menschheit stehen nach den Worten des ehemaligen US-Außenministers und Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger unruhige Zeiten bevor. »Die Welt wird sehr turbulent werden«, sagte Kissinger in einem Interview der »Zeit«. Eine besondere Rolle dabei spiele der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Bislang habe sich Wissenschaft meist auf wiederholbare Experimente gestützt oder auf mathematisch darstellbare Hypothesen, erläuterte Kissinger. »Heute wissen wir nicht mehr, was die Maschinen wissen. Wir wissen nicht wirklich, warum sie in flüssiger Sprache mit uns sprechen können. Mit anderen Worten: Wir haben Zugang zu einem neuen Mysterium«, so der Publizist. »Das hat enorme politische Konsequenzen.«

Absurdes Ereignis Kissinger verwies vor diesem Hintergrund auf das Verhältnis zwischen den USA und China, die über einen bevorzugten Zugang zu den neuen Technologien verfügten. »Heute stehen sich zum ersten Mal in der Geschichte zwei Mächte in direkter Konfrontation gegenüber, die beide die Fähigkeit haben, die Welt vollkommen zu zerstören.« An einem Dialog führe kein Weg vorbei. »Denn wenn sich die Krise weiter zuspitzt, geraten wir in eine Lage wie vor dem Ersten Weltkrieg, dann führt irgendein absurdes Ereignis unaufhaltsam zur Eskalation.«

Kissinger wird am Samstag 100 Jahre alt. Geboren wurde er 1923 im fränkischen Fürth. Dort wuchs er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Walter (1924-2021) auf. Die Familie bekannte sich zum orthodoxen Judentum. Vater Louis war Lehrer. Für stabile finanzielle Verhältnisse sorgte die aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Mutter Paula. Angesichts der wachsenden Verfolgung von Juden durch das NS-Regime flüchteten die Kissingers im Sommer 1938 von Deutschland in die USA.

Die Frage, ob er Frieden geschlossen habe mit dem Deutschland nach der Nazi-Zeit, bejahte Kissinger im »Zeit«-Interview. Er werde im Juni nach Europa reisen, nach London, und danach auch einen Abstecher nach Fürth machen, um das Grab seines Großvaters zu besuchen. kna

Großbritannien

Kick it like Beckham

Brooklyn Beckham macht den Streit mit seinen Eltern öffentlich. Dabei geht es auch um ein jiddisches Tattoo

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Iran

Jüdischer Vertreter im Land kritisiert erstmals iranische Regierung

Bisher hat sich die jüdische Gemeinschaft zurückgehalten. Nun soll der Vertreter von Irans Juden im iranischen Parlament erstmals öffentlich die Regierung kritisiert haben

 29.01.2026

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Heute wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  28.01.2026

Sydney

Australien verweigert jüdischem Islamgegner die Einreise

Australien hat in der vergangenen Woche seine Gesetze gegen Hassverbrechen verschärft. Ein jüdischer Influencer, der ein »Islamverbot« fordert, darf das Land nicht betreten

 27.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 27.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  26.01.2026

Europäische Rabbinerkonferenz

»Israel ist unverzichtbar für unseren Zusammenhalt«

Der Dachverband orthodoxer Rabbiner in Europa wird in diesem Jahr 70 - zu seiner 33. Generalversammlung in Jerusalem werden rund 400 Teilnehmer erwartet

 26.01.2026

Spanien

Grabschändung in Barcelona - Bürgermeister verurteilt die Tat

Die Stadt und das israelische Außenministerium reagieren mit scharfer Kritik

 25.01.2026