EU

Hass und Boykott

Bei der Sitzung am Mittwoch im Europaparlament Foto: Michael Thaidigsmann

Im überfüllten Sitzungssaal ASPG2 des Europaparlaments in Brüssel ist Israels Minister für strategische Angelegenheiten, Gilad Erdan, am Mittwoch deutlich geworden: »Es ist Zeit, dass wir der BDS-Bewegung die Maske vom Gesicht reißen«, rief er den anwesenden Abgeordneten zu und hielt eine weiße Maske hoch, auf der Begriffe wie Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität standen.

Ziel der »Boycott, Divestment and Sanctions«-Bewegung sei nicht, diese hehren Werte hochzuhalten, sondern vielmehr, das Existenzrecht Israels zu bekämpfen, sagte Erdan.

Auf einer Videoleinwand ließ er sodann einen Clip mit BDS-Gründer und Anführer Marwan Barghouti einblenden, in dem dieser sagt, man werde den jüdischen Staat auf palästinensischem Gebiet niemals akzeptieren.

»Unter dem Deckmäntelchen fortschrittlicher Werte bombardiert BDS die Welt mit antisemitischer Propaganda«, so Erdan. Europas Regierungen dürften dieser Kampagne nicht länger tatenlos zusehen. BDS sei keine Menschenrechtsorganisation – im Gegenteil, die Kampagne habe eindeutige Verbindungen zu Terrororganisationen wie der Hamas und der Volksfront zur Befreiung Palästinas.

Für seinen Auftritt in Brüssel hatte der Likud-Politiker auch eine neue Studie seines Ministeriums im Gepäck.

Studie Für seinen Auftritt in Brüssel hatte der Likud-Politiker auch eine neue Studie seines Ministeriums mit dem Titel »Hinter der Maske« im Gepäck, in der 80 Beispiele für zum Teil schockierende antisemitische Äußerungen und Karikaturen führender BDS-Aktivisten aufgelistet sind. Darunter findet sich der Aufruf, Juden sollten »in die Gaskammern zurückkehren«. Die Israelis würden Wasservorräte der Palästinenser vergiften, und Benjamin Netanjahu sei ein Wiedergänger Adolf Hitlers, behauptete die BDS-Bewegung.

Die dort verwendeten Argumentationsstränge gegenüber Israel fallen laut Erdan eindeutig unter die Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). BDS negiere nicht nur das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes in seiner angestammten Heimat, sondern leiste auch einen wesentlichen Beitrag dazu, dass der Antisemitismus im Westen wieder salonfähig werde.

Man habe heute zwar nicht eine Situation wie in den 30er-Jahren, doch damals sei aus Aufhetzung und Hass schnell Gewalt gegenüber Juden geworden, sagte der Minister. Daher sei BDS brandgefährlich – weniger für Israel selbst als für die westlichen Gesellschaften, in denen die Bewegung aktiv sei.

Bundestag Erdan lobte den jüngsten Beschluss des Deutschen Bundestages gegen BDS und forderte, ihn konsequent anzuwenden. Dazu gehöre zum Beispiel, dass Demonstrationen von Hisbollah-Anhängern untersagt würden. Hier müsse Deutschland noch einiges tun. Er werde das Thema bei seinem Berlin-Besuch an diesem Donnerstag mit Bundesinnenminister Horst Seehofer ansprechen.

Deutliche Kritik übte Erdan an der Europäischen Union und namentlich der scheidenden EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Die EU unterstütze viele Nichtregierungsorganisationen im Nahen Osten mit sechsstelligen Beträgen, obwohl diese NGOs Teil der BDS-Bewegung seien. So finanziere der europäische Steuerzahler Hass und Hetze gegen Israel mit. Das müsse ein Ende haben, verlangte Erdan unter großem Applaus in Brüssel. Organisationen, die Israels Existenzrecht nicht respektierten, dürften nicht in den Genuss staatlichen Geldes kommen.

Die Anführer der BDS-Bewegung sollten auch nicht zu Veranstaltungen im Europäischen Parlament eingeladen werden, wie dies jüngst wieder passiert sei.

Die Anführer der BDS-Bewegung sollten nicht zu Veranstaltungen im Europäischen Parlament eingeladen werden, wie dies jüngst wieder passiert sei, sagte Erdan.

Organisatoren Die European Jewish Association (EJA) hatte die Veranstaltung gemeinsam mit prominenten Europaabgeordneten der konservativen und christdemokratischen Fraktionen im Parlament organisiert, unter ihnen Rumäniens früherer Staatspräsident Traian Băsescu und Polens ehemalige Außenministerin Anna Fotyga.

EJA-Chef Menachem Margolin wurde noch deutlicher als Erdan: »BDS ist verantwortlich für den überwiegenden Teil antisemitischer Vorfälle in Europa.« Wenn der Boykott-Bewegung nicht energisch entgegengetreten werde, sei jüdisches Leben hier nicht mehr möglich, so der Rabbiner.

Auch Elan Carr, der Beauftragte des US-Außenministeriums für den Kampf gegen Antisemitismus, hielt in Brüssel ein flammendes Plädoyer gegen die BDS-Bewegung, die nicht nur ein europäisches Problem sei, sondern auch in Amerika aktiv ist. Judenhass von der extremen Linken sei ebenso ein Problem wie der Antisemitismus von Rechtsextremen und von Islamisten.

Carrs europäische Amtskollegin Katharina von Schnurbein machte deutlich, dass die EU jeglichen Boykott Israels kategorisch ablehnt. Sie wies darauf hin, dass einige Länder bereits gesetzliche Maßnahmen gegen BDS beschlossen hätten. Auf Erdans Forderung nach einem Stopp der EU-Finanzspritzen für BDS-nahe Organisationen ging sie allerdings nicht ein.

London

Iraner wegen Ausspähung jüdischer Einrichtungen verhaftet

Die Antiterroreinheit der Londoner Polizei hat in der Nacht zehn Personen festgenommen, darunter vier mutmaßliche Spione der Islamischen Republik

 06.03.2026

Großbritannien

Radikal pragmatisch

Ahmed Fouad Alkhatib arbeitet an einem palästinensischen Staat. Für den brauche es vor allem Frieden und Zusammenarbeit in der Region, sagt der Mann, der in Gaza und in den USA aufgewachsen ist

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  04.03.2026

Österreich

Der jiddische Sherlock Holmes

Der Schriftsteller Jonas Kreppel schuf im Wien der k. u. k. Zeit einen jüdischen Meisterdetektiv. Nun wurde die Krimireihe von einem New Yorker Autor wiederbelebt

von Jörn Pissowotzki  04.03.2026

Kalifornien

»Tehrangeles« jubelt

Im Großraum Los Angeles lebt die größte persische Exilgemeinde der Welt. Sie unterstützt das militärische Vorgehen der USA und Israels. Auch über die Zukunft des Iran machen sich viele Gedanken

von Gunda Trepp  04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Schweiz

Drohung gegen koscheren Supermarkt

In Zürich ist es am Samstagabend zu einem Großaufgebot der Polizei vor jüdischen Einrichtungen gekommen

von Nicole Dreyfus  01.03.2026

Deutschland

Warnung vor Terror-Gefahr in Deutschland wegen Iran-Krieg

Wegen des Krieges in Nahost rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer »gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland«

 01.03.2026

Israel

Netanjahu an Iraner: »Vollendet es«

Regierungschef Benjamin Netanjahu richtet sich mit einer Ansprache auf Farsi an die iranische Bevölkerung

 01.03.2026

Iran

Britischer Verteidigungsminister: »Iran verliert die Kontrolle über seine Kommandostrukturen«

Großbritannien beteiligt sich am Militäreinsatz gegen den Iran. Verteidigungsminister Healey warnt vor wahllosen iranischen Angriffen

 01.03.2026