Schweiz

Grüezi, Gilad Schalit!

Sprach von Solidarität: Gilad Schalit Foto: Alain Picard

Ein reichhaltiges Büfett, eine Band aus Israel, Filme über israelische Entwicklungsstädte, die Geld aus der Schweiz erhalten, sowie ein spannendes Gespräch mit Manuel Trajtenberg, dem Chef der gleichnamigen Kommission, die die sozialen Proteste in Israel untersucht – den Besuchern der jährlichen Keren-Hajessod-Magbit-Veranstaltung unter dem Motto »Israel in Bewegung« in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich wurde diesmal einiges geboten.

Entführung Doch alles verblasste neben dem kurzen Auftritt eines jungen Mannes, dessen Entführung 2006 den Waffengang zwischen Israel und der Hamas ausgelöst und dessen Freilassung im Herbst 2011 die Schlagzeilen der Weltpresse beherrscht hatte: Gilad Schalit war speziell für dieses Event nach Zürich gekommen, für einen seiner seltenen Auftritte in einer jüdischen Gemeinde.

Zur Einstimmung waren per Video nochmals die emotionalen und eindringlichen Bilder zu sehen, die im Anschluss an die Freilassung Schalits um die Welt gegangen waren: ein abgemagerter und von seinen Strapazen sichtlich gezeichneter junger Mann, der vor Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak strammsteht – und gleich darauf in Tränen ausbricht, als er seine Eltern sieht, die gekommen sind, ihn zu begrüßen und zu umarmen.

bescheiden Umso größer ist die Diskrepanz, als der wohl bekannteste israelische Soldat dann vortritt und sich, in unauffälliger Alltagskleidung, etwas holprigem Englisch und mit einer abgelesenen Ansprache, an die Anwesenden wendet. Vom Pomp der damaligen Stimmung ist nichts mehr zu spüren. Doch der Begeisterung der Gäste im Saal für den 27-Jährigen tut das keinen Abbruch.

Im Gegenteil: Durch seine bescheidene und herzliche Art nimmt Schalit die Herzen der als zurückhaltend geltenden Zürcher sofort ein. Sie begrüßen ihn mit stehendem Applaus. Er wiederum spricht von Solidarität, vom gemeinsamen Land Israel, das dem ganzen jüdischen Volk gehöre, und von gemeinsamen Verpflichtungen.

Fussball Danach wird ein weiterer Film gezeigt: Gilad Schalit in einer Schule irgendwo in Israel. Der junge Mann spricht mit den Schülern. Vor allem aber: Er spielt Fußball mit ihnen – Fußball, die große Leidenschaft des Gilad Schalit. Neben seinem Studium arbeitet er zurzeit auch als Sportkolumnist einer Zeitung.

Seine Reise nach Spanien zu einem Spiel des FC Barcelona, dessen großer Anhänger er ist, hatte Ende 2012 beinahe eine internationale Krise ausgelöst: Propalästinensische Kreise reagierten damals heftig und wütend auf die ihrer Meinung nach einseitige Stellungnahme eines Fußballvereins im Nahostkonflikt.

Vermutlich auch deshalb wird der Zürcher Auftritt Schalits sehr diskret gehalten. Die Schweizer Medien sind nicht eingeladen, die Gäste im Saal werden gebeten, Fotos von dem jungen Mann erst dann auf Facebook zu stellen, wenn er die Stadt verlassen hat. Die Interviewanfrage der Jüdischen Allgemeinen lässt er höflich, aber bestimmt ablehnen. Schalit vermeidet jegliche öffentliche Stellungnahmen, auch wenn es nicht um politische Einschätzungen geht.

Idol Umso unkomplizierter geht er dagegen mit Menschen um, die unbedingt mit ihm sprechen, ihm vielleicht auch ihre Anteilnahme ausdrücken wollen: Im Laufe des Abends nutzen das einige, um sich den jungen Mann von Nahem anzusehen, nicht zuletzt die Israelis im Saal, die ihr Idol berühren wollen. Das ist nur möglich, weil die Sicherheitskräfte an diesem Abend ein vernünftiges Maß nicht überschreiten: Gilad Schalit bewegt sich erstaunlich frei im Saal. Er ist an diesem Abend ein eindringlicher Botschafter seines Landes.

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