Madrid

Nach Neonazi-Umzug: Staatsanwaltschaft ermittelt

Anhänger verschiedener rechter Gruppen marschierten unter dem Motto »Ehre und Ruhm den Gefallenen« zum Almudena-Friedhof. Foto: imago images/Lagencia

Etwa 300 Rechtsextremisten sind am vergangenen Samstag durch die spanische Hauptstadt Madrid gezogen, um gefallene Mitglieder der faschistischen Blauen Division zu ehren – eine Einheit, die während des Zweiten Weltkriegs aufseiten Nazi-Deutschlands kämpfte.

Zahlreiche Teilnehmer des Aufmarschs zeigten den faschistischen Gruß, legten Kränze mit Hakenkreuzen nieder und sangen Lieder aus der Zeit des Franco-Regimes, wie auf einem von der staatlichen russischen Agentur »Ruptly« veröffentlichen Video zu sehen ist.

https://twitter.com/ManuB72179071/status/1361584637097762816

Eine Rednerin rief bei der Demonstration, es sei »unsere oberste Pflicht, für Spanien zu kämpfen, für Europa zu kämpfen, das jetzt schwach ist und vom Feind liquidiert wird«. Weiter sagte sie: »Nichts ist zutreffender als diese Aussage: Der Jude ist der Schuldige, der Jude ist der Schuldige, und die Blaue Division hat ihn bekämpft.«

Die junge Frau wurde mittlerweile von »El Mundo« interviewt und als 18-jährige Studentin der Geschichte identifiziert. Bereits im Alter von 13 Jahren habe sie sich für faschistische Ideen begeistert, sagte sie der Tageszeitung: »Meine Eltern reden deswegen nicht mehr mit mir.«

INTERVIEWS In einem weiteren Interview, mit der Online-Zeitung »El Español«, sagte die Jungfaschistin, sie habe sich mit ihrer Aussage nicht auf alle Juden bezogen. Vielmehr richte sich ihre Kritik gegen das »internationale Währungssystem« und gegen jene »zionistischen Führer und Organisationen, die Black Lives Matter oder den postmodernen Feminismus subventionieren«.

Weiter behauptete sie, im Deutschland der Weimarer Zeit hätten die Juden zwar nur ein Prozent der Bevölkerung ausgemacht, aber »99 Prozent der öffentlichen Ämter« bekleidet. Die Juden seien für sie »schuldig an vielen Situationen und Ungerechtigkeiten wie Kapitalismus und Wucher.«

Der Dachverband der jüdischen Gemeinden Spaniens (FCJE) forderte in einer Erklärung am Montag die Staatsanwaltschaft auf, in Zusammenhang mit der Demonstration eine Untersuchung wegen Aufstachelung zur Gewalt gegen Juden einzuleiten. Am Dienstag teilte die zuständige Behörde laut Nachrichtenagentur AFP mit, man habe eine Voruntersuchung gestartet wegen »antisemitischer Äußerungen, die möglicherweise eine Verletzung von Grundrechten darstellen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Unterdessen rief der Erzbischof von Madrid, Carlos Kardinal Osoro, den Präsidenten des FCJE an und versicherte ihm der Solidarität der katholischen Kirche Spaniens. «Ich habe gerade mit dem Präsidenten der FCJE, Isaac Benzaquén, gesprochen, um ihm die Verbundenheit der katholischen Kirche in Madrid nach den unerträglichen Angriffen, die sie erlitten haben, zu vermitteln. Gemeinsam mit unseren jüdischen Brüdern beten wir für das Ende aller Gewalt und jeglicher religiöser Verfolgung», erklärte Osoro auf Twitter.

BLAUE DIVISION Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die sogenannte Patriotische Jugend Madrid («Juventud Patriota de Madrid»). Anhänger verschiedener rechter Gruppen – viele von ihnen in Blauhemden – marschierten unter dem Motto «Ehre und Ruhm den Gefallenen» zum Almudena-Friedhof in der spanischen Hauptstadt, um dort Kränze am Ehrenmal für die Division niederzulegen.

Die Demonstration fiel mit dem 78. Jahrestag der Schlacht von Krasny Bor bei Leningrad im Jahr 1943 zusammen, in der auch Mitglieder der Blauen Division kämpften. Die offiziell «División Española de Voluntarios» (Spanische Freiwilligen-Division) genannte Truppe nahm unter Führung der Wehrmacht als 250. deutsche Infanterie-Division von 1941 bis 1943 am Krieg gegen die Sowjetunion teil.

Insgesamt hatte die División Azul rund 47.000 Mitglieder. Auf internationalen Druck hin beorderte Spaniens Diktator Francisco Franco die Kämpfer 1943 zurück nach Spanien, wo die Division aufgelöst wurde. Viele der Freiwilligen blieben jedoch zurück und bildeten die «Spanische Legion», die bis 1944 für Hitler-Deutschland weiterkämpfte. mth

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

»Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 15.05.2026

Nachruf

Mann mit Prinzipien

Ein halbes Jahrhundert lang stand »Abe« Foxman im Dienst der Anti-Defamation League, die Hälfte davon als ihr Chef. Nun ist der Schoa-Überlebende im Alter von 86 Jahren gestorben

von Michael Thaidigsmann  14.05.2026

Washington D.C.

Mehr als eine Million Dollar für Schutz jüdischer Einrichtungen in Los Angeles

Das Geld fließt ins Community Security Initiative Program. Das Projekt arbeitet mit jüdischen Einrichtungen zusammen und koordiniert Kontakte zu Sicherheits- und Rettungsbehörden

 12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026