Österreich

Generation Aufbruch

Bunt: das Cover des »Jüdischen Echos« 2012/2013 Foto: Das Jüdische Echo

Österreich

Generation Aufbruch

Das Magazin »Jüdisches Echo« ist dem Selbstverständnis der Jugend auf der Spur

von Alexia Weiss  14.01.2013 19:04 Uhr

»Mutig oder ohne Biss?«: Wie die Jugend von heute tatsächlich zu beschreiben ist, dieser Frage geht Das Jüdische Echo in seiner aktuellen Ausgabe nach. Unter dem Titel »Jugend im Aufbruch: Gestern, heute, morgen« widmet sich das Heft aber auch dem Selbstverständnis von Jugend früherer Generationen. Leon Zelman, der inzwischen verstorbene Begründer der jährlichen Publikation, Schoa-Überlebender und späterer Brückenbauer, sei bis heute vielen Vorbild, betonte Herausgeber Leon Widecki bei der Präsentation des Bandes 61 in Wien. Warum? Der Schriftsteller Albert Camus habe einmal gesagt: Man werde alt, wenn man seine Ideale aufgebe. »So gesehen war Zelman immer jung.«

Hoffnungsfroh, orientierungslos, ohne Jobperspektive: Das sind nur einige Facetten heutiger Jugend, quer über den Erdball, die im Echo nachgezeichnet werden. Der Fokus vieler Beiträge liegt auf jüdischen jungen Frauen und Männern, aber nicht nur. Wenn Otmar Lahodynsky über »Europas verlorene Generation« schreibt, geht das alle an: ein Fünftel der EU-Bürger zwischen 15 und 24 Jahren ist demnach arbeitslos.

Sorgen Miguel Szymanski hat sich die Situation von unter 30-Jährigen in Spanien und Portugal angesehen. Zu Wort kommt hier Nicolas Bemaman, 2011 Teilnehmer der Makkabi-Spiele in Wien. Er sei hier, »um Spaß zu haben und Spanien gewinnen zu sehen«, ist in einer österreichischen Tageszeitung nachzulesen. Ein knappes Jahr später ist der junge Spanier nicht mehr optimistisch. »Mir ist die Krise bewusst. Die Dinge haben sich geändert, wir haben unsere Privilegien verloren. Meine größte Sorge ist, ob ich überhaupt jemals eine Arbeit finden werde.« Die jüdische Gemeinde von Madrid helfe großzügig, sagt er, »wenn du dich entscheidest, nach Israel zu gehen und dort ein neues Leben anzufangen«. Bemaman hat es so formuliert, als wäre es nicht wirklich sein Lebenstraum, nach Israel auszuwandern.

Denn auch dort ist die Situation der Jugendlichen nicht rosig. Die soziale Ungerechtigkeit habe vor einem Jahr viele Junge auf die Straße getrieben, schreibt Andrea Livnat. Doch was hat sich seitdem verändert? Wenig. Die größte Erleichterung ist, dass ein Gesetz die kostenlose Betreuung von Kindern ab drei festschreibt.

Doch davon profitieren die ganz Jungen, die studieren, die nach einem Job suchen, nicht. Und oft ist es dann mit nur einem Job auch nicht getan. Livnat berichtet von der 28-jährigen Psychologin und Hydrotherapeutin Schachar, die an sechs verschiedenen Stellen arbeitet, um ein einigermaßen erträgliches Einkommen zusammenzubekommen. Die Konsequenz: »Die jungen Leute in Israel schauen nach Europa oder in die USA und fühlen sich betrogen. Sie lernen, dienen in der Armee, studieren mehrere Jahre, rackern sich täglich ab, und trotzdem bleibt ihnen nichts übrig«, ist zu lesen.

Generation Praktikum Echo-Chefredakteurin Marta Halpert hat sich am Jüdischen Beruflichen Bildungszentrum in Wien umgehört. Die jungen Menschen, die dort einen Beruf in den Bereichen Büro- und Bankwesen, IT oder Orthopädietechnik erlernen, wünschen sich, nach dem Abschluss eine feste Anstellung zu finden. Denn auch in Österreich ist die Generation Praktikum mehr als präsent. Seit sechs Jahren gibt es hier die »Plattform Generation Praktikum«, schreibt Veronika Kornberger. Der Verein erhebt Daten, organisiert Veranstaltungen, leistet Bewusstseinsarbeit. Sein Fazit: Ein Drittel der Praktika ist gänzlich unbezahlt, und auch von den anderen lässt es sich nur schwer leben.

Halpert, der es bei der Zusammenstellung der Beiträge auch in dieser Ausgabe wieder darum ging, den Blick über den Tellerrand zu werfen – sowohl über jenen Österreichs als auch über den der jüdischen Gemeinde – bilanziert dennoch nicht resigniert: Die heutigen Jugendlichen »sind sicher keine verlorene Generation«. Und vielleicht wird sich der eine oder andere eines Tages ja auch so humorvoll an seine durch die politische Situation nicht rosige Jugend erinnern, wie dies Ari Rath in seinem Beitrag »Der junge Kibbuznik« tut. Dort heißt der Untertitel: »Von Wien nach Palästina: Aus der Porzellangasse in den Kuhstall«.

www.juedischesecho.at

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Historiker Marģers Vestermanis mit 100 Jahren gestorben

Seine Eltern und Brüder und weitere Angehörige werden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Er selbst überlebte als einziges Familienmitglied. Nach dem Krieg wurde er Historiker

 03.08.2026

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml. Eine Annäherung

von Alexander Friedman  02.08.2026