Belgien

Gedenken in der Kaserne

Eine neue Gedenkstätte für Belgien: Am 26. November wird in der Stadt Mechelen die »Kaserne Dossin – Memorial, Museum und Dokumentationszentrum des Holocaust und der Menschenrechte« eröffnet. Damit wird erstmalig in diesem Umfang auch in Belgien der Schoa gedacht. König Albert II. hat sich zur Eröffnung angesagt, und es werden Gäste aus dem Ausland erwartet. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die flämische Regierung dieses Vorhaben beschloss. Entstanden ist ein Komplex nach neuesten musealen und pädagogischen Erkenntnissen.

Besucher Der Name »Kaserne Dossin« hat für Belgier bis heute einen eigenen Klang. Als »SS-Sammellager Mechelen« war es der Ort, von dem aus während der Besatzungszeit für mehr als 25.000 belgische Juden der Weg begann, der in Auschwitz endete. Schon seit 1995 beherbergte die Kaserne das »Jüdische Museum der Deportation und des Widerstands«, das von Holocaust-Überlebenden gegründet worden war. Von Anfang an zog es die Menschen an. Zuletzt wurden 35.000 Besucher im Jahr gezählt.

Die alte Kaserne, die das bisherige Museum beherbergte, ist eine Stätte des Gedenkens an die Opfer des Holocaust geworden, zu denen in Belgien auch mehr als 350 Sinti und Roma gehörten. Für die Sammlungen ist direkt gegenüber der ehemaligen Kaserne ein eigenes Gebäude errichtet worden.

Monolith Wo sich einst ein mittelalterliches Gefängnis befand, erhebt sich jetzt ein weißer Monolith. In dessen Innerem befinden sich neben einem Auditorium und Räumen für pädagogische Aktivitäten auch die Sammlungen des Dokumentationszentrums.

Sie umfassen neben verschiedenen Gegenständen aus Privatbesitz Fotos, Zeitungen und andere Druckwerke. Aber auch das von den Nazis geforderte »Judenregister von Antwerpen« und das »Belgische Judenregister« oder die Mitgliederliste der »Judenvereinigung in Belgien«, in die sich damals alle jüdischen Familien eintragen mussten, kann man im Dokumentationszentrum einsehen.

suchdienst Das Zentrum sieht es zudem als seine Aufgabe an, die Bestände zu digitalisieren und damit leichter zugänglich zu machen. Teil des Museums ist auch ein Suchdienst, bei dem jährlich immer noch Hunderte Anfragen eingehen, die auf der Grundlage der vorhandenen Bestände beantwortet werden. Für Schulklassen, eine wichtige Zielgruppe des Museums, werden Workshops und auch komplette Unterrichtspakete angeboten.

Die Kaserne Dossin versucht, über die Bewahrung der Erinnerung hinaus, auch den Bezug zur zeitgenössischen Lebenswirklichkeit herzustellen. Wie es im Namen der neuen Einrichtung schon anklingt, wird der Holocaust mit seiner ganzen extremen Einzigartigkeit in den weiteren Zusammenhang der täglichen Problematik um die Achtung und Missachtung der Menschenrechte gestellt. Damit gewinnt das Thema an Aktualität und Relevanz auch für das jüngere Publikum.

»Unser Ziel ist es, die schwierige Debatte über Integration, Interkulturalität und schleichenden Rassismus im Kontext des demokratischen Rechtsstaats anzuregen«, sagt Kurator Herman Van Goethem. Das Museum hat sich zwei Schwerpunkte gesetzt: Diskriminierung und Ausgrenzung sowie die Gewalt gegen Menschen. Beide Phänomene sind nicht nur Kennzeichen des Holocaust, sondern haben auch heute noch Bedeutung.

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Basel

Herzl im Casino

Das Konzerthaus feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag – es ist auch ein jüdisches Jubiläum

von Peter Bollag  27.08.2026

Meinung

Stoßdämpfer der Demokratie

In Basel wird bei einer Demonstration zum »Tod des Zionismus« aufgerufen. Die Behörden verweisen auf hohe juristische Hürden, eine eidgenössische Kommission auf eine komplexe Lage. Beides trifft zu. Beides reicht nicht aus.

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Schweiz

Das sind die beliebtesten Vornamen für neugeborene Jungen und Mädchen

Eine neue Rangliste des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss

von Nicole Dreyfus  27.08.2026 Aktualisiert

Mythos

Wie lange Haare ikonografisch wurden - vom biblischen Samson zum norwegischen Haaland

Seine blonde Mähne wurde zu seinem Markenzeichen - ebenso wie seine reichlichen Tore. Nun hat der norwegische Stürmer Erling Haaland sich die Haare abrasiert. Verliert er damit seine Macht? Vorbilder legen das nahe

von Johannes Peter Senk  26.08.2026

Nachruf

Wie Dolly Parton zur Ikone wurde

Die Country-Legende Dolly Parton ist tot. Dass sie zu einem weltweit verehrten Star wurde, lag auch an ihren jüdischen Freunden und Geschäftspartnern

von Sophie Albers Ben Chamo  26.08.2026

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

USA

»Wenn es nötig wird, wollen wir bereit sein«

Die Familie Wertheimer durchlebt das Dilemma unserer Zeit: Wo fühlen sich Juden noch sicher?

von Sebastian Moll  25.08.2026