Frankreich

»Französisches Verbrechen«

Staatspräsident François Hollande begrüßt einen jüdischen Überlebenden. Foto: dpa

Die »Rafle du Vélodrome d’Hiver« gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Mehr als 13.000 Juden waren am 16. und 17. Juli 1942 in Paris von der französischen Polizei verhaftet und in die überdachte Fahrradrennbahn in der Nähe des Eiffelturms gebracht worden. Von dort aus wurden sie in die NS-Vernichtungslager deportiert. Nur etwa 100 Menschen überlebten, darunter kein einziges Kind.

Für diese Massenverhaftungen in seinem Land fand der französische Staatspräsident François Hollande jetzt deutliche Worte. »Die Wahrheit ist, dass dies ein von Frankreich begangenes Verbrechen in Frankreich war«, sagte Hollande am vergangenen Samstag in einer Rede zum 70. Jahrestag der Razzia. Die französische Polizei hatte damals eigenständig und ohne Anweisung der Nazis anhand von Listen, die sie selbst erstellt hatte, Tausende festgenommen. Das Vertrauen der Juden in die Werte der französischen Republik sei dadurch zerstört worden. »Diese Wahrheit ist für uns hart und grausam.«

Bekenntnis Über 50 Jahre hatte es gedauert, bis ein französischer Präsident sich im Namen des Staates erstmals zur Schuld an der Deportation der Juden bekannte. Es war der damalige Staatschef Jacques Chirac, der 1995 als Erster die Beteiligung der französischen Behörden eingestanden hatte. Zuvor war allein die deutsche Besatzungsmacht verantwortlich gemacht und alle Mitschuld geleugnet worden. Noch Chiracs Vorgänger im Amt, François Mitterrand, hatte sich stets geweigert, von einer historischen Mitschuld Frankreichs zu sprechen.

Richard Prasquier, der Präsident des Dachverbands jüdischer Institutionen in Frankreich (CRIF), begrüßte François Hollandes klare Äußerungen. Viel zu lange habe Frankreich sich seiner Geschichte nicht gestellt. Dass der Präsident den Antisemitismus verurteile, sei ein wichtiges Signal, betonte Prasquier. Dass aber »antijüdischer Hass« auch heute noch Juden töte, daran erinnerte der französische Nazijäger Serge Klarsfeld. Damit bezog er sich auf das Attentat in Toulouse im März, bei dem vor einer jüdischen Schule drei Kinder und ein Rabbiner ermordet worden waren.

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