Polen

Drei Kilometer Trauer

March of the Living 2014 Foto: dpa

Mehr als 10.000 Juden haben im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz am 23. »Marsch der Lebenden« teilgenommen. An dem drei Kilometer langen Marsch aus dem Stammlager Auschwitz I ins Konzentrationslager Auschwitz-II-Birkenau beteiligten sich Schüler- und Studentengruppen sowie auch viele ältere Menschen, unter ihnen zahlreiche Schoa-Überlebende.

Die Teilnehmer gedachten insbesondere der ungarischen Juden, die von Mai bis Juli 1944 von den Deutschen nach Auschwitz deportiert wurden. Während der Schoa hatten die Nazis mehr als 500.000 jüdische Bürger des Landes verschleppt und fast alle in Auschwitz-Birkenau ermordet. Der ungarische Staatspräsident János Áder marschierte mit mehreren Hundert jungen Juden aus Ungarn und aller Welt an der Spitze des langen Zuges.

Verbundenheit An dem Marsch nahmen auch junge Erwachsene der israelischen Organisation Heseg, die sich um sogenannte »lone soldiers«, Soldaten ohne Familie, in Israel kümmert, teil. Einer von ihnen ist Amir Mizrachi. »Ich bin zum ersten Mal hier und habe selbst keine Vorfahren, die während der Schoa umgebracht wurden«, sagt der junge Mann. »Es ist immer eine persönliche Sache, aber auch, wenn ich keine familiäre Geschichte mit dem Ort verbinde, war es doch mein Volk, das hier gelitten hat.«

Zu denen, die litten, aber überlebt haben, zählt Hank Brodt. »Ich bin in sechs Konzentrationslagern gewesen und am Ende doch gerettet worden«, erklärt der Amerikaner, der aus der ehemals polnischen Region um das damalige Lemberg stammt. Zum nunmehr siebten Mal schritt Brodt den Weg in das Lager Birkenau ab, doch es habe lange gedauert, bis er über die Vergangenheit sprechen konnte: »Bis zum Jahr 2006 wollte ich nichts davon erzählen. Seither rede ich immer wieder vor Schülern über meine Erfahrungen. Selbst, wenn ich nur zehn Prozent einer Gruppe erreiche, bin ich zufrieden.«

Der Marsch endete am späten Montagnachmittag im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-II-Birkenau mit dem Kaddisch-Gebet und der israelischen Nationalhymne.

Meinung

Der Antisemitismus und wie Sir Tony ihn (nicht) sah

Nach der Messerattacke auf zwei Juden in Golders Green hat ein ehemaliger britischer Diplomat der »Times« einen Leserbrief geschickt. Er verdeutlicht, warum einem als Jude in Großbritannien mulmig zumute sein muss

von Stephen Pollard  05.05.2026

New York

Juden am meisten von Hassverbrechen betroffen

Im April waren jüdische New Yorker erneut in einem erschreckendem Ausmaß mit Judenhass konfrontiert

 05.05.2026

London

Starmer lädt zu Antisemitismus-Gipfel in Downing Street

Der Premier will Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Spitzentreffen in London zusammenbringen. Ziel ist es, Strategien gegen Judenhass zu entwickeln

 05.05.2026

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Frankreich

Mit einer Prise Antisemitismus in den Elysée?

Mit 74 Jahren nimmt Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon zum vierten Mal Anlauf auf das Präsidentenamt. Dabei operiert er gezielt mit antisemitischen und antiisraelischen Narrativen

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Italien

Nächstes Jahr in Palermo

Über Jahrhunderte war das Judentum fester Bestandteil Siziliens. Dann wurde es mehr als 500 Jahre lang dem Vergessen preisgegeben. Die Geschichte einer Wiederentdeckung

von Mark Feldon  04.05.2026

Großbritannien

Regierung erwägt Einschränkungen bei israelfeindlichen Demonstrationen

Premierminister Keir Starmer verweist auf eine zunehmende Bedrohungslage für jüdische Gemeinden im Land. Insbesondere Parolen wie »Globalize the Intifada« müssten geahndet werden

 04.05.2026