Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Aufregung bei der Jewro in Stuttgart Foto: Gregor Zielke

Die Stunden vor der Jewrovision 2026 fühlen sich an wie ein einziger großer Herzschlag. In der großen Halle in Stuttgart Messe wird geprobt, getanzt, gesungen und natürlich gelacht und manchmal auch diskutiert. In den Fluren riecht es nach Haarspray, es dringt Musik über den Flur. Stimmengewirr.

Im Backstagebereich liegen halb gepackte Taschen, Wasserflaschen und Zettel mit Choreografien herum. Es werden Schritte geübt, Stimmen warm gesungen, letzte Ideen entstehen spontan zwischen Tür und Angel. Aber es fühlt sich nicht wie ein Chaos an, sondern wie ein Schmelztiegel voller Energie.

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Noch ist die Stimmung ruhig, aber die Anspannung ist spürbar. Schon bald werden mehr als 600 jüdische Kinder und Jugendliche ihren großen Showauftritt haben. Für einige ist es das erste Mal, andere haben in Vorjahren bereits teilgenommen. Aber aus allen Eckens Deutschlands sind sie für ein ganzes Wochenende angereist sind, um zu singen und zu tanzen – sprich, um am jährlich größten jüdischen Anlass Europas teilzunehmen. Kein Wunder, dass da Anspannung viel im Raum ist, aber auch ganz viel Strahlen in den Augen.

Batterien aufladen

Die Jewrovision ist für viele von ihnen mehr als nur ein Wettbewerb. Sie ist ein Moment, auf den sie monatelang hingefiebert, wochenlang geprobt haben. »Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer freut sich an diesem Ereignis teilzunehmen, das einzigartig ist«, sagt Tali Botman, die selbst als Jugendliche für ihr Jugendzentrum bei der »Jewro« auf der Bühne stand und heute als Madricha dabei ist. Es sei für die Jugendlichen ein unbeschreibliches Gefühl, das man hier erlebe. »Selbst noch Tage danach, wenn man wieder zu Hause ist.«

Neben der Musik und dem Show-Act, bei dem auch die israelische Sängerin Noa Kirel auftreten wird, ist es vor allem diese »einmalige Stimmung, die es nur hier gibt«, findet Suzy Schneider, Mitarbeiterin des Zentralrats der Juden in Deutschland, der den Großanlass organisiert. »Diese Atmosphäre ist für die meisten hier wohl der Treiber, an der Jewrovision teilzunehmen. Alle freuen sich, jedes Jahr ihre Batterien mit ganz viel jüdischem Feeling wieder aufzuladen«, so sei es auch für sie selbst.

Gerade für Kinder und Jugendliche aus deutschen Kleinstädten, die im Alltag nicht so viel Jüdisches erleben, sei es wichtig, von der Jewrovision viel Selbstbewusstsein mitzunehmen. »Diese Form von jüdischer Identität so zu erleben, gibt vielen einen Push.«

Unsicherheit für einen Moment vergessen

Es wird schnell klar: Die Jewrovision schafft einen Raum, einen »Safespace«, wie es hier oft gesagt wird, in dem junge jüdische Menschen einfach sie selbst sein können. Was eigentlich normal sein sollte, gehört für viele nicht mehr zum Alltag. Die Unsicherheit und die Angst vor Antisemitismus lässt insbesondere auch junge Menschen ihr Judentum nicht mehr öffentlich zeigen. »Die jüdische Identität zu stärken, ist daher einer der wichtigsten Pfeiler dieser gemeinsamen Erfahrung.«

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Zwischen Musik, Tanz und Freundschaften soll das Gefühl von Identität und Zugehörigkeit weiterwachsen und so die viele Jugendlichen weit über die Bühne hinausbegleiten. 1350 Kinder und Jugendliche sind es, die am Event insgesamt teilnehmen. »Ein Ort also, bei dem niemand erklären muss, warum bestimmte Traditionen gelebt werden oder weshalb jüdische Identität für uns so wichtig ist«, sagt auch Eli Konnik aus Berlin, ebenfalls Zentralrats-Mitarbeiter und für die Delegationen aus den verschiedenen Städten zuständig ist: »Nirgendwo existiert ein Event wie dieser. Gerade für die Kinder ist das etwas ganz Großes.«

Jeder Beitrag zählt

Während der Vorbereitungen spürt man deshalb besonders stark, wie wichtig Gemeinschaft ist. Die Älteren helfen den Jüngeren bei den Tanzschritten, Betreuerinnen und Betreuer hören zu, wenn die Nerven blank liegen, und nach jeder Probe gibt es dieses Gefühl von: Wir schaffen das zusammen. Niemand steht allein auf der Bühne. Jeder einzelne Beitrag zählt – egal ob jemand vorne singt, im Hintergrund tanzt oder hinter der Bühne Kostüme sortiert.

Noch ist geheim, wer von den 13 Gruppen, die teilnehmen, was singt. Aber es werden zum wiederholten Mal Frisuren optimiert, dazwischen Selfies gemacht. Das Kribbeln wird stärker. Lange dauert es nicht mehr, bis die ersten Scheinwerfer angehen und es heißt, Bühne frei für die Jewrovision 2026.

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