Brüssel

Der Jazzpianist

Simon Gronowski 2019 in Brüssel; im Hintergrund die belgische Königin Mathilde Foto: imago images / Belga

Lange wollte Simon Gronowski nicht über das reden, was ihm und seiner Familie im Frühjahr 1943 angetan wurde.

Im Jahre 2005 erschien dann das Buch Simon, l’enfant du 20e convoi (Simon, das Kind vom 20. Transport), in dem seine Geschichte während der deutschen Besatzung Belgiens und der Deportation der Juden in die NS-Vernichtungslager nacherzählt wird. Als Elfjähriger wurden Simon, seine Mutter und seine große Schwester Ita von der Gestapo verhaftet und in die Dossin-Kaserne in Mecheln gebracht.

ABSPRUNG Gemeinsam mit seiner Mutter Chana wurde er dort einige Wochen später mit 1636 weiteren belgischen Juden in einen Viehwaggon gesperrt. Noch auf belgischen Gebiet wurde der Deportationszug aber kurzzeitig von Widerstandskämpfern aufgehalten; einigen Insassen gelang deswegen die Flucht.

Auch Simon konnte aus dem fahrenden Zug abspringen. Seine Mutter wollte ihn noch warnen (»Der Zug fährt zu schnell«), doch er schaffte es. Sie blieb im Waggon und wurde nach der Ankunft in Auschwitz vergast. Ita erlitt wenige Monate später dasselbe Schicksal. Simons Vater Leon, der der Deportation in die Todeslager entkommen war, starb kurz nach Kriegsende 1945.

Simon dagegen überlebte das Grauen dank der Hilfe eines belgischen Polizisten, der ihn versteckt hielt. Heute lebt der 89-Jährige im Brüsseler Stadtteil Ixelles. In den letzten Jahren sprach er immer wieder über seine Erfahrungen während der Schoa. Am Freitag berichtete Amerikas führende Tageszeitung, die »New York Times«, ausführlich über ihn.

LOCKDOWN Denn regelmäßig seit dem ersten Lockdown im Frühjahr spielt der pensionierte Rechtsanwalt und Jazzpianist Klavier nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Freude anderer. Mit einem E-Piano auf dem Sims und geöffnetem Fenster lässt er auch Nachbarn und Passanten an seinem Klavierspiel teilhaben. »Da ist jemand, der seine Musik mit den Nachbarn teilt, und das einzig und allein, damit andere sich besser fühlen«, sagte die Englischlehrerin Amy Edwards Anderson der »New York Times«.

Anfangs, so Simon Gronowski gegenüber der amerikanischen Zeitung, habe er etwas Angst gehabt, denn es sei schließlich nicht normal, dass man sich ans Fenster setze und einfach drauf los spiele. Aber seine Jazzmusik kam in dem Viertel gut an, auch die Nachbarn öffneten die Fenster und hörten zu, manche kamen sogar extra bei ihm vorbei.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es war nicht das erste Mal, dass Gronowski in den US-Medien Schlagzeilen machte. Vor zwei Jahren traf er nach 76 Jahren zum ersten Mal eine Freundin aus seiner Kindheit wieder.

Alice Gerstel, deren Familie 1941 die Flucht aus Belgien geglückt war, hatte lange Zeit angenommen, auch Simon habe die Deportation nach Auschwitz nicht überlebt. 2017 las sie das Buch über Gronowskis Schicksal; einige Monate später trafen sich die beiden in Los Angeles.

Paris

Frankreichs Innenminister lässt Nahost-Demonstrationen verbieten 

Bereits 2014 wurde bei ähnlichen Kundgebungen die öffentliche Ordnung massiv gestört

 13.05.2021

Schottland

Hoch im Norden

In der Hafenstadt Aberdeen gibt es eine kleine jüdische Gemeinde

von Julia Pohlmann  12.05.2021

USA

Juden beklagen zunehmenden Antisemitismus

53 Prozent der insgesamt 4718 Befragten fühlen sich laut Pew Research Center »weniger sicher«

 11.05.2021

USA

Der geborene Diplomat

Außenminister Antony Blinken ist seit 100 Tagen im Amt – und durchaus offen für Unkonventionelles

von Katja Ridderbusch  08.05.2021

Wien

10.000 Nachkommen von NS-Verfolgten wollen österreichischen Pass

Neues Gesetz löst Welle von Anträgen aus

 07.05.2021

Mumbai

Wo Covid wütet

Wie eine kleine jüdische Gemeinde in Indien versucht, ihre Mitglieder vor der Pandemie zu schützen

von Tobias Kühn  06.05.2021

Karl Lueger

Experten: Wien soll Denkmal eines Ex-Bürgermeisters stürzen

Experte: »Seine Verdienste können nicht aufwiegen, was er als Hassprediger angerichtet hat«

 05.05.2021

Schoa-Gedenken

Weltweites Treffen zum Jahrestag der Befreiung

Das Online-Event »Liberation75« möchte der Schoa-Opfer gedenken und Überlebende ehren

 05.05.2021

Österreich

Gratis in Graz

Die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Land lockt Studierende mit kostenlosem Wohnraum

von Tobias Kühn  02.05.2021