Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Carlos Ray »Chuck« Norris Jr. wurde am 10. März 1940 im Städtchen Ryan in Oklahoma geboren. Der Rest ist Geschichte. Foto: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/Cannon Gro

Auch in Israel ist die Trauer um den Action- und Meme-Star Chuck Norris groß, der – auch wenn er selbst kein Jude war – eine enge Verbindung zu Israel hatte. Deshalb gibt es auch jüdische Memes. Zum Beispiel: »Chuck Norris ist der Einzige, der es schafft, dass eine jüdische Mutter sich schuldig fühlt.« Oder: »Chuck Norris kann Fleisch koscher machen, indem er darauf zeigt.« Oder auch: »Chuck Norris beendet den Kiddusch mit den Worten ›Boo Yah‹.«

Ein entscheidender Teil seiner Karriere war die Zusammenarbeit mit den israelischen Produzenten Menachem Golan und Yoram Globus, die mit Norris in Delta Force und Hellbound Actionfilm-Geschichte schrieben. Er habe sich in Israel immer sehr wohlgefühlt, sagte Norris einmal. Fotos zeigen ihn an der Kotel.

»Ich habe drei Filme in Israel gedreht, von denen Delta Force mein Favorit ist. Bei meinen Aufenthalten dort habe ich viele Freundschaften geschlossen. Ihr habt ein unglaubliches Land, und wir wollen es in diesem Zustand bewahren!«, zitierte die US-jüdische Zeitung »Algemeiner« ihn einmal im Gespräch mit Benjamin Netanjahu. Israels Ministerpräsident war ein Freund des Leinwand- und Videostars. Zweimal hatte Norris ihn im Wahlkampf unterstützt. Und auch in schlechten Zeiten war er an Israels Seite. Am 1. November 2023 veröffentlichte er einen Appell auf Facebook mit einem Bild von Ariel Bibas, der am 7. Oktober mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder von der Hamas verschleppt und später ermordet worden war: »Am 7. Oktober wurde der vierjährige Ariel von seiner Familie gestohlen, als Hamas-Terroristen in Israel einfielen. Ariel ist eine von 229 Geiseln, die seit mehr als drei Wochen unter unbekannten Bedingungen in Gaza gefangen gehalten werden. Er sollte zu Hause bei seiner Familie sein. Lasst Ariel jetzt frei!«

Immerhin im Film konnte Norris ganz real Geiseln retten: In Delta Force (1986), der mit der missglückten Geiselbefreiung in Teheran 1979 beginnt, tritt er als Leiter einer Eingreiftruppe der US-Armee an, um Terroristen zu jagen und die Geiseln einer Flugzeugentführung zu retten, was wiederum sehr an die Landshut-Tragödie erinnerte. Am Ende aber schießt Norris’ Charakter allen den Weg nach Israel frei.

In Hellbound (1994) spielte er einen Polizisten aus Chicago, der nach Israel reist, um den Tod eines Rabbis aufzuklären. Dort kämpft er schließlich gegen Satan persönlich. »Höllischer Unsinn aus der 90er-Trash-Tonne«, schrieb das »Cinema«-Magazin begeistert.

Norris wurde am 10. März 1940 in Oklahoma geboren. Vor seiner Schauspielkarriere diente er in der US-Luftwaffe, und während er in Südkorea stationiert war, begann er, sich für Kampfsport zu begeistern. Wieder in den USA eröffnete er eine Karateschule und unterrichtete bald auch berühmte Leute. So wurde der Kung-Fu-Superstar Bruce Lee auf ihn aufmerksam, der ihm 1968 zu einer ersten Filmrolle verhalf. Der Durchbruch kam 1972, als er in Die Todeskralle schlägt wieder zu gegen Lee antrat. Ermutigt von seinem Freund, dem Hollywoodstar Steve McQueen, studierte Norris Schauspiel und war ab Ende der 70er-Jahre in unzähligen Actionfilmen zu sehen. Auch für Golan und Globus.

»Ihr habt ein unglaubliches Land, und wir wollen es in diesem Zustand bewahren!«

Chuck Norris über Israel

In den 90er-Jahren wurde Norris mit seiner Hauptrolle in der TV-Serie Walker, Texas Ranger weltberühmt. Auch hier ging es immer um Moral und Gerechtigkeit. 2005 postete ein IT-Genie das erste Meme – und das Internet fing Feuer.

2012, da war Norris 72, trat er in The Expendables 2 neben Stallone und Schwarzenegger an, 2024 rettet er in seinem letzten Film, Agent Recon, als »Supersoldat« die Menschheit. Da war er 84. »Ich werde nicht älter. Ich steige eine Stufe auf«, sagte Norris in seinem Geburtstagsvideo zum 86.; die letzte Stufe erklomm er am 19. März auf Hawaii.

»Ihr alle kanntet Chuck Norris als den Mann, der zweimal bis unendlich zählt; den eine Kobra biss, die daraufhin starb«, schrieb seine Enkelin Greta in den sozialen Medien. »Die Welt hat eine Ikone verloren, und ich meinen Großvater.«

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