USA

Botschafterin gegen den Hass

Deborah Lipstadt bei einem Besuch in Berlin (2015) Foto: © Gregor Zielke

USA

Botschafterin gegen den Hass

Die Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt wird Antisemitismusbeauftragte der Regierung

von Daniel Killy  15.08.2021 08:19 Uhr

Zwei weitere Personalien in der Regierungsmannschaft von US-Präsident Joe Biden sorgen für Aufsehen im amerikanisch-jüdischen Umfeld. Da ist zum einen die Ernennung von Deborah Lipstadt zur Antisemitismusbeauftragten des US-Außenministeriums. Nach Angaben des Weißen Hauses soll Lipstadt als spezielle Gesandte im Range einer Botschafterin Antisemitismus »beobachten und bekämpfen«. Dafür hätte Joe Biden kaum eine besser geeignete Person finden können.

Die 74-Jährige, Tochter einer ursprünglich kanadischen Mutter und eines aus Deutschland gebürtigen Vaters, ist eine der international renommiertesten Holocaust-Forscherinnen. Durch ihren Prozessauftritt gegen den notorischen Schoa-Leugner David Irving wurde sie über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt.

verfahren Der Brite hatte sie seinerzeit verklagt, weil Lipstadt ihm genau diese Leugnung vorgeworfen hatte. Das Verfahren vor einem britischen Gericht verlor Irving krachend. Aus dem Ereignis wurde Lipstadts Bestseller History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier (Geschichte auf der Anklagebank: Mein Tag vor Gericht mit einem Holocaustleugner). 2016 wurde der Prozess verfilmt. Rachel Weisz übernahm die Rolle der Deborah Lipstadt.

Die 74-Jährige, Tochter einer ursprünglich kanadischen Mutter und eines aus Deutschland gebürtigen Vaters, ist eine der international renommiertesten Holocaust-Forscherinnen.

Auf Deutsch erschien 2020 bei Piper ihr aktuelles Buch Antisemitismus heute: Wie Hass und Vorurteile global erstarken. 2018 erhielt Lipstadt den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg. Die Jury begründete das damals so: »Deborah Lipstadt setzt sich konsequent und unerschrocken für die historische Wahrheit und die Menschenwürde ein.«

Das tut die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin auch mit geschärftem Blick für aktuelle Entwicklungen – ohne Rücksicht auf Tabus oder politische Korrektheit. Scharf attackierte sie etwa den deutschen Historiker Ernst Nolte, Urheber des »Historikerstreits«, für seine »sanfte Leugnung« der Schoa. 2003 sagte sie in einem Interview mit dem Jerusalem Center for Public Affairs: »Historiker wie der Deutsche Ernst Nolte sind in gewisser Weise noch gefährlicher als die Leugner. Nolte ist ein Antisemit allererster Güte, der versucht, Hitler dadurch zu rehabilitieren, dass er sagt, er sei nicht schlimmer als Stalin; aber er ist sehr bedacht darauf, nicht den Holocaust zu leugnen. Holocaust-Leugner machen Nolte das Leben leichter. Sie haben mit ihrer radikalen Argumentation das politische Zentrum etwas zu sich herangezogen. Daraus folgt, dass ein weniger radikaler Extremist wie Nolte sich näher an der Mitte wiederfindet, was ihn gefährlicher macht.«

MUSLIME Auch mit dem zwiespältigen Verhältnis vieler muslimischer Verbände zur Schoa ging sie hart ins Gericht. Dem Muslim Council of Britain etwa schrieb sie ins Stammbuch: »Wenn Gruppen sich weigern, den Holocaust Memorial Day zu begehen, sofern antimuslimischen Vorurteilen nicht derselbe Raum eingeräumt wird, ist das sanfte ›Leugnung‹.«

Und 2020 verglich sie die Politik der Trump-Regierung mit den 30er-Jahren in Deutschland. Holocaust-Analogien verböten sich, so Lipstadt, aber sie könne »in den Attacken auf die Presse, die Gerichte, akademische Einrichtungen, gewählte Volksvertreter und, am beängstigendsten, den Wahlprozess« Parallelen zum Aufstieg der Nazis erkennen.

Mutig, wenn auch kontroverser ist eine andere Entscheidung von Joe Biden. Sie betrifft Rabbinerin Sharon Kleinbaum.

Die Wahl Lipstadts macht Mut. Mutig, wenn auch kontroverser ist eine andere Entscheidung von Joe Biden. Sie betrifft Rabbinerin Sharon Kleinbaum (62), die seit 1992 in der New Yorker Gemeinde Beth Simchat Torah amtiert. Die Rabbinerin und LGBTQ-Aktivistin ist Unterstützerin der linken Gruppe J Street, die sich zwar als pro Israel bezeichnet, in den Augen vieler Israelfreunde aber der sogenannten Israelkritik nahesteht.

Verunglimpfungen rechter Politiker, Kleinbaum sei eine »Antisemitin«, wurden von der Menschenrechtsgruppe Anti-Defamation League jedoch scharf kritisiert. Kleinbaum soll künftig der »US Commission on International Religious Freedom« angehören und religiöse Freiheit weltweit unterstützen.

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

In einer Parlamentsdebatte zu Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verstieg sich ein Parlamentarier zu antisemitischen Aussagen

 04.06.2026

Essay

Sündenfall des Big Apple

New Yorks Bürgermeister macht den Nahostkonflikt zur Innenpolitik und feiert BDS, während seine Frau den 7. Oktober rechtfertigt. Hinter der Fassade der Wohltäter steht die harte Ideologie der Ausgrenzung

von Louis Lewitan  04.06.2026

Brnenec

Museum in Oskar Schindlers Fabrik - Politiker sagen Unterstützung zu

Auf dem Gelände der früheren Fabrik von Oskar Schindler gibt es heute ein Museum. Noch zwickt es dort finanziell ordentlich. Aber Hilfe für die NS-Gedenkstätte ist zumindest am Horizont

von Alexander Brüggemann  03.06.2026