Kopenhagen

Beschneidungsverbot in Dänemark?

Schloss Christiansborg, Sitz des dänischen Parlaments (Juni 2019) Foto: dpa

In Dänemark gibt es wieder eine Beschneidungsdebatte: Noch vor Jahresende soll das Parlament darüber entscheiden, ob rituelle Beschneidung von Jungen künftig verboten sein wird. Ihre Gegner der fordern schon lange, dass nur Erwachsene beziehungsweise Religionsmündige für sich entscheiden sollen, ob sie beschnitten werden wollen.  

2013 war in Dänemark ein Gesetz verabschiedet worden, das die Beschneidung von Jungen nicht verbietet. »Autorisiertes Gesundheitspersonal« darf demnach Beschneidungen durchführen, unter diesen Begriff fallen auch Mohalim. 

VORLAGE Die neue Vorlage wurde eingebracht vom früheren Innenminister Dänemarks, Simon Emil Ammitzboll-Bille. Die meisten Parteien haben sich noch nicht abschließend geäußert, wie sie sich entscheiden werden. Sozialdemokraten und Liberale könnten ein Verbot gemeinsam mit ihrer Stimmenmehrheit abschmettern.

Henri Goldstein, Vorsitzender des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Dänemarks, bezeichnet die erneute Debatte als »größte Krise für das das dänische Judentum seit dem Zweiten Weltkrieg«.

Henri Goldstein, Vorsitzender des Jødiske samfund i Danmark, bezeichnet die erneute Debatte allerdings bereits jetzt als »größte Krise für das dänische Judentum seit dem Zweiten Weltkrieg, damals mussten wir nach Schweden flüchten«.

Die Brit Mila sei ein zentraler Bestandteil der jüdischen Religion, ein Verbot sei gleichbedeutend damit, »dass uns nicht mehr erlaubt sein wird, Juden zu sein«. Die Beschneidung sei schließlich nicht nur für strengreligiöse, sondern »auch für nichtreligiöse und kulturelle Juden« ein wichtiges Ritual.

Regierung Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen lehnt die Gesetzesvorlage ab. »Dänische Juden müssen weiterhin Teil Dänemarks sein«, erklärte die sozialdemokratische Politikerin in einem Fernsehinterview. »Viele Juden können nicht in einem Land leben, in dem die Beschneidung verboten ist«, sagte sie. »Ich glaube nicht, dass wir eine Entscheidung treffen können, bei der wir unser Versprechen, dass die dänischen Juden weiterhin ein Teil Dänemarks sein müssen, nicht halten.«

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte seiner dänischen Amtskollegin. Laut einer Erklärung des Büros des Premierministers sprach Netanjahu mit Frederiksen und würdigte ihre Position. Die Verteidigung der jüdischen Gemeinde und die alte Tradition der Beschneidung sei »eine Frage der Wahrung der jüdischen Identität durch die Generationen«.

Netanjahu sagte seiner Kollegin im Gespräch, er hoffe, dass sich Dänemark weiterhin für den Schutz seiner jüdischen Bevölkerung einsetzen werde, wie dies während der Besetzung des Landes durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg der Fall war.

Inzwischen hat sich auch die EU-Kommission zu Wort gemeldet und auf die Religionsfreiheit hingewiesen. Auch wenn Beschneidungsregeln nicht in die Kompetenzen der EU fielen, seien die Mitgliedstaaten verpflichtet, sicherzustellen, dass die Religionsfreiheit respektiert werde, sagte der Sprecher der EU-Kommission, Christian Wigand in Brüssel.

FOLKEPARTI Während sich viele Sozialdemokraten und Liberale nicht zu den jüdischen Befürchtungen äußern, tat Liselott Blixt, gesundheitspolitische Sprecherin der nationalkonservativen, rechtspopulistischen Dansk Folkeparti, sie als »leere Drohungen« ab.

Ein Beschneidungsverbot bedeute doch nicht, dass man die eigene Religion aufgeben müsse, sagte sie, ohne auf die Bedeutung der Brit Mila für Juden einzugehen. Hämisch fügte sie hinzu: »Es kann doch nicht sein, dass die Religion im beschnittenen Pipi-Mann sitzt.«

Anfang September wurde bekannt, dass die Abgeordneten der Folkeparti mehrheitlich für ein Beschneidungsverbot stimmen wollen. Damit droht eine innerparteiliche Zerreißprobe, denn gleich drei prominente Fraktionsmitglieder und ein jüdischer Parlamentskandidat kündigten umgehend teils drastische Konsequenzen an.

New York

Gouverneurin Hochul fordert Mamdani auf, sich weniger auf Israel zu konzentrieren

In einem Interview legt die Gouverneurin des Bundesstaats New York dem Bürgermeister der gleichnamigen Metropole nahe, seinen Fokus auf das »Handwerkszeug der Stadtregierung« zu legen

 23.08.2026

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Philanthropie

Lauder-Stiftung lässt Förderung jüdischer Schulen in sieben europäischen Städten auslaufen

Zum Abschluss der jahrzehntelangen Förderung stellt die Ronald S. Lauder Foundation noch einmal 75 Millionen Dollar bereit. Die Strategie: Hilfe zur Selbsthilfe

 21.08.2026

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain

Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Der israelisch-britische Koch erinnert sich zum Filmstart von »Tony« an seine Begegnung mit seinem berühmten amerikanischen Kollegen

von Katrin Richter  21.08.2026

Schweiz

»Death to Zionism«: Anti-Israel-Demo sorgt in Basel für Unruhe

Ausgerechnet am Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses soll eine Kundgebung stattfinden, bei der die Vernichtung Israels propagiert wird

 20.08.2026

Wien

Sieben Tage vermisst

Das Verschwinden zweier Israelinnen löste eine groß angelegte internationale Suchaktion aus. Die Geschichte aus realer Angst, einer Nachrichtensperre und wilden Gerüchten hat zwei Versionen

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  19.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert