Australien

Attacke am Schabbat

In Australien spricht man vom schlimmsten Vorfall antisemitischer Gewalt seit Jahrzehnten. Am Samstagmorgen sind in Bondi, einem Vorort von Sydney, fünf Israelis derart zusammengeschlagen worden, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Die vier Männer und eine Frau waren kurz nach Mitternacht von einem Schabbatdinner gekommen, als acht Jugendliche sie zuerst antisemitisch anpöbelten und dann physisch angriffen. Eine Überwachungskamera zeichnete den gewalttätigen Zwischenfall auf. Sicherheitspersonal aus einem nahe gelegenen Nachtlokal griff ein, bevor Polizisten eintrafen. Die verhafteten schließlich zwei 17-Jährige und einen 23-Jährigen. Die anderen Angreifer flohen.

Verletzungen Die Opfer – unter ihnen Shlomo Ben-Chaim, der Delegierte des Keren Kayemeth Leisrael (KKL), und seine Frau – erlitten mehrere Verletzungen. »Einige haben eine Gehirnerschütterung«, sagte ein Polizeisprecher. »Bei einem ist ein Wangenknochen gebrochen, manche haben Platzwunden und Blutergüsse.« Die drei Männer im Alter von 27 bis 66 trugen Kippot. Eli Behar, das älteste Opfer, erlitt eine Gehirnblutung. Wie ein Sprecher des St. Vincent’s Hospital sagte, schwebt er jedoch nicht in Lebensgefahr.

Yair Miller, der Präsident des New South Wales Jewish Board of Deputies, sagte australischen Medien, der Vorfall zeige, dass das Land dringend wirksame Gesetze gegen rassistische Gewalt brauche.

Auch der Executive Council of Australian Jewry (ECAJ) fordert, massiver gegen Rassismus vorzugehen. ECAJ-Geschäftsführer Peter Wertheim sagte, die Behörden müssten mehr Initiative zeigen, um den Rassismus in Schach zu halten. Wertheim rief dazu auf, die nationale Antirassismusstrategie zu stärken und das Thema in den Lehrplan für Schulen aufzunehmen. »Ich selbst bin in Bondi aufgewachsen und habe nie einen einzigen Fall von Antisemitismus erlebt, nicht einmal verbaler Art.« Seit Jahrzehnten sei Bondi bekannt für seine entspannte, lockere und kulturell vielfältige Lebensart, sagt Wertheim. Viele Juden lebten dort. Es gebe zahlreiche Synagogen, koschere Cafés und Geschäfte sowie etliche Einrichtungen der jüdischen Gemeinde.

Jugendrichter Die beiden 17-jährigen Männer, die die Polizei am Tatort festgenommen hat, wurden am Montag in ihrer Zelle per Video-Schaltung vor einen Jugendrichter geführt. Für den 12. November sei ein weiterer Gerichtstermin festgesetzt, meldeten australische Medien. Der 23-jährige mutmaßliche Täter soll am 3. Dezember vor Gericht erscheinen. Nach den anderen Mitgliedern der Gang fahndet die Polizei weiter.

Shlomo Behar, eines der Opfer, postete inzwischen auf seiner Facebook-Seite: »Ich hoffe, wir können jeglichen antisemitischen oder rassistischen Attacken ein Ende setzen. Egal, welcher Hautfarbe, Religion oder Herkunft – niemand sollte so etwas erleben.« Die Opfer wurden von der Polizei angewiesen, keine Interviews zu geben und Medienanfragen zu beantworten. Sie erklärten am Montag: »Wir wollen Gerechtigkeit, nicht Rache. Alle Menschen sollten frei sein, in Sicherheit durch die Straßen zu spazieren, ohne Angst.«

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