Porträt

Amerikas Ehemann Nummer eins

Doug Emhoff kann seinen Überschwang nicht verbergen. Es ist der 28. April: Der Ehemann von US-Vizepräsidentin Kamala Harris sitzt auf der Zuschauertribüne im Kongress, während die Welt auf die erste große Ansprache von Präsident Joe Biden im Parlament wartet. Ein großer Tag für Biden und auch für dessen Stellvertreterin. Als Harris den Saal betritt, beginnt Emhoff plötzlich aufgeregt, seiner Frau zuzuwinken.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es folgt eine Serie von etwa einem Dutzend Luftküssen, die er ihr aus der Ferne zuwirft - eifrig, mit beiden Händen. Zum Schluss klopft sich Emhoff mit der Hand mehrmals aufs Herz und winkt noch einmal.

Emhoff äußerte sich später etwas beschämt über jenen Augenblick. »Ich sah aus wie Forrest Gump«, sagte er Anfang November in einem Interview mit dem »Time«-Magazin. »Ich dachte nur: ›Ok, das hat niemand gesehen‹.« Doch Millionen sahen den emotionalen Ausbruch. Die Szene wurde damals im nationalen Fernsehen übertragen und sorgte in sozialen Medien für Verzückung. Emhoff wurde dort gepriesen als »perfekter Mann« und Paradebeispiel des modernen, unterstützenden Partners einer erfolgreichen Frau.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Neben der Zuneigung Emhoffs für Harris zeigt jener Moment vor allem zwei andere Dinge: Dass er ohne große Erfahrung in seine neue Position startete, erfrischend wenig vertraut mit einigen Ritualen des politischen Universums. Und es zeigt, wie sich Emhoff in eben jener Rolle versteht: als bedingungsloser Beistand für seine Ehefrau. So wie Harris die erste Frau in der Geschichte der USA ist, die in das Vizepräsidenten-Amt vorgerückt ist, so ist Emhoff der erste Mann in der Geschichte des Landes, der die Rolle des Second Gentleman übernommen hat. Im Übrigen ist er auch der erste jüdische Vizepräsidenten-Partner in der US-Geschichte. Seit knapp einem Jahr.

Während es in Deutschland über 16 Jahre hinweg zu einer Selbstverständlichkeit wurde, dass ein Kanzler-Gatte zur Unterstützung auf der Tribüne im Parlament saß und bei offiziellen Großereignissen das »Damenprogramm« bestritt, ist derlei in den Vereinigten Staaten neu. Und Emhoff ist hier der Pionier.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Am 20. Januar 2021 - mit Harris‹ Vereidigung - trat auch Emhoff seine neue Aufgabe an. Von einem Tag auf den anderen änderte sich sein Leben kolossal. Er gab seinen Job als Anwalt in der Unterhaltungsbranche auf, um sich ganz seinen repräsentativen Pflichten zu widmen. Ohne Bezahlung und noch dazu unter strenger Bewachung und öffentlicher Beobachtung.

Vizepräsidenten-Partner - in der Vergangenheit die Second Ladies - haben politisch traditionell eine zurückhaltende Rolle. Sie sind eher fürs Wohlfühlprogramm zuständig: wohltätige Veranstaltungen besuchen, Hände schütteln, die Menschen nach ihrem Befinden fragen und nebenbei auf sanfte Weise für den Kurs der Regierung werben. Das tat auch Emhoff in seinem ersten Jahr. Er reiste auf diversen Trips durch das Land und besuchte viele Veranstaltungen, ohne aber - jenseits der Luftkuss-Orgie - groß Schlagzeilen zu machen.

Sohn Cole beschrieb ihn als »Chamäleon« und als jemand, der sich gut überall einfüge.

Biden stellte Emhoff kürzlich bei einem Auftritt im Weißen Haus als »Second Husband« vor, als »zweiten Ehemann«. Der Präsident schob nach: »Nein, ich mache Witze« und betonte, Emhoff sei im Übrigen auch ein »Mords-Anwalt«. Vorerst ist Emhoff das aber nicht mehr, sondern er kümmert sich auch um Profanes wie die Auswahl von Tapete oder Porzellan, um seiner Frau den Rücken frei zu halten, wie er dem »Time«-Magazin erzählte. »Ich tue Dinge, die ich sonst wahrscheinlich nicht getan hätte«, sagte Emhoff da. »Denn erstens: Das gehört zum Job. Und zweitens: Es hilft ihr.«

Emhoff und Harris sind beide 57, sie sind nahezu auf den Tag genau gleich alt. Beide haben im Oktober Geburtstag, nur eine Woche liegt dazwischen. Die beiden lernten sich erst vor einigen Jahren kennen. Eine Freundin arrangierte 2013 ein Blind Date der beiden in Kalifornien, wo sie damals lebten. Im Jahr darauf heirateten sie. Emhoff hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe - Cole und Ella. Sie nennen Harris »Momala« und ihren Vater schlicht »Doug«. Das Verhältnis zwischen Emhoff und seiner Ex-Frau, wie auch das zwischen ihr und Harris, gilt als harmonisch. Die Familie wird oft angeführt als Beispiel für funktionierendes Patchwork.

In einem Interview mit der »New York Times« schwärmten Cole und Ella kurz vor Harris‹ Vereidigung über die Beziehung zwischen ihrem Vater und ihrer Stiefmutter und über das Verhältnis der drei Elternteile. »Es ist so verrückt. Es ist, als würde die Flitterwochen-Phase nie enden«, sagte Ella zur Partnerschaft von Harris und Emhoff. Und zum Eltern-Trio: »Sie sind wirklich eine Einheit, wie eine Dreier-Elterngruppe. Es ist wirklich cool.« Harris schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift »Elle« 2019: »Wir scherzen manchmal, dass unsere moderne Familie fast ein bisschen zu gut funktioniert.«

Sein erstes Jahr hat Emhoff bisher ohne Skandale, verbale Fehltritte oder negative Schlagzeilen überstanden.

Trotz seines Wesenszugs, Überschwang nicht um jeden Preis zu mäßigen, wie an jenem Tag im Kongress, hat Emhoff sein erstes Jahr bisher ohne Skandale, verbale Fehltritte oder negative Schlagzeilen überstanden. »Anwalt zu sein ist hier praktisch«, sagte er dem »Time«-Magazin dazu. »Ich habe sehr darauf geachtet, was aus meinem Mund kommt.«

Tochter Ella sagte in jenem Interview mit der »New York Times«, ihr Vater sei einfach gut im Reden. Sohn Cole beschrieb ihn als »Chamäleon« und als jemand, der sich gut überall einfüge. »Darum mögen ihn alle«, sagte Cole mit Blick auf die neue Rolle für seinen Vater. »Ich denke, gerade Doug ist irgendwie dafür geboren.«

Österreich

Spaß und hohe Standards

Ben Glassberg ist neuer Musikchef der Wiener Volksoper, dem derzeit wohl diversesten Haus Europas

von Axel Brüggemann  17.02.2024

Trauer

Eine Mutter der Plaza de Mayo

Einen Tag vor ihrem 97. Geburtstag ist die Auschwitz-Überlebende Sara Rus in Buenos Aires gestorben

von Victoria Eglau  16.02.2024

London

Theater schließt Comedian nach antisemitischem Vorfall aus

Paul Currie soll während seiner Show jüdische Zuschauer aufgefordert haben, den Veranstaltungsort zu verlassen

 15.02.2024

Frankreich

Eine moralische Instanz

Robert Badinter schaffte die Todesstrafe ab. Nun ist der ehemalige Justizminister im Alter von 95 Jahren gestorben

von Paul Nemitz  15.02.2024

Großbritannien

Antisemitische Vorfälle auf Höchststand

Die Organisation »The Community Security Trust« spricht von einer »Explosion des Hasses«

 15.02.2024

Italien

1000 Tote und 20.000 geraubte Bücher

Eine Ausstellung in Rom erinnert an die Deportation von Juden – doch nicht an das Versagen des Vatikans

von Paul Nemitz  14.02.2024

Davos

Bergbahn vermietet keine Schlitten an Juden

In dem Schweizer Kurort werden Juden immer wieder diskriminiert

 12.02.2024

Österreich

»Frauen bewirken und wirken«

Berta Pixner und die Frauenkommission der IKG Wien machen seit 25 Jahren Jüdinnen stark

von Stefan Schocher  11.02.2024

Berlin

Wohl letzte Schülerin der Jüdischen Mädchenschule wird 100

Rachel Shapiro konnte mit ihrer Familie rechtzeitig nach Palästina entkommen

von Christine Schmitt  11.02.2024