Jerusalem

Zwei Ministerämter für Arie Deri

Schas-Vorsitzender Arie Deri Foto: Flash90

Die Regierungsbildung in Jerusalem schreitet voran. Obwohl der designierte Premierminister Benjamin Netanjahu eine Verlängerung bei Präsident Isaac Herzog beantragte, sind in den vergangenen Tagen weitere Koalitionsverträge unterzeichnet worden.

Am Donnerstagmorgen wurde bekannt, dass ein Abkommen mit der ultraorthodoxen Partei Schas zustande gekommen ist. Demzufolge erhält der Parteivorsitzende nicht ein, sondern zwei Ministerämter. Ihm wird die Kontrolle über das Innen- und das Gesundheitsministerium übertragen, heißt es in einer Erklärung des Likud.

koalitionsvertrag In der zweiten Hälfte der Amtszeit wird Deri als Finanzminister fungieren und Bezalel Smotrich von der Rechtsaußenpartei Religiöser Zionismus ersetzen. Der Koalitionsvertrag sieht zudem vor, dass Deri während der gesamten Regierungszeit als stellvertretender Ministerpräsident fungieren wird.

Es wird erwartet, dass die Koalition ein Sondergesetz verabschiedet, das die Ernennung von Deri zum Minister ermöglicht.

Netanjahu dankte Deri anschließend für seine Zustimmung zu den Bedingungen des Abkommens und sagte: »Heute Nacht haben wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Bildung einer rechten Regierung getan, die zum Nutzen und Wohlergehen aller Bürger des Staates Israel handeln wird.«

Deri ist doppelt vorbestraft. Erst am Anfang dieses Jahres gab er vor Gericht Steuervergehen zu. Es war seine zweite strafrechtliche Verurteilung. Im Rahmen eines Deals mit der Staatsanwaltschaft trat er von seinem Posten als Knessetabgeordneter zurück, er bliebt jedoch Schas-Vorsitzender während des Wahlkampfs. Es wird erwartet, dass die Koalition ein Sondergesetz verabschiedet, das die Ernennung von Deri zum Minister ermöglicht, obwohl seine Bewährungsstrafe noch läuft.

VORSITZ Einen Tag zuvor hatte Netanjahu mit der anderen streng religiösen Partei einen Deal unterzeichnet, der dem Vereinigten Tora-Judentum die Leitung über das Bau- und Wohnungsministerium sowie den begehrten Vorsitz des Knesset-Finanzausschusses verleiht. Dessen Chef Yitzhak Goldknopf wird voraussichtlich zudem das Ministerium für Jerusalem-Angelegenheiten übernehmen.

Die Tinte ist ebenfalls bereits unter dem Vertrag mit dem ultrarechten Religiösen Zionismus getrocknet. Parteivorsitzender Bezalel Smotrich wird darin der neue Finanzminister. Er kündigte in einem Interview mit dem charedischen Wochenmagazin »Mischpacha« (Familie) an, was er anders machen wolle als sein Vorgänger, der säkulare Avigdor Lieberman von Israel Beiteinu.

»Wenn wir der Tora folgen, werden wir mit finanziellem Überfluss und großem Segen belohnt.«

designierter finanzminister bezalel smotrich

»Sie haben viele verschiedene Wirtschaftssysteme ausprobiert, oder? Aber eines haben sie nicht versucht – einen ökonomischen Ansatz namens ‚Wenn Sie treu gehorchen‘ «, so Smotrich, der dann einen biblischen Vers zitierte. »Wenn wir der Tora folgen, werden wir mit finanziellem Überfluss und großem Segen belohnt.« Das werde sein wirtschaftlicher Ansatz sein.

palästinensergebiete Er wolle »das Makro und das Mikro untersuchen, auf Daten eingehen und die professionellste Sprache verwenden, die es gibt«, in allererster Linie aber sei er »religiöser Jude«. Smotrich wird entsprechend des Abkommens mit Netanjahu außerdem die Kontrolle über die von Israel verwalteten Palästinensergebiete im Westjordanland übergeben.

Es wird angenommen, dass Präsident Herzog Netanjahu eine Fristverlängerung für die Regierungsbildung gewähren wird. Sein Mandat läuft derzeit am kommenden Samstag um Mitternacht aus. Die maximale Verlängerung nach israelischem Recht beträgt 14 Tage, allerdings hat sich Herzog israelischen Medienberichten zufolge noch nicht entschieden, ob er die vollen zwei Wochen auf einmal oder zunächst eine kürzere Zeitspanne gewähren will.

Gadi Eisenkot spricht an einem Rednerpult vor einer israelischen Flagge

Israel

Eisenkot will Israel aus der Krise führen

Nach dem Auftrag zur Regierungsbildung ruft der frühere Generalstabschef zu einer Notstandsregierung auf und streckt allen Parteien die Hand aus

 08.11.2026

Kuscheltiere und Puppen auf dem Rabin-Platz, eine Puppe ist mit einem Seil gefesselt

Ariel

Kinderkrippe des Grauens

Drei Betreuerinnen wird systematische Gewalt an Babys und Kleinkindern vorgeworfen. Die Polizei spricht von einem der schwerwiegendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre

von Sabine Brandes  08.11.2026

Krieg gegen den Iran

Die Mullahs schossen Raketen – Bat Yam schickt die Rechnung

Die israelische Stadt will Schadensersatz in Millionenhöhe von Teheran. Für die Zustellung der Klage musste der Bürgermeister einen iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan verfolgen

von Sabine Brandes  08.11.2026

Israels Präsident Izchak Herzog

Nach der Parlamentswahl

Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

Dem Oppositionspolitiker Eisenkot fehlen 13 Mandate für eine eigene Regierungsmehrheit. Arabische oder ultraorthodoxe Parteien könnten ihm helfen. Doch beide Optionen bergen großes Konfliktpotenzial

 08.11.2026 Aktualisiert

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026