Diplomatie

Zwei Anrufe aus Jerusalem

Joe Biden trifft Foto: Government Press Office

In Jerusalemer Regierungskreisen dauerte es offenbar etwas länger, bis man sich mit dem Gedanken anfreundete, dass Donald Trump bald nicht mehr US-Präsident sein wird. Doch im Gegensatz zu Trumps Unwillen, das Wahlergebnis anzuerkennen, ist man in Jerusalem längst in der Realität angekommen.

DEMOKRATEN Sowohl der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu als auch Präsident Reuven Rivlin telefonierten am Dienstag mit dem angehenden US-Präsidenten Joe Biden von der Demokratischen Partei der USA.

In einer Nachricht aus Netanjahus Büro hieß es anschließend, dass der Premier Biden als »President elect«, den »gewählten Präsidenten« bezeichnete. Zuvor hatte er es noch vermieden, diese Worte zu benutzen. In einem Radiointerview kurz nach der Wahl hatte Netanjahu auf die Frage des Moderators, wer die Abstimmung in den USA gewonnen habe, geantwortet: »Warum sollte ich dazu eine Meinung haben« und sich anschließend vage gegeben. »Ich denke, jeder versteht ziemlich genau, was verstanden werden muss, und was offiziell wahrscheinlich geschehen wird.«

VERBUNDENHEIT Während des Telefongesprächs mit Netanjahu am Dienstag, so das Büro des Ministerpräsidenten, habe Biden seine »tiefe Verbundenheit zum Staat Israel und seiner Sicherheitsanliegen« zum Ausdruck gebracht. Man habe sich darauf verständigt, dass man sich bald treffen wolle. Vor der Wahl in den USA hatten sich bei Umfragen rund 70 Prozent der Israelis für Donald Trump als amerikanischen Präsidenten ausgesprochen.

»Die Vereinigten Staaten von Amerika haben keinen engeren Verbündeten als den Staat Israel.«

Präsident Reuven Rivlin

In Rivlins Telefonat mit Biden gratulierte der israelische Präsident dem ehemaligen Vize-Präsidenten von US-Präsident Barack Obama zu seinem Sieg. »Die Vereinigten Staaten von Amerika haben keinen engeren Verbündeten als den Staat Israel. Wir haben keinen Zweifel, dass unter Ihrer Führung die USA Israels Sicherheit und Erfolg verpflichtet bleiben«, führte Rivlin aus.

BAHRAIN Die Telefonate fanden lediglich einen Tag vor der anstehenden Visite des (Noch-)US-Außenministers Mike Pompeo in Israel statt. Bei seinem dreitägigen Besuch will Pompeo neben Regierungsvertretern auch mit dem Außenminister von Bahrain, Abdullatif al-Sajani, zusammenkommen, der am Mittwochmorgen bereits in Israel angekommen war.

Die historische Visite des Außenministers der Golfnation ist die erste ihrer Art für beide Länder und ein weiteres Zeichen, dass die Friedensabkommen zwischen Israel und den arabischen Staaten nicht ausschließlich auf dem Papier bestehen sollen. Die Delegation aus dem kleinen Golf-Königreich war am Mittwochmorgen mit Gulf Air aus Manama direkt nach Tel Aviv geflogen.

Jerusalem

Ben-Gvir präsentiert israelische Fahne auf dem Tempelberg

Ausschreitungen und anti-arabische Gesänge während israelischen »Flaggenmarsches« – Polizei nimmt 13 Randalierer fest

 14.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Hilfsflotte sticht von Türkei aus erneut in See

Israel wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor

 14.05.2026

Israel

Netanjahus Gesundheit vor Gericht

Der Premier erklärt sich in Verleumdungsprozess für »topfit« – doch Widersprüche bei Angaben zu seiner Krebsbehandlung werfen neue Fragen auf

von Sabine Brandes  14.05.2026

Nahost

Drei israelische Zivilisten durch Hisbollah-Sprengstoffdrohne verletzt

In der Mitteilung der israelischen Armee war die Rede von einem schweren Verstoß der Hisbollah gegen die Waffenruhe

 14.05.2026

Westjordanland

»Peace Now«: Friedensaktivist von Siedlern im Gesicht verletzt

Der Leiter von »Peace Now«, Lior Amichai, wurde nach Angaben der Organisation von gewalttätigen Siedlern geschlagen

 14.05.2026

Israel

Neue Hoffnung auf günstige Flugtickets

Nach monatelangen Flugausfällen kehren internationale Airlines zurück – Lufthansa und Wizz Air machen den Anfang

von Sabine Brandes  14.05.2026

Israel

Parlamentswahl könnte vorgezogen werden

Der Vorsitzende der Regierungskoalition, Ofir Katz, reichte einen entsprechenden Gesetzesentwurf zur Auflösung der Knesset ein

 14.05.2026

Nahost

Netanjahus Büro: Premier hat während Iran-Kriegs heimlich Emirate besucht – der Golfstaat dementiert

Laut dem Büro des Regierungschefs habe der Besuch zu »einem historischen Durchbruch in den Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten« geführt

 14.05.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026