Wirtschaft

Zugedreht

Flamme: Nach dem Anschlag auf eine Ölpipeline auf dem Sinai, Anfang 2011 Foto: getty

»Wir waren darauf vorbereitet.« Mit diesen lapidaren Worten kommentierte Israels Energieminister Uzi Landau die Entscheidung der staatlichen ägyptischen Erdgasfirma EGAS vom 22. April, den israelischen Partnern des gemeinsam betriebenen Unternehmens East Mediterranean Gas Company (EMG) den Hahn zuzudrehen.

Schließlich waren die Erdgaspipelines nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mubarak schon 14-mal Ziel von Anschlägen gewesen, sodass in den vergangenen Monaten ohnehin nur weniger als ein Drittel der vereinbarten Menge geliefert wurde. Als Begründung für den jüngsten Schritt nannte Kairo offene Rechnungen sowie die Tatsache, dass Israel für das ägyptische Erdgas Preise weit unter Weltmarktniveau bezahle.

»Ägyptens Erklärung, dass EMG mit den Zahlungen im Rückstand sei, entspricht absolut nicht den Tatsachen«, hieß es dazu bei den Eignern der Firma, zu denen unter anderem der thailändische Energiegigant PTT, der amerikanische Investor Sam Zell sowie die israelischen Unternehmen Merhav und Ampal-American Israel Corp. gehören. Und wegen der immer wieder unterbrochenen Versorgung überlege man, die ägyptische Seite auf Schadenersatz in Höhe von acht Milliarden Dollar zu verklagen, ließ EMG-Direktionsmitglied Nimrod Novik verlautbaren.

Energiemix Dennoch fielen die politischen Reaktionen in Jerusalem moderat aus. Premierminister Benjamin Netanjahu spielte den Bruch des 2005 geschlossenen Vertrages, der ursprünglich 40 Prozent des israelischen Erdgasverbrauchs sichern sollte, als einen Handelsstreit herunter. Auch Außenminister Avigdor Lieberman verzichtete auf große Worte und äußerte lediglich sein Bedauern.

EMG dagegen erklärte, dass jeder Versuch, den Disput als einen rein wirtschaftspolitischen zu charakterisieren, eine Fehleinschätzung sei, und verweist auf die Bedeutung des Erdgases im israelischen Energiemix. Zwar werden derzeit rund zwei Drittel des israelischen Stroms aus Kohle gewonnen und nur ein Drittel aus Erdgas, doch soll der Kohleanteil bis zum Jahr 2020 auf ein Viertel heruntergefahren werden. Erdgas soll dann 65 Prozent ausmachen, der Rest wird aus den lange Zeit vernachlässigten regenerativen Energiequellen stammen.

»Obwohl das Finanzministerium ausgerechnet hat, dass die ägyptische Entscheidung Israel wahrscheinlich fünf Milliarden Euro und damit 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kosten kann, glauben wir nicht, dass die Aussetzung der Gaslieferungen zu irgendwelchen gravierenden Engpässen oder Problemen führt«, lautet die Einschätzung von David Lubin.

Der Analyst der Citigroup verweist auf die in den vergangenen drei Jahren vor der Küste Israels entdeckten Erdgasvorkommen, an deren Erschließung bereits mit Hochdruck gearbeitet wird. Allein das 130 Kilometer von Haifa entfernte Gasfeld »Leviathan« soll 450 Milliarden Kubikmeter enthalten. Israel wird bald selbst Erdgasexporteur und ist dann auf ägyptische Lieferungen ohnehin nicht mehr angewiesen. Ab April 2013 soll die Produktion beginnen.

eigentor Der wirtschaftliche Verlierer des ägyptischen Vertragsbruchs wird also nicht Israel sein. »Auch wenn es stimmen sollte, dass Ägypten jahrelang Erdgas unter dem gängigen Weltmarktpreis an Israel verkauft hatte, wird die Entscheidung Kairos für das Land am Nil langfristig negative wirtschaftliche Konsequenzen haben«, so Lubin weiter. Schließlich ist Washington nicht gerade von der Entscheidung der neuen Machthaber in Kairo begeistert, und ohne die 1,3 Milliarden Dollar US-Hilfen im Jahr schwächelt die Wirtschaft Ägyptens noch stärker als ohnehin schon.

Zudem gefährdet die feindselige Haltung ebenfalls die »Qualified Industrial Zones« (QIZ). Dabei handelt es sich um 700 Produktionsanlagen, aus denen aufgrund einer israelischen Beteiligung zollfrei in die USA exportiert werden darf. Diese generieren immerhin rund eine Milliarde Dollar der ägyptischen Außenhandelsbilanz und geben rund 150.000 Ägyptern Arbeit.

Last but not least sind auch die Jordanier von dem ägyptischen Schritt wenig erfreut. 80 Prozent seiner Elektrizität gewinnt das haschemitische Königreich aus Erdgas, das aus Ägypten stammt. Und dieses wird über dieselben Pipelines transportiert, die Kairo jetzt dichtmachen ließ. Nun muss es anderswo teuer eingekauft werden. Vielleicht wechselt Amman in dieser Situation ja bald den Anbieter und kauft stattdessen in Zukunft nur noch israelisches Erdgas.

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