Israel

Zehntausende gegen Korruption

Proteste gegen Premierminister Netanjahu in Tel Aviv Foto: Flash 90

Rund 50.000 Israelis sind am Samstag nach Schabbatende in sogenannten Märschen der Schande gegen Korruption in der Regierung in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und Rosch Pina auf die Straßen gegangen. Lautstark riefen sie »Geld –Regierung – Unterwelt!«. Ziel der Proteste waren Premierminister Benjamin Netanjahu und die Justizbehörden.

Seit Monaten ermitteln die Untersuchungsbehörden in zwei Fällen gegen Netanjahu. In einen dritten Fall sind viele seiner engsten Vertrauten verwickelt. Netanjahu selbst beteuert stets seine Unschuld, doch viele Israelis glauben ihm das schon lange nicht mehr.

Anklage Besonders wütend macht große Teile der Bevölkerung ein neuer Gesetzesvorschlag, der vom Parlamentarier David Amsalem (Likud) eingebracht und in der vergangenen Woche in der ersten Lesung der Knesset bestätigt wurde. Durch das Gesetz solle der amtierende Regierungschef vor Strafverfolgung geschützt werden, indem der Polizei untersagt werde, Empfehlungen für eine Anklage an den Staatsanwalt sowie Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Einen Tag nach den Protesten gab Netanjahu bekannt, er habe Amsalem beauftragt, den Gesetzestext so zu formulieren, dass er für ihn persönlich nicht gelte. »Sieg der Ehrlichen gegen die Korrupten«, postete Zipi Livni, Vorsitzende der Partei Hatnua, daraufhin.

Verdacht Am gleichen Tag wurde bekannt, dass gegen die rechte Hand des Premiers, seinen Parteikollegen David Bitan, wegen des Verdachts der Korruption ermittelt wird. Die Vorwürfe stammen aus der Zeit, als er stellvertretender Bürgermeister von Rischon LeZion war.

Es geht um Geldwäsche, Betrug, Bestechlichkeit und Verbindungen zur Unterwelt. Insgesamt sollen 17 Personen des öffentlichen Dienstes festgenommen worden sein, mindestens sechs hätten direkten Kontakt zu Bitan.

Dov Zur, der amtierende Bürgermeister der Stadt, befindet sich derzeit ebenfalls in Untersuchungshaft. Auch gegen ihn wird aus ähnlichen Gründen ermittelt. Hinzu kommt der Vorwurf der Erpressung. Seit Jahren habe er versucht, seine illegalen Machenschaften zu vertuschen, sagte der Richter Amit Michlis. »Das Bild, das sich mir zeigt, ist sehr besorgniserregend.«

Die Demonstrationen am Samstag waren kurzfristig von Eldad Yaniv und dem einstigen Haushälter der Netanjahus, Meni Naftali, organisiert worden, um die Menschen noch vor der geplanten Abstimmung über den Gesetzesvorschlag am Montag in der Knesset zu motivieren.

Bildung

Handys weg!

In Tel Avivs Schulen müssen Mobiltelefone künftig im Schließfach bleiben

von Sabine Brandes  24.09.2026

Politische Einflussnahme

»Katargate« bringt Netanjahu und sein engstes Umfeld unter Druck

Neue, brisante Informationen zur Affäre um mutmaßliche Verbindungen zwischen Mitarbeitern des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Katar könnten weitreichende Folgen haben

 24.09.2026

Terror-Infrastruktur

Tunnelschacht und Waffen im Westjordanland entdeckt

Ermittler nahmen vier Personen fest, die sich am Fundort befanden. Sie wurden zur weiteren Befragung mitgenommen

 24.09.2026

Tel Aviv

Fall eines Grenzpostens erleichterte Hamas-Angriff auf Be’eri

Einer Untersuchung zufolge war die Einheit nicht auf einen groß angelegten Überraschungsangriff vorbereitet

 24.09.2026

Jerusalem

Wahlausschuss schließt arabische Parteien und Kandidaten von Israels Wahl aus

Im Mittelpunkt des Verfahrens stand ein Artikel des Kandidaten Abu Shehadeh. Darin bezeichnete er den Hamas-Angriff vom 7. Oktober als »ein wichtiges historisches Ereignis in militärischer, politischer und strategischer Hinsicht«

 24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

Westjordanland

Sohn von Israels US-Botschafter bei Anschlag schwer verletzt

Neria Leiter benötige »ein Wunder«, um zu überleben, erklärt sein Vater

 24.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  23.09.2026

Wohltätigkeit

Gal Gadot ganz großzügig

Die Hollywood-Schauspielerin spendet Geld vom Genesis-Preis an Organisationen für die Rehabilitation psychisch Kranker

von Sabine Brandes  23.09.2026