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Yalla, Beitar!

Echte Freunde auch im wahren Leben: Guy Amir (l.) als Nisso und Hanan Savyon (r.) als Pini Foto: Netflix

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Yalla, Beitar!

In der neuen israelischen Serie »Bros« gehen zwei Jerusalemer Fußballfans durch dick und dünn

von Ayala Goldmann  05.05.2024 15:30 Uhr

Man muss kein Fan des berüchtigten Fußballklubs Beitar Jerusalem sein, um die Serie Bros zu mögen. Die erste gänzlich hebräischsprachige und israelische Original-Produktion für Netflix greift zwei historische Begegnungen des Klubs und seiner eingeschworenen Fans mit dem polnischen Verein Wisła Krakow aus dem Jahr 2008 auf. Bros ist ein erfreuliches und harmloses Vergnügen, eine gelungene Ablenkung von den schrecklichen Nachrichten aus Nahost.

Wer spätestens seit dem iranischen Angriff auf Israel nicht mehr durchschlafen kann, wer sich in jeder Hinsicht Sorgen um die Zukunft des jüdischen Staates macht, der sollte zur Beruhigung eine Folge Bros einwerfen – und dann die nächste und die übernächste. Trotz einiger Schwächen (und leider auch einer Häufung von Klischees und Kitsch in den letzten der acht Folgen) tritt die Wirkung sofort ein.

Völlig unpolitisch

Denn die Serie ist völlig unpolitisch und spart notorische Rechtsextremisten aus, die unter den Beitar-Anhängern zu finden sind. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, der auf der Ehrentribüne regelmäßig politische Mitstreiter getroffen hat, kommt ebenfalls nicht vor. Während israelische Serien-Hits wie Fauda und Teheran vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts spielten und Shtisel in der Welt der Charedim, dreht sich Bros einfach nur um zwei Fußballfans und Trottel mittleren Alters, die spät erwachsen werden.

Bros versetzt die Zuschauer in den Sommer 2008, also in die Zeit vor den Gaza-Kriegen von 2008/2009, 2012, 2014, 2021 und dem aktuellen Waffengang. Auch in der Serie werden Raketen abgefeuert, auch hier gibt es eine schlaflose Nacht – allerdings nur für die Fußballspieler von Wisła Krakow, die in Jerusalem zu Gast sind, um am 30. Juli 2008 gegen Beitar anzutreten.

Die Beitar-Fans Pini (Hanan Savyon) und Nisso (Guy Amir) wollen um jeden Preis für einen Sieg ihres Klubs sorgen. Deshalb zielen sie mit selbst gebauten Feuerwerksgeschützen in den Himmel über dem Hotel der polnischen Fußballer in Jerusalem, um den Gästen schon im Vorfeld der sportlichen Begegnung Angst einzujagen. Doch als die vierte und letzte Rakete nicht startet, will Pini etwas nachhelfen. Leider lenkt er das Geschoss (in der großartigen ersten Folge) direkt auf Nissos Auto.

Was täten sie nicht für Beitar? Die Serie arbeitet schon im Vorspann mit Rückblicken. Pini und Nisso haben sich bereits als Kinder ohne Ticket zu den Spielen von Beitar geschlichen und die Spiele von einem Baum aus beobachtet. Seitdem halten sie dem Verein die Treue. Im Original heißt die Serie Ba’esh Uvamayim (»Durch Feuer und Wasser«), was sich auf »Beitar Jeruschalajim« reimt. Genauso eng ist auch die Freundschaft von Pini und Nisso, die in Bros allerdings auf die Probe gestellt wird.

Die beiden Barbesitzer sind Trottel mittleren Alters, die spät erwachsen werden.

Seit zehn Jahren betreiben die beiden Filmhelden auf dem Jerusalemer Markt Mahane Yehuda die Bar »Piniones«, in der Kebab und viel Bier serviert werden. Nun müssen sie ihr Revier gegen den aalglatten Konkurrenten von der schicken neuen Bar nebenan verteidigen. Außerdem läuft auch noch der Mietvertrag aus, die Zukunft des Traditionslokals ist ungewiss.

Rundum authentisch

Die Darsteller Savyon (48) und Amir (46) wirken rundum authentisch. Wohl auch deshalb, weil sie im echten Leben seit Jahrzehnten Freunde sind. Beide haben bei diversen Filmprojekten – wie Maktub (2017) und Forgiveness (2019) – zusammengearbeitet und, nicht minder wichtig, gemeinsam einen Pub in Givatajim betrieben. Am Zapfhahn – oder wenn Pini direkt daraus trinkt und Nisso sich nicht daran stört – sind sie also ein perfekt aufeinander eingespieltes Team.

Einfache Leute aus Jerusalem mit Herz: So werden die Helden gezeichnet, mit viel Lokalkolorit aus dem noch nicht völlig gentrifizierten Viertel Nachlaot. »Es ist nicht einfach, einfach zu sein«, sagt Nissos Freundin Rotem einmal über das Motto der »Piniones«. Die Partnerinnen der beiden Bar-Betreiber haben es definitiv nicht leicht. Pini und Nisso trinken und kiffen maßlos, was vor allem Pinis Freundin Alma (Efrat Boimold) stört, denn sie will schwanger werden. Doch Cannabis und Alkohol, warnt der zu Rat gezogene Reproduktionsmediziner, seien schlecht für das Spermiogramm – vor allem in Kombination.

Ob Pini trotzdem Vater wird? Was bedeutet der Schatten auf Nissos Röntgenbild? Und wie wird die Begegnung der beiden Fußballklubs am 6. August 2008 in Krakau verlaufen? Das bekannte miserable Ergebnis (5:0) für die Jerusalemer (mit Originalaufnahmen vom Spiel Wisła Krakow gegen Beitar) steht dabei im Hintergrund, denn Pini und Nisso haben reichlich eigene Dramen zu bewältigen.

Gelungen, wenn auch Israel-insidermäßig, sind die Anspielungen auf die immer noch schwelenden Konflikte zwischen Sefarden und Aschkenasen, und sei es um das bessere Essen am Freitagabend. Wie sich Pini und Nisso in Krakau mit jüdischer Geschichte konfrontieren (»Hier sieht es aus wie in Schindlers Liste, man müsste nur alles in Schwarz-Weiß anmalen«), ist oft (aber nicht immer) komisch. Etwa wenn die beiden Trottel auf dem Markplatz von Krakau schreien: »Yalla, Beitar!« Vielleicht aber wäre es eine gute Idee gewesen, die Serie etwas zu kürzen – denn reichlich überzeichnete Neonazis und Kriminelle nehmen zu viel Raum ein.

Ursprünglich sollte Bros im November 2023 anlaufen. Der Starttermin wurde nach dem Massaker vom 7. Oktober verschoben, bei dem auch Lior Waitzman, Sound-Designer bei Netflix, in Sderot ermordet wurde. Vielleicht, schreibt die »Times of Israel«, sei jetzt »der ideale Zeitpunkt zu zeigen, dass Israelis genauso sind wie alle anderen Menschen«. Man kann nur hoffen, dass die Botschaft ankommt. Bros startete in zahlreichen Ländern, doch auf Platz eins der Top Ten von Netflix landete die Serie nur in Israel, im Libanon auf Platz 2 – jedenfalls für einen Tag. Unter die Top Ten kam Bros auch in Zypern, Argentinien und Uruguay.

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