Interview

»Wir sind heute viel selbstbewusster«

Jonathan Ben-Shlomo Foto: privat

Herr Ben-Shlomo, Sie halten den deutschen Rekord für Medaillen bei der Maccabiah. Sie sagten einmal, es seien zwischen 25 und 30, so genau wüssten Sie das gar nicht. Haben Sie inzwischen mal nachgezählt? Und sind dieses Mal neue Medaillen hinzugekommen?
Gezählt habe ich sie nicht. Aber ich habe fünf Medaillen geholt dieses Jahr. Eine silberne und vier Mal Bronze.

In diesem Jahr haben Sie bei ihrer sechsten Maccabiah-Teilnahme die deutsche Fahne getragen. Bei ihrer ersten 1997 waren sie 16 Jahre alt. 2009 holten mit der internationalen Mixed Staffel eine Medaille. Im selben Jahr schwammen Sie mit dem schnellsten Mann der Welt und mehrfachen Olympiasieger Jason Lezak aus den USA. 2013 waren Sie in der ersten deutschen Schwimmstaffel und in einer Doppelfunktion als Trainer und Athlet am Start. Wie hat sich die Maccabiah im sportlichen Bereich seit damals verändert?
Sie ist von der Qualität besser und von der Quantität auf jeden Fall größer geworden. 1997 waren wir gerade 4000 bis 5000 Teilnehmer, heute sind wir 11.000 Teilnehmer. Auch die deutsche Delegation ist deutlich größer geworden. Wir waren damals mit circa 100 Athleten am Start, jetzt sind wir mit 230 Athleten vertreten.

Sie sind nicht nur Makkabi-Sportler, sondern auch Makkabi-Funktionär. Was bedeuten Ihnen diese Spiele?
Für mich ist es eine große Ehre, 25 Jahre nach meiner ersten Maccabiah als Fahnenträger zurück nach Israel zu kommen. Als ich damals als Jugendlicher dabei war, gab es keine Trainer – ich habe mich selbst gecoacht. Bei den ersten beiden Spielen war ich jeweils der einzige Schwimmer, ohne Trainer. Ich habe damals, 2010, die Schwimmmannschaft aufgebaut. Inzwischen haben wir Strukturen – und zumindest einen Coach dabei. Insgesamt haben wir professionellere Strukturen entwickelt. Als ich 2013 gewählt wurde, hatten wir eine Halbtageskraft, heute haben wir zehn Vollzeitstellen bei Makkabi Deutschland. Wir haben uns auch, was die Mitarbeiter angeht, professionalisiert. Wir sind wie ein Start-up-Unternehmen sehr stark gewachsen in den letzten zehn Jahren – auch und gerade im Verband.

Der Wettbewerb ist inzwischen nach der Olympiade und den Paralympics das drittgrößte Sportevent der Welt. US-Präsident Joe Biden besuchte die Spiele bei seinem Staatsbesuch in Israel. Jetzt ist die Maccabiah zu Ende gegangen. Wenn Sie Bilanz ziehen: Welchen Stellenwert hat das Event heute im Vergleich zu 1997, und was hat sich verändert?
1997 und auch 2001 wurde noch stark Werbung für die Alija gemacht, das war das Ziel der Israelis. Sie haben damals versucht, alle Teilnehmer dazu zu bewegen, nach Israel zu kommen. Das ist ein Punkt, der sich verändert hat. Damals lief die deutsche Delegation auch nicht in Schwarz-Rot-Gold ins Stadion ein – das war noch die Generation, die sich schwertat unter deutscher Fahne als deutsche Juden in Israel ins Stadion einzumarschieren. Da hat sich viel verändert.

Inwiefern?
Wir haben ein neues Logo seit fünf Jahren, dieses offene Wappen mit Schwarz-Rot-Gold. Wir gehen heute viel selbstbewusster als deutsche Juden nach Israel und vertreten, so wie es die Brasilianer oder die Australier schon 1997 taten, unser Land.

Die Zahl der Teilnehmer wächst stetig, auch die der deutschen Athleten. Wie wird es weitergehen und was sollte sich vielleicht ändern?
Was Jüdischkeit vermitteln angeht, sind wir sehr gut. Wir haben unsere Strukturen sehr gut aufgebaut. Im Spitzensportbereich können wir uns noch weiter professionalisieren, noch besser werden. Gerade was das Akquirieren von Spitzenathleten angeht und den Aufbau von professionellen Sportstrukturen können wir uns noch weiterverbessern in den nächsten Jahren.

Sie waren ELES-Stipendiat, haben Volkswirtschaft und Sport studiert, promoviert und sind auch Trainer. Dennoch ist Sport für Sie eher Hobby. Werden Sie an der nächsten Maccabiah teilnehmen?
Momentan ist davon auszugehen. Ich bin ja im Präsidium und als Athlet weiter dabei, als Masterschwimmer. Und es macht mir auch Spaß zu sehen, wie die Jugendlichen zum ersten Mal nach Israel kommen, es ist schön, diese Jugendlichen zu betreuen und ihnen dieses Gefühl weiterzugeben.

Mit dem Makkabi-Sportler und Makkabi-Funktionär sprach Helmut Kuhn.

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