Corona-Pandemie

»Wir alle warten auf die Öffnung«

Pini Shani, stellvertretender Generaldirektor im israelischen Tourismusministerium Foto: PR

Corona-Pandemie

»Wir alle warten auf die Öffnung«

Pini Shani über die Frage, wann Israels Grenzen für ausländische Touristen wieder geöffnet werden

 28.08.2020 11:15 Uhr

Herr Shani, gibt es ein offizielles Datum, wann Israels Grenzen für ausländische Touristen wieder geöffnet werden?
Im Moment noch nicht. Offiziell sind die Grenzen für Ausländer, mit einigen Ausnahmen, bis zum 1. Oktober vollständig geschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass sie am 2. Oktober dann wieder geöffnet sind. Es könnte theoretisch sogar vorher geschehen. Wir schauen uns die Zahlen der Neuinfektionen und Kranken ständig an und beraten wöchentlich. Im Moment sieht es aber nicht so aus, als ob die Zahlen bis zu diesem Datum stark nach unten gehen werden. Man müsste schon sehr optimistisch sein, um das anzunehmen.

Auch wenn es noch keinen Stichtag gibt. Wie sehen die Prognosen im Tourismusministerium aus: Darf man Israel schon nach den Hohen Feiertagen Mitte Oktober oder eher erst in 2021 wieder bereisen?
Es hängt ganz und gar von den Zahlen ab. Für den Tourismus gilt, wie für andere Bereiche auch, die Zahl von 400 Neuinfektionen pro Tag. Wenn wir darunter liegen, können wir die Grenzen öffnen. Ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir diese Zahl erreicht haben, von allen Seiten den Willen und auch den Druck sehen, die Grenzen wieder aufzumachen. Die Tourismusindustrie, die akademische Welt – wir alle warten auf die Öffnung. Ich bin mir sicher, dass es noch vor 2021 geschehen wird.

Wie wird die Rückkehr zum Tourismus in Coronazeiten voraussichtlich aussehen? Mit negativem Coronatest aus allen Ländern? Ohne Coronatest und ohne Quarantäne aus »grünen Ländern«?
Wir gehen von dem Konzept aus, dass Israelis und auch Ausländer, die aus »grünen Ländern« anreisen, weder einen Test noch Quarantäne benötigen. Bei der Ankunft aus einem »roten Land« muss jeder für 14 Tage in die Selbstisolierung. Es war von Anfang an die Politik des Gesundheitsministeriums, dass ein negativer Coronatest die Quarantäne nicht ersetzt. Und das ist sie noch immer.

Sollen auch ausländische Touristen aus »roten Ländern« zugelassen werden?
Das wird wohl die Richtung sein. Aber die Einreise aus den »roten Ländern« ist tatsächlich eine Herausforderung und wird noch debattiert. Ich nehme an, dass es durch die Tatsache, dass die USA derzeit noch »rot« sind, Druck gibt, der zu einem Kompromiss führen wird.

Wird es ausländischen Touristen erlaubt sein, sich völlig frei im Land zu bewegen oder sind Einschränkungen vorgesehen?
Wir haben vor, freies Reisen zu ermöglichen. Es soll keinen Unterschied für Touristen aus »grünen Ländern« und Israelis geben. Bis auf die Restriktionen, die wegen der Corona-Pandemie natürlich für alle gelten. Wir arbeiten derzeit an einem Modell für Gruppen, um Vorsicht walten zu lassen. Dabei wird aber in jedem Fall die Privatsphäre der Menschen gewahrt.

Gibt es Pläne, dass die Zahl ausländischer Touristen, die einreisen dürfen, beschränkt wird oder soll das Motto »offene Grenzen für alle« sein?
Wie wir in anderen Ländern sehen, läuft der Tourismus ja nur recht langsam wieder an. Als Tourismusministerium haben wir vor, keine Begrenzung aufzuerlegen, und ich hoffe, das ist die Richtung aller Beteiligter.

Der Corona-Beauftragte Ronni Gamzu sagte vor einigen Tagen, dass es im Ben-Gurion-Flughafen eine Einrichtung für Coronatests geben wird und dafür bereits eine Ausschreibung veröffentlicht wurde. Gibt es Neues dazu?
Ja, in der Tat gibt es die Ausschreibung. Ich weiß, dass die Flughafenbehörde sehr daran interessiert ist, die Teststation zu betreiben, und das Projekt vorantreibt.

Sind die touristischen Einrichtungen wie der Flughafen, Hotels oder Museen in Israel schon bald bereit, wieder große Zahlen von Touristen aufzunehmen?
Die meisten sind bereits geöffnet. Für die Hotels hatten wir schon kurz nach Schawuot die Hygiene-Richtlinien »Purple Standard« eingerichtet. Die Häuser in Eilat zum Beispiel sind derzeit schon wieder fast ausgebucht. Also ja, unser Land ist auf jeden Fall bereit, wieder ausländische Besucher aufzunehmen.

Was hoffen Sie persönlich für die Tourismusbranche?
Natürlich hoffe ich auf die baldige Genesung der Branche. Ich wünsche mir, dass beides geschieht: dass Israelis wieder ins Ausland reisen können und ausländische Gäste zu uns kommen. Damit die Geschäfte wieder laufen und die Industrie von allein gesunden kann.

Die Fragen an den stellvertretenden Generaldirektor im israelischen Tourismusministerium stellte Sabine Brandes.

Verhandlungen

Eltern der letzten Geisel fordern Ultimatum an Hamas

Die Angehörigen fürchten, dass Ran Gvili, der getötete israelische Polizist, in Phase zwei »in Gaza zurückgelassen« wird

von Sabine Brandes  18.01.2026

Trauer

»Verzeih, dass ich dich in eine grausame Welt brachte«

Kfir Bibas, das rothaarige Baby, das von palästinensischen Terroristen entführt und in Gaza ermordet wurde, wäre am Sonntag drei Jahre alt geworden

von Sabine Brandes  18.01.2026

Geiseln

»Die Liebe hat gesiegt«

Die Israelis wählen »Habaita« zum Wort des Jahres. Es enthält ein Versprechen: zurück »nach Hause«. Dort geht für die Entführten das Leben weiter. Zwei Paare, die der Terror trennte, haben sich nun verlobt

von Sabine Brandes  18.01.2026

Nahost

Israel verärgert wegen personeller Besetzung von Gaza-Gremium

Ranghoher US-Beamter reagiert auf Kritik Netanjahus: »Das ist unsere Show, nicht seine Show.«

 18.01.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Rachel Goldberg-Polin veröffentlicht Memoiren

Die Mutter der getöteten Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin: »Ich setzte mich hin, um meinen Schmerz aufzuschreiben, und heraus strömten Verlust, Leid, Liebe, Trauer, Hingabe, Kummer, Verehrung und Zerrissenheit«

 16.01.2026

Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommen

Netanjahu bezeichnet Phase 2 als »symbolisch«

Die USA starten den nächsten Schritt in Gaza, obwohl die Hamas die Waffen nicht niedergelegt und die letzte Geisel noch nicht überführt hat

von Sabine Brandes  15.01.2026

Iran

Israelische Experten rechnen mit Fortsetzung der Proteste

Das Mullah-Regime kann die Demonstrationen mit brutaler Gewalt bekämpfen, sei aber außerstande, die tiefergehenden Ursachen der Proteste zu beheben

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Naturgewalt

Erdbeben der Stärke 4,2 in Israel

Erstmals wurde das Warnsystem großflächig ausgelöst. Die Erschütterungen waren bis ins Zentrum spürbar

von Sabine Brandes  15.01.2026