ESC

Willkommen in Tel Aviv!

Das deutsche Pop-Duo Sisters bei einer Probe im Vorfeld des ESC Foto: dpa

Seit mittags wummern die Bässe in voller Lautstärke am Strand von Tel Aviv. Noch wird auf den verschiedenen Bühnen nur geprobt, doch am späten Abend geht die Party richtig los. Dann beginnt in der Metropole am Mittelmeer der Eurovision Song Contest, zu dem Tausende von Besuchern aus dem Ausland erwartet werden.

Am Abend wird auf dem Habima-Platz am nördlichen Ende des Rothschild-Boulevards der orangefarbene Teppich ausgerollt, auf dem sich die Teilnehmer der 41 Nationen zum ersten Mal komplett der Öffentlichkeit vorstellen. Natürlich in den für den ESC so berühmten schrillen Kostümen und überdrehten Posen. Die S!sters aus Deutschland werden als vorletzte über den Teppich schreiten, gefolgt vom Israeli Kobi Marimi, der mit seiner Ballade »Home« Punkte sammeln will.

Die S!sters aus Deutschland werden heute Abend als vorletzte über den Teppich schreiten.

LÄCHELN Schon seit Tagen sind die Städter in ESC-Stimmung und haben sich bestens vorbereitet. Bademeistern, Taxifahrern, Kioskbesitzern und Marktverkäufern wurde von sogenannten Benimm-Lehrern der Stadtverwaltung schon vor einigen Wochen eingeschärft, die Gäste stets freundlich zu behandeln und bloß nicht in politische Diskussionen zu verwickeln. »Lächeln, lächeln, lächeln«», lautet das Motto. Überall prangen Willkommens-Schilder für die Eurovisions-Gäste: an Litfaßsäulen, Bushaltestellen, den Buchhandlungen der Kette Steimatzky, vielen Restaurants und Cafés.

Viele von denen haben sich für den erwarteten Ansturm bereit gemacht, ihre Speisekarten ins Englische übersetzt und sichergestellt, dass die Bedienungen, die in der Woche arbeiten, auch Englisch sprechen. Wie Amit Sose, die im Sushi-Restaurant Sky kellnert. «Wir begrüßen jeden Gast zweisprachig, auf Hebräisch und Englisch, und sollen gern ein Pläuschchen halten und Tipps zu Tel Aviv geben.»

Benimm-Lehrer schärfen den Israelis schon seit Wochen ein, die Gäste stets freundlich zu behandeln.

Auch Zion Kochavi, dessen Kiosk an der Elchanan-Straße in der Nähe des Shuttlebusses für den ESC steht, hat seine Bude herausgeputzt. Vor dem Eingang steht ein Ständer mit den Worten: «WELCOME TO TEL AVIV» und das Motto des Wettbewerbs, «Dare to Dream». Er habe alles vorher geputzt und extra Lieferungen an Sonnenmilch und Flip-Flops bestellt, erzählt er stolz. Ab Montag dann steht sein Neffe Jonathan mit hinter der Kasse. «Der spricht Englisch. Wir müssen uns jetzt von unserer besten Seite zeigen.»

E-ROLLER Vor allem die Strandgegend und die Viertel im Süden der Stadt, Neve Zedek, Keren Hateimanim und Florentin, sind mit Touristen überfüllt, von denen viele die warmen Nahost-Temperaturen den ganzen Tag über in wenig mehr als Badekleidung genießen. Gern mieten sie sich einen der Elektroroller, die überall in der Stadt herumstehen und per App zu mieten sind. Ein nicht immer sicheres Unterfangen, denn die wenigsten von ihnen haben einen Helm im Reisegepäck oder sind E-Scooter-geprobt.

«Aber in diesen Tagen zählt vor allem der Spaß», meint eine blonde Frau in Flatterkleid, die mit einem schwarz-grünen Gefährt über die Promenade am Wasser düst. Suzie Farland ist aus Großbritannien angereist, «nicht extra für den ESC, aber wenn der hier schon mal stattfindet, dann nehmen wir denn natürlich mit». Feiern wollen sie und ihre Freundin vor allem im Eurovision-Dorf im Charles-Chlore-Park.

«Wir müssen uns jetzt von unserer besten Seite zeigen», sagt der Verkäufer.

Für die Stadtverwaltung Tel Aviv haben die beiden nur Lob übrig: «Ich habe selten so eine fantastische Organisation und so eine Offenheit erlebt. Alle wollen einem helfen und Dinge erklären. Und wo sonst findet man überall freies Internet und sogar Steckdosen zum Aufladen an Parkbänken.»

MADONNA Am Donnerstag findet neben dem ESC gleichzeitig die Laila Lawan, die Weiße Nacht, in Tel Aviv statt. Das größte kulturelle Event des Jahres ist mittlerweile eine Institution in der Stadt, bei der erst recht die Nacht zum Tage gemacht wird. Mit bis zum Morgengrauen geöffneten Museen und Kunstgalerien, Multimedia-Shows, einer Kopfhörer-Party auf dem Rabin-Platz und Feiern in der ganzen Stadt.

Die Events im Dorf – übrigens allesamt kostenlos – sind eine Mischung aus Partys mit Szene-bekannten DJs, Konzerten von israelischen Top-Künstlern und den Ausstrahlungen der beiden Halbfinale. Zum Abschluss des Finales am Samstagabend gibt es dann noch ein Highlight: Netta Barzilai und die Queen of Pop, Madonna, die in Tel Aviv live dabei sind.

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