Innovation

Wasser im Tank

Eine Tankfüllung reicht für 350 Kilometer – genug für die meisten israelischen Strecken. Foto: screenshot Phinergy

Ein Auto, das nur mit Luft und Wasser angetrieben wird und das in Tel Aviv schon monatelang durch die Straßen fährt – und niemand nimmt davon Notiz? Hört sich unglaublich an, ist aber wahr. Bis auf eine deutsche Zeitung, die vor zwei Jahren einen längeren Bericht über dieses Fahrzeug abdruckte, scheint diese Neuigkeit die Medien kaum zu interessieren. Oder steckt ein anderer Grund dahinter? »Es ist wahr, wir haben lange Zeit unter dem Radar gearbeitet«, gibt Aviv Tzidon, CEO und Gründer von Phinergy, zu. Auf der einfach gehaltenen Website der Firma (www.phinergy.com) sucht man eine Adresse oder Telefonnummer denn auch vergebens.

Von 2008 bis 2012 dauerte die Entwicklungsphase der neuen, sagenhaften Batterie, die sich bei Betankung mit H2O immer wieder selbst auflädt. Im vergangenen Jahr baute man die Superbatterie dann in einen Kleinwagen ein, der auf der Website der Firma in einem YouTube‐Video zu sehen ist. »In Tel Aviv erregte der Wagen schon einiges Aufsehen, die Leute fragten an der Ampel, wo man das Auto kaufen könnte«, erzählt Tzidon. Eine Betankung mit Wasser reicht bei diesem Wagen für 350 Kilometer, danach muss einfach wieder nur Wasser für die nächsten 350 Kilometer nachgefüllt werden. Das Auto geht jetzt auf Tournee: zuletzt in Quebec zu Promotionszwecken bei der International Aluminium Conference.

Kooperation Auch deutsche Autobauer sind natürlich hellhörig geworden. Im Rahmen der israelischen Fuel Choices Initiative, einem Förderprogramm für alternative Treibstoffe, haben Vertreter von Phinergy namhafte Autobauer in Baden‐Württemberg besucht. Außerdem wurde ein Abkommen mit dem deutschen Verkehrsministerium unterzeichnet, um in Sachen E‐Mobilität und nachhaltiger Mobilität zu kooperieren. Was die Phinergy‐Vertreter mit den Autobossen aushandelten, bleibt allerdings erst einmal geheim. Bei Mercedes Benz gibt man sich vage: »Im Rahmen unseres Technologie‐Monitoring beobachten wir alle seriösen Konzeptideen und Entwicklungen der Batterietechnik. Dazu gehören auch Metall‐Luft‐Batterien, wie die der Firma Phinergy«, sagt Arnold Lamm, Leiter Charakterisierung Hochvolt‐Batteriesysteme bei Daimler, zu diesem Thema.

»Wir glauben, dass unsere Batterie zwischen 2018 und 2020 serienreif sein wird«, behauptet Aviv Tzidon. Seine Firma in Tel Aviv, die zur Zeit rund 35 Mitarbeiter beschäftigt, hat einen wohldurchdachten Plan für die Zukunft. Die Batterie zieht ihre Energie aus dem Kontakt von Wasser mit Aluminium. Genauer gesagt, handelt es sich um eine Aluminium‐Luft‐Batterie, deren Anode aus Aluminium besteht. Während konventionelle Batterien Sauerstoff enthalten, »atmen« die Batterien von Phinergy Sauerstoff aus der Umgebung, um die Energie, die im Metall enthalten ist, freizusetzen. Diese neuartige Batterie verfügt über eine etwa dreimal so lange Kapazität wie die von derzeitigen Elektroautos. Theoretisch können diese Batterien in Zukunft in allen Bereichen, von der Verbraucherelektronik über Industrieproduktion bis zum Transport, eingesetzt werden.

Aluminium Wenn die Phinergy‐Batterie Energie produziert, geht das enthaltene Aluminium in Lösung. Nach einer gewissen Zeit ist das Wasser dann verbraucht, der Elektrolyt ist mit Aluminium‐Ionen gesättigt und muss ausgetauscht werden. Dazu könnte man, so Phinergys Plan, in Zukunft das Tankstellennetz umfunktionieren. Neues Wasser in den Tank, altes Wasser heraus – und dieses werde dann recycelt, um wieder neues Aluminium zu gewinnen. Das Ganze geht CO2‐frei vonstatten und hinterlässt keinen ökologischen Fußabdruck.

Dieses Spiel geht natürlich nicht ewig – etwa einmal im Jahr muss die Aluminium‐Elektrode der Batterie ausgetauscht werden. »Diesen Austausch könnte man zum Beispiel bei der jährlichen Inspektion machen«, so Tzidons Plan. Die genauen Kosten kann Phinergy dafür im Moment noch nicht beziffern. »Die Zielvorgaben für Lithium‐Ionen‐Batterien für das Jahr 2020 liegen bei 200 Dollar pro Kilowattstunde, wir liegen im Moment im R&D-Level (Research and Development) bei rund der Hälfte«, erläutert Judith Yavniely, Mitarbeiterin des Business Development Teams bei Phinergy.

Bei der geplanten Massenproduktion der Alu‐Batterie solle dieser Preis jedoch noch stark sinken, sodass die Alu‐Batterie attraktiv für Autokäufer sein wird, die einen Range Extender für ihr Elektroauto suchen. Man könnte meinen, Tankstellenpächter würden es wegen mangelnder Gewinnspanne ablehnen, »nur« Wasser zu verkaufen. Doch auch hier hat Tzidon vorgedacht. »Tankstellen machen auch heute nur einen Bruchteil ihres Gewinns mit dem Verkauf von Benzin oder Diesel. Der Hauptumsatz wird aus dem Verkauf von Waren und Getränken generiert«, sagt er. Dies werde sich beim »Verkauf« und der Rücknahme des Wassers nicht wesentlich ändern.

Langstrecken Die normale Lithium‐Batterie will Phinergy übrigens nicht aus dem Markt drängen. Weil bei einem durchschnittlichen Autonutzer rund 90 Prozent der zurückgelegten Strecken auf den Kurzstreckenverkehr entfallen, würden hier normale Lithium‐Batterien völlig ausreichen. Für eine Reichweite von unter 200 Kilometern haben sich diese Batterien in den gängigen Elektroautos bereits bewährt.

Die Aluminium‐Luft‐Batterie könnte in Zukunft als Erweiterung (Range Extender) in Autos eingebaut werden, um mit 50 Kilogramm Aluminium Strecken bis zu 1800 Kilometern ohne einen einzigen Stopp für die Aufladung zu ermöglichen. Die höchste Reichweite bei derzeitigen Elektroautos liegt bei rund 480 Kilometern. »Wenn man sich ein Auto kauft, will man Freiheit«, so Tzidon. »Und wenn ein Auto nur eine begrenzte Reichweite hat und man eine Infrastruktur benötigt, um Batterien aufzuladen, verliert man diese Freiheit.«

Die Tatsache, dass US‐Präsident Barack Obama sich vor zwei Jahren persönlich über die Batterie informierte, zeigt, dass die Erfindung Aufsehen erregt. Weil eine kleine Firma wie Phinergy hier nur die Kernzelle sein kann, holte man sich einen mächtigen Partner ins Boot: Mit Alcoa, dem größten Aluminiumhersteller der Welt, ist man vor einigen Monaten eine strategische Partnerschaft eingegangen.

Alcoa wird übrigens vom ehemaligen Siemens‐Chef Klaus Kleinfeld geleitet. »Autobauer sind auf der Suche nach Technologien, die es Null‐Emission‐Autos ermöglichen, die gleichen Distanzen zurückzulegen, wie es benzingetriebene Autos tun. Der Alu‐Range‐Extender hat das Potenzial, dieses Bedürfnis zu erfüllen«, ist Raymond Kilmer, Alcoas Vizepräsident für Technologie, sicher.

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