Israel

»Was hier passiert, ist verrückt«

Finanzminister Yisrael Katz bei einer Pressekonferenz Foto: Flash90

Die Personalkrise im Finanzministerium in Jerusalem geht weiter. Am Sonntag gab die Generaldirektorin Keren Terner Eyal ihren Rücktritt bekannt. Sie ist damit die dritte hochrangige Offizielle, die das Ministerium inmitten der Corona-Krise verlässt. Sie könne so nicht weiterarbeiten, »was hier passiert, ist verrückt«, wird sie von Vertrauten zitiert.

ARBEITSLOSIGKEIT Terner Eyal hatte sich mehrfach öffentlich dafür ausgesprochen, die Wirtschaft besser zu schützen, während man versuche, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit nahezu einer Million Jobsuchenden bei nahezu 25 Prozent.

Kanal 13 berichtete, die Finanzexpertin sei sicher, Entscheidungen im Ministerium werden aus politischen Gründen getroffen. Minister Yisrael Katz jedoch unterbinde jegliche Diskussion. So gebe es keinen professionellen Austausch. Terner Eyal hatte ihre Position lediglich fünf Monate inne. Auch die Weigerung des Ministeriums, einen Haushalt vorzubereiten, wird von ihr als »unverzeihbar« bezeichnet.

»Das Finanzministerium wird vom Büro des Ministerpräsidenten annektiert.«

Wirtschaftsexperte Manuel Trajtenberg

Vor einigen Wochen waren bereits der General-Buchhalter im Ministerium, Roni Hezkiyahu, und der Leiter der Budgetabteilung, Schaul Meridor, gegangen. Auch sie warfen Katz vor, die Meinung der Experten zu ignorieren. Der Wirtschaftsexperte und einstige Knessetabgeordnete für die Arbeitspartei, Manuel Trajtenberg, äußerte sich zu den Vorkommnissen in einem Radiointerview. Er meint, das Finanzministerium falle durch die Rücktritte auseinander. »Es wird vom Büro des Ministerpräsidenten annektiert.«

Die regierenden Koalitionsparteien Likud und Blau-Weiß streiten seit Monaten darüber, ob ein Budget lediglich für die verbleibenden Monate dieses Jahres oder bis zum Ende 2021 verabschiedet werden soll. Die Zentrumspartei von Verteidigungsminister Benny Gantz, Blau-Weiß, beharrt darauf, dass der Haushalt auch das kommende Jahr abdecken müsse, wie im Koalitionsvertrag beschlossen.

MISSTRAUEN Sollte sich die Regierung nicht bis zum Jahresende diesbezüglich einigen, wird es automatisch Neuwahlen in Israel geben. Regierungskritiker munkeln, genau dies könnte der Plan von Premier Benjamin Netanjahu sein, dessen Koalition wenig partnerschaftlich funktioniert. Stattdessen ist sie von einem tiefen Misstrauen geprägt.

Kurz nach dem jüngsten Rücktritt ordnete Katz angeblich an, einen Haushaltsplan für 2021 vorzubereiten, über den dann im Dezember in der Knesset abgestimmt werden soll. Blau-Weiß verlangt jedoch, dass er zusammen mit dem Haushalt für das laufende Jahr veröffentlicht werden müsse. Seit 2019 gibt es in Israel keinen offiziellen Etat mehr. Viele Bereiche, vor allem bei der Gesundheit und Bildung, klagen über extremen Geldmangel.

Luftfahrt

Austrian Airlines und WizzAir streichen Israel-Flüge

Aufgrund der jüngsten Raketenangriffe machen sich Fluggesellschaften erneut Sorgen. Welche Pläne hat die Lufthansa Group?

von Imanuel Marcus  08.06.2026

Krieg gegen den Iran

Zwischen OP-Saal und Parkgarage

Aus Schutz vor den Angriffen aus dem Iran werden Patienten und Personal in unterirdische Bereiche verlegt. Die psychische Belastung wächst besonders bei Kindern

von Sabine Brandes  08.06.2026

Studie

Iranische Schattenwelt im israelischen Ferienparadies

Wie das Regime in Teheran in Georgien ein Netzwerk aus Ideologie, Geld und Einfluss aufgebaut haben soll

von Sabine Brandes  08.06.2026

Nahost

Iranische Rakete beschädigt Häuser im Westjordanland, Sirenenalarm in ganz Israel

Die Lage am Montag im Überblick

 08.06.2026 Aktualisiert

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Westjordanland

Nach Ausschreitungen in Huwara: Zwei Verdächtige festgenommen

Die Ermittler gehen davon aus, dass Dutzende Siedler an den Vorfällen beteiligt waren. Zuvor hatte es Berichte über Vieh gegeben, das Siedlern gestohlen wurde

 08.06.2026

Ankara/Jerusalem

Türkischer Innenminister fordert »Befreiung« Jerusalems

Mustafa Çiftçi will eine Rückkehr der Stadt unter türkische Kontrolle. Die Reaktion des israelischen Verteidigungsministers Katz: »Jerusalem ist nicht Konstantinopel, und der Staat Israel ist kein zerfallenes Kreuzfahrerreich.«

 08.06.2026

Nahost

Reaktion auf Hisbollah-Angriff: Israel nimmt Hauptquartier der Terroristen ins Visier

Die israelische Armee erklärt, sie habe auch Abschussvorrichtungen für Raketen zerstört

 08.06.2026

Nahost

Israel reagiert mit Angriffen auf iranische Raketenattacken

Ist die Waffenruhe endgültig vom Tisch? Der Überblick am Morgen

 08.06.2026