Nahost

Zieht jetzt Saudi-Arabien nach?

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben in einem historischen Schritt Frieden mit Israel geschlossen. Foto: imago images/MediaPunch

Saudi-Arabien hat seine offizielle Position im Nahost-Konflikt immer wieder klargemacht: Volle Beziehungen zwischen dem Königreich – der mächtigsten arabischen Nation – und Israel kann es nur geben, wenn eine Friedensvereinbarung mit den Palästinensern zustande gekommen ist. Aber es gibt Hinweise darauf, dass ein Wandel im Verhältnis zu Israel bereits im Gange ist, wenn auch sehr vorsichtig.

VAE Besonders augenfällig war die saudische Reaktion, als das Weiße Haus im August die Vereinbarung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen verkündete – ein Schritt, dem Bahrain dann wenige Wochen später folgte.

Es kam keine Kritik aus Riad an dem Deal, obwohl die Palästinenser Riad aufforderten, ihn zu verurteilen. Stattdessen lobten von der Regierung kontrollierte saudische Medien die Vereinbarung als historisch und gut für den Frieden in der Region. Das Königreich hat auch grünes Licht für israelische Flüge durch saudischen Luftraum in die Vereinigten Arabischen Emirate gegeben.

Der Aufbau von Beziehungen sei also für die Saudis keine Frage des »Ob«, sondern eine Frage des »Wann«.

Fest steht, dass der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman bei dieser stillen Einleitung eines Wandels seine Finger im Spiel hat: So etwas ist nur möglich, wenn er entsprechende Anweisungen gegeben hat.

Insider Das wiederum scheint die Einschätzung von Analysten und Insidern zu bestätigen, dass der 35-jährige Thronfolger und sein 84-jähriger Vater, König Salman, nationale Interessen unterschiedlich beurteilen. »Es ist kein Geheimnis, dass es einen Generationenkonflikt gibt«, sagt der in New York ansässige Rabbiner Marc Schneider, der Bahrains König berät und in Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten für engere Beziehungen mit den Juden und Israel geworben hat.

Es hat zum Teil mit Unsicherheiten im Zuge der US-Wahl zu tun, dass die Regierungen am Golf ihren Blick zunehmend nach Israel richten – als einen Verbündeten bei der Verteidigung gegen den gemeinsamen Feind Iran. Aber es steckt noch mehr dahinter.

Mehr als 90 Prozent unterstützten die offizielle Position Saudi-Arabiens.

Wie Rabbi Schneider schildert, hat ihm der frühere saudische Botschafter in den USA, Prinz Chalid bin Salman, gesagt, dass die Reform der saudi-arabischen Wirtschaft für seinen Bruder, den Kronprinzen, höchste Priorität habe. »Er sagte wortwörtlich: ›Ohne Israel werden wir keinen Erfolg haben können‹«, so Schneider. Der Aufbau von Beziehungen sei also für die Saudis keine Frage des »Ob«, sondern eine Frage des »Wann«.

Amtsgeschäfte Analysten und andere Beobachter halten formalisierte Verbindungen aber für unwahrscheinlich, solange König Salman an der Macht ist. Er hat zwar seinem Sohn die Kontrolle über die täglichen Amtsgeschäfte übertragen, schaltet sich aber manchmal ein und steuert sogar mit Erklärungen zur Unterstützung der Palästinenser gegen.

So bekräftigte er der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur Saudi Press Agency zufolge auch Anfang September in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump, dass er weiter der Arabischen Friedensinitiative (2002) verpflichtet sei. Aber sein Sohn, der Kronprinz, hat sich mehr als einmal mit ungewöhnlichem Selbstbewusstsein von Traditionen abgekehrt. Und er ist auch darauf bedacht, die Verbindungen zu den USA im Gefolge der Ermordung des saudischen Journalisten und Dissidenten Jamal Kashoggi im Oktober 2018 zu erneuern.

Allerdings hatte er bereits bei einem US-Besuch im März desselben Jahres hervorgehoben, dass Israel eine große Wirtschaft sei und Saudi-Arabien »eine Menge gemeinsamer Interessen« mit dem jüdischen Staat habe. Das war schon seinerzeit als Unterstützung für eine spätere Aufnahme voller Beziehungen interpretiert worden.

Normalisierung Analysten sind sich auch sicher, dass Bahrains kürzlich verkündete Aufnahme von Beziehungen mit Israel nicht ohne saudische Zustimmung möglich gewesen wäre. Und das lege nahe, dass sich auch Riad eine Normalisierung des Verhältnisses mit dem jüdischen Staat vorstellen könne, sagt Hussein Ibish, ein Experte am Arab Gulf States Institute in Washington.

Die englischsprachige saudische Tageszeitung »Arab News« änderte unlängst ihr Banner auf Twitter, um »Schana Towa« zu wünschen.

»Es herrscht das Gefühl, dass das ein sehr guter Schritt für Saudi-Arabien wäre, aber sie wollen nicht, dass er als Ausdruck saudischer Schwäche ausfällt. Sie wollen sicherstellen, dass er Ausdruck eines Beitrags zu saudischer Stärke wird.«

Prinz Turki al-Faisal, ein prominentes Mitglied der Königsfamilie und ehemaliger Geheimdienstchef, betont derweil, dass von einem Riss zwischen König und Kronprinz keine Rede sein könne. Und er meint, dass arabische Staaten einen hohen Preis für eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel fordern sollten. Diese Haltung wird nach seinen Angaben auch von der Bevölkerung geteilt: Mehr als 90 Prozent unterstützten die offizielle Position Saudi-Arabiens, »dass es einen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt geben muss«, sagte Prinz Turki jüngst.

Umfrage Aber in einem Land wie Saudi-Arabien, in dem die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird, ist es sehr schwer, akkurate Daten zu erhalten – das auch bei Umfragen, wie etwa Yasmine Farouk, eine Gastwissenschaftlerin in der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace, betont.

Es lässt sich jedoch manches zwischen den Zeilen lesen, und einiges spricht sogar Bände. Die englischsprachige saudische Tageszeitung »Arab News« änderte unlängst ihr Banner auf Twitter, um »Schana Towa« zu wünschen. dpa

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